[WestG] [AKT] Newsletter Villa ten Hompel, Oktober 2023

Dewert, Camilla Lucia CamillaLucia.Dewert at lwl.org
Di Okt 17 08:49:52 CEST 2023


Von: noreplyvth at stadt-muenster.de <noreplyvth at stadt-muenster.de> 
Datum: 16.10.2023, 15:29


AKTUELL

Geschichtsort Villa ten Hompel - Newsletter

Themen des Newsletters Oktober 2023


Neuigkeiten 

- Solidarität mit Israel
- Aktuell finden Arbeiten an der Fassade des Geschichtsortes statt

Ausblick 

- Versöhnungstheater: Kritische Analyse der deutschen Erinnerungskultur
- Rund um die Villa
- Ein vergessenes Kapitel des Holocaust
- Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung
- Abweichende weibliche Sexualität
- Trawniki-Männer als Gehilfen der Aktion Reinhard

Rückblick 

- Ein Blick in die Sammlung ...
- Erzähl mal ... Spurensuche zur NS-Familiengeschichte
- Muss mobile Beratung feministisch sein?

Guten Tag!

Während der Herbstferien ist es stiller im Saal der Villa ten Hompel geworden, doch mit Ferienende nehmen auch unsere Veranstaltungsreihen wieder an Fahrt auf. An den sechs Terminen finden sich Perspektiven auf vergessene Kapitel der Geschichte und auf erinnerungskulturelle Diskussionen der Gegenwart, Stimmen von Nachwuchswissenschaftler*innen wie auch von solchen mit langjähriger Erfahrung, Führungen in der und um die Villa ten Hompel herum. Besonders freuen wir uns auch auf Max Czolleks kritische Analyse der deutschen Erinnerungskultur am Donnerstag, den 19. Oktober.

Diese – und noch weitere – Neuigkeiten finden Sie in diesem Newsletter des Monats Oktober. Ich wünsche Ihnen viele Erkenntnisse bei der Lektüre unseres Newsletters!


Neuigkeiten 

Solidarität mit Israel 

Wir teilen das Entsetzen über den terroristischen Angriff auf Israel und sind in Gedanken bei den Betroffenen, deren Familien und Bekannten, im Land selbst wie auch in der ganzen Welt. Wir Mitarbeitenden des Geschichtsortes machen uns darüber hinaus große Sorgen um unsere Kolleg*innen vor Ort, die für unseren Kooperationspartner, dem World Holocaust Remembrance Center Yad Vashem arbeiten oder in Münsters Partnerstadt Rishon Le Zion leben, mit denen wir in engem und herzlichem Austausch stehen.

Nach Informationen des Büros für Internationales der Stadtverwaltung ist auch Rishon unter Raketenbeschuss geraten. Demnach gibt es mehrere Opfer. Rund 20, überwiegend junge Menschen, werden zudem vermisst.

Auch wir als Mitarbeitende waren deswegen bei der Kundgebung vor dem Rathaus am 9. Oktober, die auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Münster, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Münster und seinem Jugendforum sowie dem Jugendbündnis gegen Antisemitismus stattfand. Vor dem Friedenssaal gibt es zudem eine Ecke für ein individuelles Gedenken. „Wir trauern mit den Menschen aus Münsters Partnerstadt und ganz Israel“, sagte auch der Oberbrügermeister Markus Lewe. Der Staat Israel ist Schutzraum für Jüdinnen*Juden als Konsequenz aus den historischen Ereignissen, die den Mittelpunkt unserer Arbeit am Geschichtsort Villa ten Hompel darstellen. Wird dieser Schutzraum verletzt, hat dies immer auch Wirkung auf unsere Arbeit – und umso entschlossener sind wir in unserer Solidarität wider jeden Antisemitismus und umso intensiver sind unsere Gedanken an die Betroffenen vor Ort.

 Aktuell finden Arbeiten an der Fassade des Geschichtsortes statt 

Aus diesem Grund wird ein Baugerüst rund um die Villa ten Hompel aufgebaut. Der Besuch der Ausstellung und der Seminarbetrieb sind dennoch wie gewohnt möglich. Die Parkplätze im Hinterhof stehen allerdings nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.


