[WestG] [KONF] 7. Bochumer Forum zur Geschichte des sozialen Protestantismus in D., 06./07.01.2004

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Mit Jan 7 09:37:44 CET 2004


Übernahme aus der Mailingliste "Geschichtskultur-Ruhr"
Von: "geschichtskultur-ruhr - Mailingliste",  <geschichtskultur at hclist.de> 
Datum: 07.01.2004, 09:26


TAGUNG

Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre
hans ehrenberg gesellschaft e.V. bochum

7. Bochumer Forum zur Geschichte des sozialen Protestantismus in
Deutschland

Sozialer Protestantismus.
Annäherungen an eine neuzeitliche Gestalt des Protestantismus
am 6./7. Februar 2004 im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets
Clemensstr. 17-19
44789 Bochum

Seit knapp zwei Jahrzehnten hat es sich in der kirchlichen
Zeitgeschichtsforschung eingebürgert, die Formel "Sozialer Protestantismus"
als generalisierende Kennzeichnung für eine Vielzahl von Initiativen zu
verwenden, mit denen sich zunächst protestantische Verbände und Zirkel -
später auch die Amtskirchen durch den Aufbau spezieller Arbeitsfelder - auf
die im Kontext der Industrialisierung und Demokratisierung erforderlich
gewordenen Neuorientierungen der sozialen Gestaltung eingestellt haben.
"Sozialer Protestantismus" kann somit als die Umschreibung einer
neuzeitlichen Form des protestantischen Christentums verstanden werden, die
in konstruktiver Aufnahme der biblischen Barmherzigkeits- und
Gerechtigkeitstraditionen neue Formen kirchlicher Präsenz unter den
Bedingungen industrialisierter Gesellschaften hervorgebracht hat.
In diesem Kontext entwickelte sich ein inhaltsreicher und komplizierter
Diskurs zwischen den Praktikern der sozialen Bewegungen und den Trägern der
ideengeschichtlichen Konzeptionen. Dabei prägten gerade theologische
Überlegungen um die Bedeutung der Liebe als "Lebensmacht" (Uhlhorn) Inhalt
und Ausrichtung des Sozialen Protestantismus weit über das Kaiserreich
hinaus.

Um die Tragfähigkeit der Formel "Sozialer Protestantismus" und eine
historisch-kritische Einordnung zu erarbeiten, ist eine Bestimmung des
Verhältnisses dieser Initiativen zu anderen sozialen Bewegungen seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts unerlässlich.

Der "soziale Protestantismus" entsteht in engem Kontext zu Initiativen
bürgerlicher Sozialreformer, welche sich in der Regel als überzeugte
Protestanten verstanden und die theoretischen Grundlagen des deutschen
Sozial-staats-modells entwickelt haben.

Als weitere soziale Bewegungen dieser Zeit, die auf die Formierung des
"sozialen Protestantismus" eingewirkt haben, sind die entstehende
Frauenbewegung und auch verschiedene antisemitische Strömungen zu beachten.
Es soll geklärt werden, inwieweit sich jeweils Themen und Anliegen dieser
Bewegungen in der Programmatik und in den Sozialformen des "sozialen
Protestantismus" niedergeschlagen haben.

Das mit dem Begriff "sozialer Protestantismus" umschriebene Ausmaß an
Ausdifferenzierungen von Handlungsformen und begleitender
wissen-schaftlicher Reflexion ist in Deutschland vergleichsweise stark
ausgeprägt. Daher ist in einer europäischen Vergleichsperspektive nach den
Besonderheiten der Situation in Deutschland und nach den Impulsen aus
Deutschland für den europäischen Einigungsprozess zu fragen.

Vor dem Hintergrund dieser Einordnungen und Vergleichsperspektiven sollen
abschließend in einem Diskussionsforum die innovatorischen Potenziale wie
auch die historischen Belastungen des sozialen Protestantismus diskutieren
werden.

Traugott Jähnichen und Norbert Friedrich



Tagungsprogramm

Freitag, 6. Februar 2004

16.00  Begrüßung/Einleitung

16.15 Simone Dannenfeld
"Sozialer Protestantismus" und die "Macht der Liebe"

17.30  Kaffeepause

17.45 Dietmar Petzina
"Sozialer Protestantismus" und bürgerliche Sozialreform -
Das Beispiel Victor A. Huber

19.00  Abendessen

19.45  Günter Brakelmann
"Sozialer Protestantismus" und Antisemitismus -
Das Beispiel Adolf Stoecker


Samstag, 7. Februar 2004

9.15 Ellen Ueberschär
Der "Soziale Protestantismus" und die "Frauenfrage"

10.30  Kaffeepause

10.45 Martin Greschat
"Sozialer Protestantismus" in Europa und in Deutschland -
Die Begleitung des westeuropäischen Einigungsprozesses durch Protestanten

12.00 Jochen-Christoph Kaiser (Moderation)
"Sozialer Protestantismus" als Innovation des neuzeitlichen Christentums -
Eine Generaldebatte

Die Tagung endet mit einem Mittagessen gegen 13.15 Uhr


INFO

So erreichen Sie das
Haus der Geschichte des Ruhrgebiets
Clemensstr. 17-19 
44780 Bochum

Deutsche Bahn: ab Bochum Hauptbahnhof Straßenbahn 308 bzw. 318 Richtung
Hattingen bzw. Bo.-Dahlhausen bis Haltepunkt Engelbert-Brunnen oder
Schauspielhaus.

Zu Fuß in ca. 7 Min. über Ferdinandstr. und Hermannshöhe bis zum Haus der
Geschichte des Ruhrgebiets.

PKW: Autobahn A 43 bis Autobahnkreuz Bochum/Witten. Von dort die
Universitätsstr. Richtung Bochum-Innenstadt. Über Oskar-Hoffmann-Str. und
Königsalle gelangen Sie zum Haus der Geschichte des Ruhrgebiets.

Kontakt:
Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre
Prof. Dr. Traugott Jähnichen
Evangelisch-Theologische Fakultät . Ruhr-Universität Bochum 
44780 Bochum
fon 0234 32 24805 . fax 0234 32 14106
traugott.jaehnichen at ruhr-uni-bochum.de