[WestG] [AKT] Vortraege im Stadtmuseum Borken: Weidner / Bormann /
Krueger / Ester
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Mit Dez 8 18:09:25 CET 2004
Von: "Norbert Fasse" <Norbert.Fasse at borken.de>
Datum: 08.12.2004, 17:57
AKTUELL
Geschichte ist mehr ...
Vortragsreihe des Stadtmuseums Borken
in Kooperation mit der Volkshochschule und dem Heimatverein Borken
Mittwoch, 15. Dezember, 19.30 Uhr
Dr. Marcus Weidner (Westf. Institut für Regionalgeschichte, Münster):
Vom Landjunker zum Kavalier von Welt. Lebenwelten und Bildungspraxis
des münsterländischen Adels im 17. und 18. Jahrhundert
Noch im 16. Jahrhundert lebten die "Landjunker", wie sich die Adligen des Münsterlandes selbst nannten, in der Regel auf ihren Landsitzen und genossen die Bildung von Hauslehrern - im 18. Jh. hingegen hielten sich diese "Kavaliere" saisonal auch in der Stadt Münster in mehr oder minder prachtvollen Adelssitzen auf und lernten in einer mehrjährigen Bildungsreise vorbildhafte Stätten in Europa kennen. Der Vortrag geht diesem fundamentalen Wandel nach und stellt unter dem Blickwinkel der veränderten Bildungspraxis verschiedene Sinn- und Lebensbereiche des münsterländischen Adels vor.
Mittwoch, 19. Januar 2005, 19.30 Uhr
Cornelius Bormann (ehem. ARD-Korrespondent in Warschau):
Der Adler mit der Frau im Herzen. Zur Geschichte Polens und des deutsch-polnischen Verhältnisses im 20. Jahrhundert
Die Geschichte Polens war auch im 20. Jahrhundert eine Geschichte der Fremdbestimmung. Nach wiederholter Teilung 1918 unabhängig, 1939 von Hitler-Deutschland rigoros unterworfen, ausgebeutet und zerstört, unter sowjetischer Ägide 1945 befreit, in seinen Grenzen gen Westen verschoben und weitere Jahrzehnte fremdbestimmt, hat das Land in besonderem Maße unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen gelitten. Erst die Umbrüche des Jahres 1989 eröffneten den Weg in eine freie und plurale Gesellschaft, zugleich erforderte und ermöglichte die deutsch-deutsche Wiedervereinigung eine weitere Normalisierung und Intensivierung der bilateralen Beziehungen. Polens Orientierung auf das Demokratie- und Wirtschaftsmodell Westeuropas hat mit der Aufnahme in die EU im Jahr 2004 auch eine politische und völkerrechtliche Institutionalisierung erfahren. Gleichwohl sind einige wesentliche Probleme des deutsch-polnischen Verhältnisses noch ungeklärt und ohne eine Vergegenwärtigung der Geschichte Polens und der wechselseitigen Beziehungen nicht angemessen zu lösen.
Cornelius Bormann, 1939 in Berlin geboren, studierte Theologie und arbeitete seit 1965 als Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk. 1969-73 war er Korrespondent in Düsseldorf, von 1984-1990 Leiter des Studios Düsseldorf und von 1990-98 Chefredakteur der Landesprogramme des Fernsehens NRW; daneben arbeitete er als Korrespondent in Afrika und USA, von 1998-2001 als ARD-Korrespondent in Warschau. Im Sommer 2004 erschien im Verlag Hentrich & Hentrich, Teetz, seine Publikation "Polen - Unser Nachbar. Der Adler mit der Frau im Herzen".
Mittwoch, 16. Februar 2005, 19.30 Uhr
Dr. Gerd Krüger (Historiker, Lüdinghausen):
"Wir wachen und strafen!" - Gewalt im Ruhrkampf von 1923
Anfang 1923 besetzten französische und belgische Truppen zunächst Essen und dann große Teile des Ruhrgebiets, um rückständige Reparationen und Sachleistungen einzutreiben. Es war eine kriegsmäßige Besetzung, und die deutsche Regierung rief zum "passiven Widerstand" auf. In den folgenden Monaten war das Ruhrgebiet Schauplatz erbitterter Auseinandersetzungen, die von beiden Seiten in einer Art Mimikry als Fortsetzung des Ersten Weltkriegs mit anderen Mitteln geführt wurden und sich sich spürbar auf das Westmünsterland auswirkten. Die Gewalt kulminierte im Essener "Blutsamstag", als französische Soldaten bei einer Beschlagnahmung 13 Krupparbeiter tödlich verletzten. Sabotageaktionen auf deutscher Seite, die "Abrechung" mit den Streikbrechern, all das gab dem "Ruhrkampf" die Prägung eines "Kriegs im Frieden". Im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit war plötzlich der Erste Weltkrieg wieder da - dieses Mal im eigenen Land. Tatsächlich trugen die Besatzungsmaßnahmen auch Züge einer Revanche von Franzosen und Belgiern für die wenige Jahre zuvor erlittene Kriegsbesetzung durch die Deutschen.
Mittwoch, 9. März 2005, 19.30 Uhr
Matthias M. Ester M.A. (Historiker, Münster):
Riga - Tatort und Gedenkort der münsterländischen Geschichte.
Deutsche, lettische und europäische Dimensionen der Erinnerung an die Shoah
Im Dezember 1941 organisierten die Nationalsozialisten unter Beteiligung vieler Behören auch im Kreis Borken die ersten Deportationen von Menschen jüdischer Abstammung bzw. jüdischen Glaubens. Die Betroffenen teilten das Schicksal der über 24.600 Bürgerinnen und Bürger aus dem "Großdeutschen Reich", die im Ghetto von Riga interniert wurden. Sie hatten Zwangsarbeit zu leisten, starben an den menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen oder wurden ermordet. Das Ghetto in der "Moskauer Vorstadt", die umliegenden Arbeits- und Konzentrationslager und die großen Stadtwälder, in denen die Massenexekutionen stattfanden, waren Orte des Verbrechens der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
In den Jahren 2001/02 sind Münster, Bocholt, Steinfurt und Warendorf dem "Riga-Komitee der deutschen Städte" beigetreten, das die zentrale Gräber- und Gedenkstätte im Wald von Bikernieki eingerichtet hat, und leisten auf diese Weise einen Beitrag zum Gedenken an die Opfer aus der eigenen Stadt. In Lettland herrscht die Erinnerung an die Unterdrückung in der Sowjetzeit vor; ein offener Umgang mit der deutschen Besatzungszeit und der Shoah fällt bislang schwer. Die Wiedererlangung der staatlichen Souveränität 1989/90 und der Beitritt zur Europäischen Union im Mai 2004 bilden die Koordinaten einer lettischen Selbstaufklärung zwischen nationaler und europäischer Identität, in der auch die Sicht der Shoah neu bestimmt werden muss. Bikernieki kann zu einem Gedenkort werden, an dem die unterschiedlichen Erinnerungskulturen zu einer europäischen Gedenkkultur zusammengeführt werden, ohne dass die deutsche Verantwortung für die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und für die erinnernde und gedenkende Aufklärung in Frage gestellt wird.
INFO
Alle Vorträge finden im Stadtmuseum Borken statt.
Standort Museum:
Marktpassage 6
46325 Borken
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Im Piepershagen 17
46325 Borken
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