Ausblick 

Max Czolleks legendäre Bücher „Desintegriert euch!“ und „Gegenwartsbewältigung“ streuten lustvoll Zweifel an den deutschen Narrativen von Integration bis Leitkultur. Scharf, gewitzt und an jeder Stelle überraschend schließt „Versöhnungstheater“ diesen Kreis, wenn es nach der aktuellen Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit fragt: Denn Deutschland sei wieder wer, auch weil es sich so mustergültig an den Holocaust erinnert. Herzlich willkommen zum Versöhnungstheater! Darüber spricht am Donnerstag, 19. Oktober, um 19 Uhr Max Czollek in der Villa ten Hompel.

Die Veranstaltung findet vor Ort und über Zoom statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Da wir mit einem erhöhten Publikumsandrang rechnen, kann kein Platz garantiert werden. Wir regen daher auch eine Teilnahme über Zoom an.

Mehr zu diesem Forum am Donnerstag mit Max Czollek <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=1> 

 	
Rund um die Villa 

Wer authentische Spuren aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs finden möchte, muss hierfür nicht zu Museen in Berlin oder München reisen. Schon bei einem Spaziergang vor der eigenen Haustür lassen sich diese finden. Vom Ausgangspunkt, der Villa ten Hompel, führt die Historikerin Dr. Michaela Kipp am Sonntag, 22. Oktober, um 14 Uhr zu bekannten und weniger bekannten Orten im Erpho- und Mauritzviertel.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Dauer ca. 2 Stunden.

Mehr zum historischen Stadtteilspaziergang <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=2> 

 	
Ein vergessenes Kapitel des Holocaust 

Hinter der Tarnbezeichnung „Aktion Erntefest“ verbirgt sich ein weitgehend unbekanntes Kapitel des Holocaust. Vor 80 Jahren ermordeten deutsche SS- und Polizeiangehörige am 3. und 4. November 1943 in einer groß angelegten Aktion im Konzentrationslager Lublin-Majdanek und den Arbeitslagern Poniatowa und Trawniki mehr als 42.000 Jüdinnen*Juden. Nur wenigen gelang es, den Mördern zu entkommen. Andreas Kahrs erläutert in seinem Vortrag am Mittwoch, 25. Oktober, um 19 Uhr die Vorgeschichte der Mordaktion und rekonstruiert die Ereignisse anhand von Zeugenberichten.

Die Veranstaltung findet vor Ort und über Zoom statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr zu diesem Forum am Donnerstag mit Andreas Kahrs <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=3> 


Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung 

Gewalt hat die Geschichte der Villa ten Hompel geprägt. Hier standen die Schreibtische jener NS-Beamten, die Polizisten ins besetzte Europa abkommandierten – zur Teilnahme an Massenmorden an Jüdinnen*Juden, Sinti*zze und Rom*nja. Hier standen die Schreibtische jener Nachkriegsbeamten, die nationalsozialistische Gewalttaten untersuchten und zugefügtes Unrecht wiedergutmachen sollten. Diese Geschichte kann in einer öffentlichen Führung am Sonntag, 29. Oktober, um 15 Uhr gemeinsam erkundet werden.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr zur Führung durch die Dauerausstellung <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=4> 


Abweichende weibliche Sexualität 

Was hat die Verfolgung von sogenannten ‘Asozialen’ und ‘Schwachsinnigen’ im NS mit abweichender weiblicher Sexualität zu tun? Dieser Frage geht Hanna Kotzan in ihrer Bachelorarbeit ausgehend von den Biografien zweier Frauen aus Münster nach, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, und stellt am Mittwoch, 8. November, um 19 Uhr ihre Ergebnisse vor: Frauen* wurden im Nationalsozialismus aufgrund ihres abweichenden Sexualverhaltens pathologisch eingestuft und als „Asozial“ und „Schwachsinnig“ verfolgt. Diese Pathologisierung hatte erhebliche Auswirkungen auf das Verständnis weiblicher Sexualität, auch im Hinblick auf Kontinuitäten der Stigmatisierung.

Die Veranstaltung findet vor Ort und über Zoom statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr zu dieser Jungen Wissenschaft mit Hanna Kotzan <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=5> 

	
Trawniki-Männer als Gehilfen der Aktion Reinhard 

Eine der außergewöhnlichsten Truppen nicht-deutscher Nationalität in deutschen Diensten waren die sogenannten Trawniki-Männer. Sie setzten sich neben sowjetischen Kriegsgefangenen auch aus einigen ukrainischen Zivilisten und Freiwilligen sowie zwangsverpflichteten Einheimischen des Generalgouvernements zusammen. Als Arbeitssklaven der Deutschen entwickelten sich die Trawniki-Männer zu einem wesentlichen Faktor bei der Umsetzung der „Aktion Reinhard“. Angelika Censebrunn-Benz wirft am Mittwoch, den 15. November, um 19 Uhr einen Blick auf die Gehilfen der Mordaktionen.

