[WestG] [LIT] DVD zum Lemgoer Junkerhaus
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Dez 7 17:40:44 CET 2004
Von: "Pressestelle LWL", <presse at lwl.org>
Datum: 01.12.2004, 09:05
AKTUELL
LWL setzt dem Lemgoer Junkerhaus und seinem Erbauer ein multimediales Denkmal
Schon auf den ersten Blick geheimnisvoll und sagenumwoben erscheint das Junkerhaus in Lemgo (Kreis Lippe). An ihm scheiden sich die Geister ebenso wie an seinem Erbauer Karl Junker (1850 - 1912): Die einem sehen in dem mit ornamentalen Schnitzereien *berzogenen Haus die Sch*pfung eines kranken Geistes, die anderen preisen es als fantastisches Gesamtkunstwerk. Mit der DVD "Das Junkerhaus in Lemgo", die am Dienstag (30.11.) in Lemgo Premiere feierte, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) dem Haus und seinem Sch*pfer ein multimediales Denkmal gesetzt.
"Den Weg des Hauses bis zum heutigen Museum hat der LWL gleich vierfach begleitet und unterst*tzt: Die Fachleute unseres Museumsamtes haben das Haus restauriert. Dabei haben sie sowohl von unse-ren Denkmalpflegern wie auch von unserem Amt f*r Landschafts- und Baukultur viel Unterst*tzung erhalten. Unser Landesmedienzentrum hat mit seinem Junkerfilm Pionierarbeit geleistet. Denn die *berregionale Wertsch*tzung Junkers hat gerade erst begonnen, es ist damit zu rechnen, dass in den n*chsten Jahren eine Reihe neuer Forschungsergebnisse vorgelegt werden", beschrieb LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe die enge Verbindung des LWL mit der j*ngsten Geschichte des Junkerhauses.
Der Film, den der LWL nicht nur in Lemgo w*hrend und nach der Restaurierung, sondern auch in Heidelberg gedreht hat, besch*ftigt sich nicht nur mit dem Haus, sondern auch mit dem Leben seines Erbauers: Nachdem Junker mit 18 Jahren seine Gesellenpr*fung als Tischler abgelegt hatte, verlie* er f*r zw*lf Jahre Lemgo und bildete sich in Hamburg, Berlin und vor allem in M*nchen an der Kunstgewerbeschule und an der Akademie der Bildenden K*nste fort. Nach seiner R*ckkehr arbeitete er haupts*chlich als Maler.
Nach dem Vorbild der K*nstlerh*user, die er in M*nchen kennengelernt hatte, begann er wenige Jahre sp*ter mit dem Bau seines Hauses als Gesamtkunstwerk. "Von der Aufteilung her ist das Haus durchaus b*rgerlich, seine Gestaltung ist jedoch pr*gnant: S*mtliche Decken und W*nde sind vert*felt, alle Fl*chen zwischen den vielen Bildern hat Junker beschnitzt und bemalt", so LWL-Filmemacher Dr. Hermann-Josef H*per. Wie viele K*nstler des 19. Jahrhunderts f*hlte sich Junker von seiner Umgebung nicht verstanden. Er zog sich immer mehr zur*ck. Deshalb bildeten sich nach seinem Tod 1912 schnell Legenden um seine Person. Dazu trug Junker zu Lebzeiten zumindest unbewusst bei, indem er mitunter seine Lebenssituation falsch dargestellt hat.
So ist bis heute nicht abschlie*end gekl*rt, ob Junker psychisch krank war. Darauf deutet die Tatsache hin, dass sich in der Sammlung von Patientenbildern, die der aus Hemer stammende Psychiater Hans Prinzhorn in Heidelberg zusammengetragen hat, auch einige Werke Junkers befinden. M*glicherweise hat sie aber auch ein Galerist als Vergleichsst*cke nach Heidelberg gebracht.
Junker hat fast alle zeitgen*ssischen Stilrichtungen seiner Zeit aufgenommen: In seinen Werken finden sich Elemente des Symbolismus, in dem Traum und Phantasie in den Vordergrund r*cken, ebenso wie lange geschwungene Linien und der Natur entnommene Formen als Merkmale des Jugendstils oder impulsive, *berzeichnete Formen und Farben des Expressionismus. "Man kann Junker wohl am ehesten gerecht werden, wenn man ihn als Vertreter der 'Art brut' versteht. W*rtlich *bersetzt bedeutet das ‚unverbl*mte Kunst' und meint spontane und unreflektierte Werke zum Beispiel von Kindern, gesellschaftlichen Au*enseitern und Psychiatriepatienten. Diese auch 'Outsider-Art' genannte Kunst scheint unabh*ngig von Normen zu sein und gibt die inneren Zust*nde des K*nstlers wieder", fasst H*per seine Eindr*cke zusammen.
INFO
Weil sich f*r die "Outsider Art" zunehmend ein internationales Publikum interessiert, hat der LWL die DVD auch mit einer englischen Sprachversion ausgestattet. Neben dem 25-min*tigen Film enth*lt die DVD auf einem ROM-Teil, der per Computer zug*nglich ist, 130 Bilder, die einen Querschnitt durch die Kunst Karl Junkers zeigen.
Das Junkerhaus in Lemgo
Die Kunst eines Au*enseiters - Karl Junker (1850-1912)
DVD mit einem 25-min*tigem Film und einem ROM-Teil mit 130 Fotos
Preis: 14,90 Euro (zzgl. 2,60 Euro Versand),
Schulen und Vereine, die auch das Vorf*hrrecht erwerben wollen, zahlen 45 Euro.
Bezug: Westf*lisches Landesmedienzentrum, Warendorfer Str. 24, 48133 M*nster,
Tel.: 0251 591-3902, medienzentrum at lwl.org