[WestG] [AKT] Lesung/Workshop zum Regisseur und Autor Imo
Moszkowicz, Haus Nottbeck, 21.-22.11.2003
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Mon Nov 17 11:34:31 CET 2003
Von: "Iris Nölle-Hornkamp" <Noelle-Hornkamp at t-online.de>,
Projekt "Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen"
Datum: 17.11.2003, 09:42
"Immer lebe ich in diesem Mißverhältnis..."
Lesung und Workshop zum Regisseur und Autor Imo Moszkowicz am
21. und 22. November im Westfälischen Literaturmuseum - Haus Nottbeck
Dem bekannten Schauspieler, Autor, Film- und Theaterregisseur Imo Moszkowicz
widmet sich das Projekt "Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen"
der Universität Paderborn am 21. und 22. November in einem zweitägigen Workshop
im Westfälischen Lite-raturmuseum - Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg. Autorenlesungen,
Filmpräsentationen, Zeitzeugengespräche und Publikumsdiskussionen geben Einblicke
in das bewegte Leben und vielschichtige Schaffen des gebürtigen Ahleners, der als
Assistent von Gustaf Gründgens das Regie-Handwerk erlernte und heute mit etwa
zweihundert Fernseh- und drei Spielfilmen zu den "dienstältesten" Fernsehregisseuren
Deutschlands zählt.
Der 21. November (Beginn 18.00 Uhr) steht ganz im Zeichen des bewegten Lebensweges
von Imo Moszkowicz. Der Sohn eines russischen Schuhmachers und einer polnischen
Mutter, geboren im westfälischen Ahlen, hat Auschwitz überlebt. Seine sechs Geschwister
und seine Mutter wurden dort ermordet. Obwohl ihm die deutsche Sprache mit ihren
mörderischen Befehlen seine Familie, seine Jugend geraubt hat, blieb sie ihm Heimat.
An diesem Abend wird die Schauspielerin Daniela Dadieu aus den Erinnerungen ihres
Vaters Imo Moszkowicz "Der grauende Morgen" lesen, die in diesem Jahr in dritter
Auflage im Münsterschen Lit-Verlag erscheinen. Das Buch ist "eine der unfangreichsten
und zugleich dramatischsten Auschwitzdarstellungen, die wir von westfälischen Juden
besitzen, ein einmaliges Dokument hierzulande" (Diethard Aschoff). Weitere Einblicke
in das Leben des Autors und Regisseurs bietet der anschließende Film "Sagt nicht, es
kann nicht wieder passieren; Imo Moszkowicz, ein Regisseur in Deutschland". Ein
Publikumsgespräch mit Imo Moszkowicz und Daniela Dadieu, moderiert von
Hans W. Gummersbach, beschließt den Abend.
Der vom Journalisten Ulrich Schmidt moderierte Workshop am 22. November konzentriert
sich dann auf Moszkowicz' Regiearbeit. Er begann als Schauspieler und Regieassistent
bei Gustaf Gründgens und Fritz Kortner. Im Laufe seiner Karriere als Regisseur arbeitete
er am Hamburger Schauspielhaus und anderen großen Häusern in Deutschland, in der
Schweiz, in Österreich, Chile, Brasilien und an der Habimah in Israel, zudem an zahlreichen
Opernhäusern in Europa. Daneben inszenierte der Regisseur zahlreiche Filme und
Fernsehspiele, adaptierte Musicals, Opern und Schauspiele für das Fernsehen und
drehte nicht zuletzt auch Spielfilme für das Kino.
Der Vormittag (Beginn 10.00 Uhr) ist der Theaterarbeit Moszkowicz' gewidmet: 1960
drehte er für den WDR Cole Porters "Kiss me, Kate", 1998 inszenierte er das Musical
erneut, diesmal bei den Kreuzgangfestspielen in Feuchtwangen. Wie hat sich sein Blick
auf das Stück in nahezu 30 Jahren verändert? Zur Zeit arbeitet Moszkowicz' an einem
Drehbuch für einen Film, der in Westfalen spielen und hier in der Region gedreht wird.
Ein Werkstattbericht von den Vorbereitungen für diesen Film wird den Vormittag beschließen.
Der Nachmittag gilt dem Film und Fernsehregisseur Imo Moszkowicz: Auch hier zeigt sich
eine enorme Bandbreite. Ob Krimi oder Literaturverfilmung, ob Fernsehfilm oder gar Serien
für Kinder, Moszkowicz hat nahezu jedes Genre für das Fernsehen bearbeitet und war
vielfach Pionier. Ob Farbe als dramaturgisches Mittel oder der Einsatz einer elektronischen
Kamera - Imo Moszkowicz hat es als erster gewagt. Im Gespräch mit Daniela Dadieu und
ihrem Vater sollen die Unterschiede zwischen Theater- und Film-/Fernsehinszenierung
herausgearbeitet werden. Von besonderem Reiz wird dabei sein, wie das Vater-Tochter-
Verhältnis die Arbeit beeinflusst hat. Zum Abschluss wird der Film "Wenn ihr wollt, ist es
kein Märchen" in Ausschnitten gezeigt. Hierbei geht es um die Vorgeschichte der
Entstehung des Staates Israel und ein Porträt von Theodor Herzl.
Veranstaltet wird der Workshop von der Universität Paderborn: Projekt "Jüdische
Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen" (Organisation: Dr. Iris Nölle-Hornkamp),
dem Museum für Westfälische Literatur in Kooperation mit den Volkshochschulen
Münster und Ahlen. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.
INFO
Eintritt 21.11.: 6,- (erm. 4,-), 22.11.: 12,- (erm. 8,-)
Anmeldungen unter noelle-hornkamp at juedischeliteraturwestfalen.de
Tel. 02573-1795, oder direkt im
Museum für Westfälische Literatur
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Tel. 02529-949457 oder
info at kulturgut-nottbeck.de
Weitere Informationen unter http://www.juedischeliteraturwestfalen.de