[WestG] [AKT] Vortragsveranstaltung ''Krieg gegen das eigene Volk'', 09.11.2023, 20:00 Uhr
WGO
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Do Nov 9 08:38:52 CET 2023
Von: vom at ads.lwl.org <vom at ads.lwl.org>
Datum: 07.11.2023, 14:16
AKTUELL
Vortragsveranstaltung „Krieg gegen das eigene Volk“
„Euthanasie“ und Zwangssterilisation in der NS-Zeit in Voßwinkel.
Mord und Zwangssterilisationen hat es in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur in größeren Städten, sondern auch im ländlichen Sauerland gegeben bzw. im Kreis Soest, da die Amtsgerichte Werl, Soest und Warstein einst auch zum Erbgesundheitsgericht Arnsberg gehörten.
Diese Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die im Rahmen der „Euthanasie“ ermordet wurden oder denen durch Zwangssterilisation großes Leid zugefügt wurde, werden meistens vergessen. In vielen Familien war das auch lange Zeit ein Tabu-Thema, in manchen Familien wirkt dieses Trauma bis heute nach. Für die Opfer von "Euthanasie" und Zwangssterilisation gibt es bis dato noch keinen Gedenktag.
Traditionell wird am 9. November der Opfer, der im Jahr 1938 stattgefundenen Reichspogromnacht, erinnert und gedenkt.
Vergessene Opfer gab es auch im beschaulichen Voßwinkel. Drei Mordopfer und acht Zwangssterilisationen ist das bisherige Ergebnis einer Forschungsarbeit, mit der der Arbeitskreis Dorfgeschichte Voßwinkel aufzeigen kann, wie die Idee der Nationalsozialisten von der „Erbgesundheit und Rassenhygiene“ auch im ländlichen Sauerland umgesetzt wurde.
Die Umsetzung der Erbgesundheitslehre spielte in der NS-Zeit eine zentrale Rolle. Die unerbittliche Umsetzung dieser Ideologie der Nazis wird auch als „Krieg gegen das eigene Volk“ bezeichnet. Das „Rassenpolitische Amt“ sorgte für die Propaganda, Gesundheitsämter durchforschten die Familien nach "Erbkranken" und erstellten Sippentafeln. Die neu eingerichteten Erbgesundheitsgerichte entschieden, bei welchen Menschen die Fortpflanzung unbedingt verhindert werden sollte. Über 70 Akten des Erbgesundheitsgerichtes Arnsberg mit Bezug zu Voßwinkel gibt es allein im NRW-Archiv in Münster.
Ärzte in den Heilanstalten wie z. B. Eickelborn oder Warstein entschieden, welche der ihnen anvertrauten Menschen nicht mehr "brauchbar" waren. Diese wurden dann als "Ballastexistenzen" in eine von sechs Todesanstalten geschickt und dort ermordet.
Michael Filthaut, dessen Familie von einem „Euthanasiefall“ betroffen war, hat sich auch aus historischem Interesse mit dem Thema intensiv befasst. Er kann anhand der Dokumente aus verschiedenen Archiven aufzeigen, wie die große Politik auch im ländlichen Bereich mit aller Härte umgesetzt wurde und wie stark es einige Familien getroffen hat. „Schwerpunkt unseres Projektes ist, beispielhaft die Auswirkungen der NS-Diktatur auf ein kleines Dorf zu zeigen", betont Filthaut.
In dem Vortrag werden anhand von Original-Unterlagen die Leidenswege der drei Mordopfer, darunter ein achtjähriges Kind, dokumentiert und beispielhaft das Verfahren eines Opfers der Zwangssterilisationen aufgezeigt. Dies und auch den Rechercheweg der bisherigen Ergebnisse, mit der die Organisation der Morde und der Ablauf der Sterilisationsverfahren aufgezeigt werden kann, möchte Michael Filthaut, stellvertretend für den Arbeitskreis Dorfgeschichte, am 09. November, im Anschluss an das Gedenken der jüdischen Opfer der Reichpogromnacht, im VHS-Haus vorstellen.
Die kostenfreie Vortragsveranstaltung beginnt um 20.00 Uhr bzw. nach dem Abschluss zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Naziregimes im VHS-Haus in Raum 9 (Kirchplatz 5).
INFO
VHS Werl - Wickede (Ruhr) - Ense
Kirchplatz 5
59457 Werl
Datum: 09.11.2023
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Eintritt: frei
Kontakt: Tel. 0292 2972411, E-Mail tobias-vom-endt at vhs-werl.de
URL: www.vhs-werl.de
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