[WestG] [AUS] Widerstand und Opposition in der DDR, Stadtmuseum
Muenster
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Dez 5 08:16:51 CET 2003
Von: "Ingrid Fisch" <FischI at stadt-muenster.de>, Stadtmuseum Münster
Datum: 04.12.2003, 16:52
AUSSTELLUNG
Widerstand und Opposition in der DDR
Stadtmuseum zeigt Wanderausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig
"Wir wollen freie Menschen sein". Diese Forderung treibt am 17. Juni 1953
Hundertausende in der DDR gegen das SED-Regime auf die Straße. 36 Jahre
danach skandieren Hundertausende im ganzen Land "Wir sind das Volk".
Diesen Massenprotesten hat das Regime - diesmal ohne den Rückhalt aus
oskau - nichts entgegenzusetzen. Am 9. November 1989 fällt die Mauer in
Berlin. Der Weg zur deutschen Einheit ist frei.
1953 und 1989 sind die Schlüsseldaten in der Geschichte von "Widerstand
und Opposition in der DDR". Und sie stehen mit ihren politischen Ereignissen
in der gleichnamigen Wanderausstellung im Stadtmuseum Münster im Blickpunkt.
Opposition, Mut und Zivilcourage
Es sind rund 500 Exponate, mit denen die Stiftung Haus der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland den Spot richtet auf einen Teil ostdeutscher
Geschichte, der immer mehr in Vergessenheit gerät. Münster ist die vorerst
letzte Station einer Ausstellung zu Opposition, Mut und Zivilcourage vor dem
Hintergrund der deutschen Teilung.
Inhaltlich wurde die Ausstellung mit zahlreichen Ton- und Filmdokumenten vom
Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung erarbeitet. Sie erinnert mit prägnanten
Einzelbeispielen an die Ablehnung des SED-Staates. Sie fragt nach Reaktionen auf
Mauerbau und Niederschlagung des "Prager Frühlings" und beschreibt den politischen
Protest der Bürgerbewegung in den 1970-er und 1980-er Jahren.
Repressionen des Regimes spiegeln sich in der Ausstellung im Stadtmuseum
besonders in den Lebensläufen prominenter wie unbekannter DDR-Bürger. Wer
Widerstand leistete oder zur Opposition gehörte, geriet in die Mühlen von
Staatssicherheit und Justiz. Immer wieder symbolisieren Ausstellungsobjekte
die Zivilcourage von Menschen. Darunter ist der "Blumenständer", in dem
verbotene Dokumente versteckt wurden. Oder die polnische Fahne, mit der
Roland Jahn in Jena öffentlich Solidarität mit der Gewerkschaftsbewegung
"Solidarnosc" bekundete.
Die Schau setzt ein mit den frühen Protesten gegen die "antifaschistisch-
demokratische Umwälzung" von Staat und Gesellschaft und Widerständen
gegen die SED-Gründung im April 1946.
Tagebuch zum 17. Juni 1953
"Die ganze Welt hat unverhüllt unsere Not gesehen". Diese Worte schreibt
eine junge Frau im Juni 1953 in ihr Tagebuch, nachdem Panzer, sowjetisches
Militär und Volkspolizei den Aufstand vom 17. Juni niedergeschlagen haben.
Das Heft mit dem persönlichen Erleben liegt in der Ausstellung zum Nachlesen bereit.
Wochenschauen, Film-, Foto- und Textdokumente sowie Stimmen von
Zeitzeugen richten sich nicht nur auf die Ereignisse in Ost-Berlin. Auch
die mitteldeutschen Industriezentren Magdeburg, Leipzig, Bitterfeld, Halle
und Jena und Demonstrationen auf dem Land sind beim "17. Juni" Thema.
Dargestellt werden nicht zuletzt Reaktionen des Westens.
Der Mauerbau 1961 und die Niederschlagung des "Prager Frühling" 1968
schließen chronologisch an. Für ein einzelnes Ereignis steht die Beatdemonstration
1965 in Leipzig. "Freiheit für den Beat" fordern einige hundert Jugendliche und
ziehen gegen das Verbot verschiedener Musikgruppen durch das SED-Regime zu Felde.
Havemann und Biermann
An die Opposition in den 1970-er und 1980-er Jahren erinnern Biografien von
Bürgerrechtlern und Regimekritikern. Mit Robert Havemann wird eine Leitfigur
des Widerstands in den Mittelpunkt gestellt. Ebenso wie der Liedermacher Wolf
Biermann und die Folgen seiner Ausbürgerung 1976.
Weitere Schlaglichter richten sich auf die friedliche Revolution vom Herbst 1989.
In einer präparierten Aktentasche verbirgt sich die Kamera, mit der Siegbert Schefke
am 9. Oktober 1989 seine legendären Aufnahmen von der Montagsdemonstration
machte. Vom Turm einer Kirche am Leipziger Ring aufgenommen gingen die Bilder
von mehr als 70 000 demonstrierenden Menschen in der DDR um die Welt ...
INFO
Ausstellung "Widerstand und Opposition in der DDR", bis zum 6. Januar 2004 im
Stadtmuseum Münster;
Begleitprogramm mit Führungen, Lesung und Vortrag; Info: Telefon 02 51 - 4 92 45 03.
Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28
48143 Münster
E-Mail: museum at stadt-muenster.de
Öffnungszeiten:
Di. - Fr. 10 - 18 Uhr
Sa. u. So. 11 - 18 Uhr
Mo. geschlossen
Der Eintritt ist frei.
Ingrid Fisch
Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28
D-48143 Münster
Telefon: +49 (0)251/492-4513
Fax: +49 (0)251/492-7726
eMail: FischI at stadt-muenster.de