Die Veranstaltung findet vor Ort und über Zoom statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr zu diesem Mittwochsgespräch mit Angelika Censebrunn-Benz <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=6> 


Rückblick 

Ein Blick in die Sammlung ... 

Wer die Dauerausstellung der Villa ten Hompel kennt, hat vielleicht auch das Fundstück des Monats Oktober schon einmal gesehen: Es handelt sich um einen Bierkrug aus Keramik, der einem namentlich unbekannten ehemaligen Polizei-Gendarmen aus Münster-Hiltrup gehörte. Als Mitglied einer SS-Polizeidivision hat er den Krug vermutlich eigenhändig nach 1945 als Erinnerung an seinen „Auswärtigen Einsatz“ gefertigt. Auf dem Krug ist die Route seiner Division durch das besetzte Europa in den Jahren 1941/1942 abgebildet, angefangen bei Paris bis in die ehemalige Sowjetunion.

Mehr zum Fundstück des Monats September <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=7> 

	
Erzähl mal ... Spurensuche zur NS-Familiengeschichte 

„Wir haben alle eine Familiengeschichte. Und es gibt keine Neutralität in der Diktatur, wir sind alle verstrickt.“ So Dr. Iris Wachsmuth bei der Podiumsdiskussion anlässlich des Vernetzungstreffens von Gegen Vergessen Für Demokratie e.V. und dem Anne Frank Zentrum e.V. Das Treffen für Multiplikator*innen stand unter dem Thema „Rassismus und Antisemitismus in Familienbiografien und Alltagskultur“. Auf dem Podium wurde über Geschichten diskutiert, die gerne einmal vergessen werden: antisemitische Figuren an Kirchen, rassistische Benennungen von Straßen und eben auch die Verstrickungen der eigenen Familie in der NS-Zeit. Karolin Baumann und Annina Hofferberth aus dem Geschichtsort Villa ten Hompel leiteten dort einen Workshop zu NS-Familiengeschichten.

Mehr zum Projekt "Erzähl mal ..." <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=8> 

	
Muss mobile Beratung feministisch sein? 

Geschlechterverhältnisse und die Beratung gegen Rechtsextremismus? Das hat viel miteinander zu tun, sagt Kathalena Essers mit Blick auf den Beitrag von Julia Haas und ihr im neu erschienenen Sammelband zur Beratung zu Rechtsextremismus und Demokratiegefährdung: "Es gibt keine Beratungssituation, die unbeeinflusst ist davon, welches Geschlecht die beratungssuchende Person hat. Die Welt ist eben patriarchal strukturiert." Sie ist Sozialwissenschaftlerin und Mitarbeiterin bei mobim, der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster. Die Beratung unterstützt Menschen in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, aber auch mit Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus und anderen Ungleichwertigkeitsvorstellungen. Solche Vorstellungen denken die Mitarbeitenden der Mobilen Beratung auch bei der Beratung mit und beziehen sie bei der Lösungssuche mit ein, denn sie beeinflussen, mit welchen Erfahrungen die ratsuchende Person vor ihnen sitzt.

Mehr zu Kathalena Essers und Julia Haas' Beitrag zu Antifeminismus im Beratungskontext <https://www.stadt-muenster.de/newsletter/villa-ten-hompel/newsletter-villa-ten-hompel-oktober-2023?mid=3367&rid=t_82&aC=3747cc1a&jumpurl=9> 

Herzlichen Dank für Ihre Lektüre des Newsletters! Der nächste Newsletter erscheint Mitte November 2023.

Informationen aus der Villa ten Hompel finden Sie auch auf unser Homepage www.stadt-muenster.de/villa-ten-hompel, auf Facebook www.facebook.com/villatenhompel, auf unserem YouTube-Kanal www.youtube.com/channel/UCFvRjz6UPpHIkFUMHCbJ5MQ, auf Instagram www.instagram.com/villatenhompel sowie auf Twitter twitter.com/ten_hompel und TikTok https://www.tiktok.com/@villatenhompel.

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Ihre Annina Hofferberth


INFO
Geschichtsort Villa ten Hompel 
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Kontakt: Tel. 0251 4927101, E-Mail tenhomp at stadt-muenster.de   
URL: https://www.stadt-muenster.de/villa-ten-hompel/startseite.html 



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