[WestG] [AUS] "Gruesse von der Ziegelei" im Westfaelischen
Industriemuseum
Rita Börste
r.boerste at lwl.org
Die Jun 24 15:27:01 CEST 2003
Von: "Christiane Spänhoff", Westf. Industriemuseum, <c.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 24.06.03, 12:07
Grüße von der Ziegelei - Ausstellung auf Zeche Zollern II/IV im Westfälischen Industriemuseum Dortmund
Grüße aus der Ferne werden heute zunehmend als E-Mail und SMS verschickt - vor 100 Jahren trat die Fotopostkarte als modernes Medium ihren Siegeszug an. "Meinen Lieben daheim", so begann Heinz Fritzensmeier aus Leese bei Lemgo eine Postkarte, die er am 9. Juni 1926 als Wanderziegler aus Duisburg an seine Familie in Lippe schrieb. Auf der Vorderseite ein Belegschaftsfoto, auf der Rückseite einige Zeilen.
Unter dem Motto "Grüße von der Ziegelei" zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV rund 80 historische Belegschaftsfotos, die die lippischen Wanderziegler als Karte in die Heimat schickten. Die Ausstellung im Rahmen der Reihe "Galerie Industriearbeit" wird am Sonntag, 29. Juni, um 11 Uhr im historischen Werkstattgebäude der Zeche eröffnet und läuft dort bis zum 7. September.
Viele Lipper verließen im frühen 20. Jahrhundert alljährlich im Frühjahr ihre Heimat, um auf auswärtigen Ziegeleibetrieben - auch im Ruhrrevier - Geld zu verdienen und so das Überleben ihrer Familien zu sichern. Während der mehrmonatigen Trennung hielt man mit Briefen und Postkarten Kontakt. Letztere waren zugleich auch Erinnerungsstücke - zeigten sie doch die Freunde und Kollegen, mit denen zusammen die harte Arbeit in der Fremde gemeistert wurde. "Als sozialgeschichtliche Bildquellen dokumentieren diese Fotokarten viele Details aus dem Arbeitsleben der Ziegler, z.B. die typischen Werkzeuge oder auch die zeitgenössische Arbeitskleidung", so Dr. Andreas Immenkamp vom Westfälischen Industriemuseum.
Manche Wanderziegler ließen sich allerdings im guten Anzug, "dem Besten", ablichten. Mehrfach erkennt man auf den Fotos persönliche Dinge wie Taschenuhren, Musikinstrumente oder Fahrräder. Immenkamp: "Das Fahrrad galt bei den Zieglern zwischen 1900 und 1914 geradezu als Statussymbol."
Ausführliche Informationen zum Thema gibt es bei der Ausstellungeröffnung am 29. Juni ab 11 Uhr sowie am Sonntag, 13. Juli: Unter dem Motto "Ziegel für das Ruhrrevier" erwartet die Besucher auf Zollern dann eine Ausstellungsführung, ein Diavortrag über "Das Ruhrrevier als Ziegellandschaft" sowie eine Zechenführung zum Thema "Ziegelmauern und Ziegeldächer auf Zollern" (11-13 Uhr).
Im Herbst und Winter zeigt das LWL- Industriemuseum im Rahmen seiner "Galerie Industriearbeit" auf Zollern zwei weitere Ausstellungen: Unter dem Titel "Düsseldorf - Dortmund - Mexiko" geht es vom 21. September bis 9. November um die Entstehungsgeschichte der Jugendstil-Maschinenhalle der Zeche. Ab 23. November werden in der Alten Werkstatt Zeichnungen und Aquarelle von Hermann Sperl zum Themenbereich "Industriedenkmal / Industrielandschaft" gezeigt.
INFO
"Grüße von der Ziegelei - Lippische Zieglerkommunen 1890 - 1950"
29.6.- 7.9.2003
Di-So 10-18 Uhr
ORT:
Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern
- Galerie Alte Werkstatt -
Grubenweg 5, Dortmund-Bövinghausen
URL:
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