[WestG] [DID] Neue DVD zum Thema Zwangsarbeit

Rita Börste rita.boerste at lwl.org
Mon Feb 9 14:00:47 CET 2004


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org> 
Datum: 09.02.2004, 12:48


DIDAKTIK

'Ausgebeutet für die Volksgemeinschaft' - Neue DVD für multimedialen
Geschichtsunterricht zum Thema Zwangsarbeit

Mehr als 13 Millionen Ausländer - Männer, Frauen und oft noch halbe Kinder -
waren während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland im Einsatz. Auch im Münsterland wurden
zahllose Zwangsarbeiter in Landwirtschaft und Industrie eingesetzt. Das lange verdrängte
Schicksal dieser Menschen greift eine DVD auf, die das Landesmedienzentrum des
Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) und der münsterische "Geschichtsort Villa ten
Hompel" am Montag (09.02.) vorgestellt haben. Erschienen ist die Produktion mit dem
provokanten Titel "Ausgebeutet für die Volksgemeinschaft?" in der neuen Reihe
"Historisches Lernen multi-medial". "Die DVD macht in 14 Filmsequenzen und über 40
ergänzenden multimedialen Materialien eindringlich sichtbar, wie Menschen zwischen 1940
und 1945 nach Deutschland verschleppt und hier ausgebeutet wurden", erläutert Prof. Dr.
Alfons Kenkmann von der Villa ten Hompel, der als Herausgeber gemeinsam mit dem Leiter des
LWL-Landesmedienzentrums, Dr. Markus Köster, für das Konzept der Reihe verantwortlich
zeichnet. 

Im Mittelpunkt stehen Zeitzeugenaussagen von drei ehemaligen Zwangsarbeitern
und einer Zwangsarbeiterin aus der Ukraine. Sie haben ihre Erinnerungen zwischen 1998 und
2002 niedergeschrieben, um vom Stadtarchiv Münster einen Nachweis über ihre Zwangsarbeit
zu bekommen. Die Berichte der vier stehen exemplarisch für das Schicksal sowjetischer
Zwangsarbeiter in der Industrie, in der Landwirtschaft und bei der Reichsbahn. 

"Die DVD erinnert an die Verschleppung der Opfer und sie versucht die Lebensbedingungen und
Alltagserfahrungen der Zwangsarbeiter in Deutschland zu rekonstruieren. Gleichzeitig
beleuchtet sie die Organisation und den Stellenwert der Zwangsarbeit im System der
nationalsozialistischen Kriegswirtschaft", erklärt die Historikerin Gaby Flemnitz, die
das neue Medium gemeinsam mit Karl Reddemann inhaltlich konzipiert hat. Zwar ist es
historisch vielfach belegt, dass große Teile der Zivilbevölkerung die "Fremdarbeiter" gut
behandelt haben. 'Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass über dem Arbeitsalltag
der Verschleppten und Zwangsverpflichteten stets das Damoklesschwert der Hinrichtung
oder des Abtransports ins KZ bei nichtigsten Anlässen schwebte. So reichte oft schon der
bloße Verdacht von Außenstehenden, dass Zwangsarbeiter eine Liebesbeziehung zu einer
Angehörigen des so genannten deutschen Volkstums hatten, um sie hinzurichten', so Köster.

Ergänzend zu den Filmsequenzen haben Flemnitz und Reddemann umfangreiches multimediales
Begleitmaterial zusammengestellt: Schriftquellen im Original, Fotos, Tabellen und
historische Filmaufnahmen erläutern und vertiefen das Thema. Diese Materialien lassen
sich mit Hilfe der DVD-Technik problemlos präsentieren und ausdrucken. Die DVD ist für das
historische Lernen konzipiert: 'Sie eignet sich für das Selbststudium, für Vorträge, für
die Unterrichtsvorbereitung und für unterschiedliche Lehr- und Lernformen. Sie richtet
sich nicht nur an Schulen und die außerschuli-sche Bildungsarbeit. Auch alle
zeithistorisch Interessierten können sie dank eines ausführliches Begleitheftes ohne
technische Vorkenntnisse nutzen', betont Köster. Neue Medien böten die Chance, Geschichte
gerade für Jugendliche und junge Erwachsene erfahrbar und anschaulich zu machen, sind sich
Köster und Kenkmann einig. Deshalb soll die Reihe noch in diesem Jahr fortgesetzt werden: Die
nächste Produktion zum Thema 'Deutsche Besatzung in den Niederlanden' ist schon in Planung.


INFO

Interessierte können die DVD 'Ausgebeutet für die Volksgemeinschaft? Zwangsarbeit im
Münsterland während des Dritten Reiches' beim Westfälischen Landesmedienzentrum
(medienzentrum at lwl.org, Warendorfer Str. 24, 48133 Münster, Tel.: 0251/591-3902) für
19,90 Euro kaufen. Schulen und Vereine, die auch das Vorführrecht erwerben wollen, zahlen
45 Euro.