[WestG] [AUS] Bertolt Brecht und Hans Tombrock, Oelde-Stromberg, ab
10.12.2004
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Dez 7 18:21:47 CET 2004
Von: "Dirk Bogdanski", <bogdanski at kulturgut-nottbeck.de>
Datum: 07.12.2004, 18:13
AUSSTELLUNG
"Bertolt Brecht und Hans Tombrock. Eine Künstlerfreundschaft im skandinavischen Exil"
vom 10. Dezember 2004 bis zum 30. Januar 2005 im
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg.
Als "George Grosz der Landstraße" wurde der Maler Hans Tombrock gefeiert, bevor seine politische Kunst der Zensur durch die Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Der "Proletarier" Tombrock ging ins schwedische Exil, wo er 1939 Bertolt Brecht kennen lernte und eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Künstlern entstand. Die Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur dokumentiert mit zahlreichen Originalgrafiken, historischem Fotomaterial und weiteren Dokumenten erstmals die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Schriftsteller und dem Maler in der Ausnahmesituation ihres Exils. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, dem 10. Dezember um 19.30 Uhr mit einer Lesung der Kammerschauspielerin Helga Uthmann vom Stadttheater Dortmund. Sie liest Texte und Briefe von und über Bertolt Brecht und Hans Tombrock.
Über die Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit von Brecht und Tombrock ist bisher nur wenig bekannt. Umso bemerkenswerter ist, dass die Ausstellung des Fritz-Hüser-Instituts für deutsche und ausländische Arbeiterliteratur in Dortmund zum ersten Mal die beiden Künstlerfreunde und ihr schöpferisches Zusammenwirken in den Mittelpunkt stellt. Brecht-Liebhaber werden eine bislang wenig erforschte Seite seiner Arbeit kennen lernen. An der bildenden Kunst Interessierte haben die Gelegenheit, den zu Unrecht fast vergessenen Maler und Grafiker Hans Tombrock neu zu entdecken.
Ursprünglich Bergmann im Ruhrgebiet, war Tombrock von 1927 bis zu seiner Emigration 1933 Mitglied der Künstlergruppe der "Bruderschaft der Vagabunden". Seinen künstlerischen Durchbruch erlebte er durch die Begegnung mit Gregor Gog, dem Herausgeber der ersten Straßenzeitung der Welt, der ihn ermutigte, Szenen der Straße zu zeichnen, zu malen und zu radieren. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass er auf einer Kunstausstellung 1929 in Stuttgart gefeiert und seine Werke von vielen Galerien und Museen in ganz Europa angekauft wurden. Tombrock hatte durch die Verbreitung preiswerter Druckgrafik und sozial engagierter Bilder auch in Schweden großen Erfolg.
Brecht schrieb Texte, zu denen Tombrock Bilder malte, beides wurde im Großformat für die Einrichtung der schwedischen Volkshäuser und Gewerkschaftslokale verwendet. Tombrock porträtierte den Dichter und illustrierte dessen Dramen in kraftvoll realistischer Manier. Brecht wiederum verarbeitete Tombrocks Anfänge als Maler in Schweden in der "Parabel vom Me-Ti im Volkshaus" oder in Vierzeilern, die er für seinen Freund schrieb. Die beiden Künstler gaben einander Impulse und ergänzten sich in ihrem künstlerischen Schaffen.
Auch noch nachdem Brecht Schweden 1940 in Richtung Finnland verlassen hatte, führten die beiden ihre intensive Zusammenarbeit fort. Auf dem Postweg diskutierten die Freunde über die mehr als 20 Radierungen Tombrocks zu Brechts Drama "Galileo Galilei". Bis zum Tode Brechts 1956 blieb die künstlerische und persönliche Verbindung zwischen dem Maler und dem Schriftsteller lebendig. Zahlreiche Briefe und Skizzen geben heute noch Zeugnis davon.
Zahlreiche Brechtporträts und Selbstbildnisse Hans Tombrocks sowie die Illustrationen zur "Dreigroschenoper", zu "Galileo Galilei" und "Mutter Courage" werden in der Ausstellung im Original zu sehen sein. Ergänzt wird die Schau durch Projektionen weiterer Werke, historischer Fotos und Textdokumente.
Die Schauspielerin Helga Uthmann, bekannt durch zahlreiche Rollen am Dortmunder Stadttheater und Gastspiele auf großen Bühnen im In und Ausland, wird in ihrer Lesung die so gegensätzlichen und doch mit vielen Gemeinsamkeiten ausgestatteten Künstler Bertolt Brecht und Hans Tombrock vorstellen: Brecht, der aus dem Bürgertum stammte und als Dramatiker internationale Anerkennung genoss, Tombrock, der im Arbeitermilieu aufwuchs, lange Zeit obdachlos war und endlich in Schweden so etwas wie eine Heimat fand. Auszüge aus Texten wie "Die jüdische Frau" oder die "Dreigroschenoper", beide von Tombrock illustriert, werden ebenso vorgetragen wie autobiografische Notizen, Briefe und andere Dokumente.
INFO
Ausstellung: "Bertolt Brecht und Hans Tombrock. Eine Künstlerfreundschaft im skandinavischen Exil." Eine Ausstellung des Fritz-Hüser-Instituts für deutsche und ausländische Arbeiterliteratur, Dortmund, im Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg vom 10. Dezember 2004 bis 30. Januar 2005.
Lesung zur Ausstellungseröffnung am 10. Dezember 2004 um 19.30 Uhr. Die Kammerschauspielerin Helga Uthmann liest Texte und Briefe von und über Bertolt Brecht und Hans Tombrock. Eintritt: 6 €
Ausstellungskatalog: Rainer Noltenius (Hg.): Bertolt Brecht und Hans Tombrock - eine Künstlerfreundschaft im skandinavischen Exil. 2004 Klartext Verlag, Essen, 160 S., zahlreiche Abbildungen. Verkaufspreis in der Ausstellung: 14,90 €.
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 14.00 - 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 - 18.00 Uhr
Museums-Café
Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 - 18.00 Uhr
Und nach Vereinbarung
Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und
www.kulturgut-nottbeck.de.