[WestG] [KONF] "Der Stoffwechsel der vormodernen Stadt - Umweltgeschichte im urbanen Raum" - 48. Frühjahrskolloquium des Instituts für vergleichende Städtegeschichte und des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e.V, Muenster, 20.03.23, 21.03.21
Hanke, Enrique
Enrique.Hanke at lwl.org
Mo Feb 20 10:34:25 CET 2023
Von: "Anja Heinz" istg at uni-muenster.de
Datum: 16.02.2023, 16:35
KONFERENZ
Das 48. Frühjahrskolloquium des Instituts für vergleichende Städtegeschichte und des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e.V. in Zusammenarbeit mit Carla Meyer-Schlenkrich und Gabriel Zeilinger "Der Stoffwechsel der vormodernen Stadt - Umweltgeschichte im urbanen Raum" findet am 20. und 21. März 2023 im Vortragssaal des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster statt.
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis zum 6. März 2023 per E-Mail an istg at uni-muenster.de
Programm:
Montag, 20. März 2023
Einführung: Carla Meyer-Schlenkrich, Münster und Gabriel Zeilinger, Erlangen-Nürnberg
Sektion I: Klima, (Un-)Wetter und Katastrophen im urbanen Raum der Vormoderne
Moderation: Christopher Folkens, Münster und Julia Schmidt-Funke, Leipzig
Martin Bauch, Leipzig: Siena und die Badlands. Religiöse, politische und ökonomische Konsequenzen der "Großen Erosion" von 1318
Maximilian Schuh, Duisburg-Essen: Extremwetter, Stadt und Herrschaft. Perspektiven auf London und Avignon im 14. Jahrhundert
Joana van de Loecht, Münster: "Der Krieg mit dem Winter". Literarische Schilderungen von extremer Kälte und ihren Folgen für die Stadtbevölkerung
Annette Kehnel, Mannheim: Ressourcenmanagement in Krisenzeiten. Zum Beispiel Getreideversorgung
Öffentlicher Vortrag
Gerrit Schenk, Darmstadt: Nimrods Turm. Katastrophen und die zweite Natur der Stadt
Dienstag, 21. März 2023
Sektion II: Energie, Versorgung, Entsorgung, Infrastrukturen in der vormodernen Stadt
Moderation: Angelika Lampen, Münster und Arnd Reitemeier, Göttingen
Ansgar Schanbacher, Göttingen: Die naturale Umwelt als Störung und Ärgernis. Vormoderne Stadtgeschichte jenseits der Naturkatastrophe
Ulrich Müller, Kiel: Der urbane Stoffwechsel und seine Störungen. Ein Ansatz für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit?
Elisabeth Gruber, Krems/Salzburg: Stoff macht Stadt. Ein materialgeschichtlicher Zugang zu vormodernen Städten am Beispiel von Leder
Rainer Schreg, Bamberg: Bauern und Handwerker im Umfeld der Stadt. Wirtschaftliche, soziale und ökologische Stadt-Land-Beziehungen aus der Perspektive der Umweltarchäologie
Evelien Timpener, Gießen: Die Niederungen des Alltags? Urbane Ausbreitung und industrielle Nutzung in den Auen der Lahn und Fulda (12.-16. Jahrhundert)
Christina Spitzbart-Glasl, Wien: Wassermühlen in Wien. Sozionaturale Schauplätze der mechanischen Wasserkraftnutzung im Kontext städtischer Ressourcennutzung
Christian Rohr, Bern: Zum Schluss. Die vormoderne Stadt als Sujet der Umweltgeschichte
Abstract:
Die vormoderne Stadt wurde bislang nur vereinzelt zum Terrain für die in den letzten Jahren durch die Entwicklungen der Gegenwart alarmierte und erwachende Klima- und Umweltgeschichte. Das hat verschiedene Gründe:
Auch wenn die Menschen in Mittelalter und Frühneuzeit pragmatisch durchaus Maßnahmen betrieben, die auf den Schutz natürlicher Ressourcen, auf Emissionsbegrenzung etc. angelegt waren, so hatten sie noch kein explizites "Umweltbewusstsein" oder verstanden sich gar als "Naturschützer"; für unsere modernen Fragen nach "Nachhaltigkeit" ist kein umfassender Quellenbegriff, sondern sind höchstens Teilbegriffe (u.a. "Hege und Pflege") auszumachen.
Das gilt zwar nicht nur für "die Stadt", sondern auch für "das Land", welches sich jedoch leichter als der urbane Raum als "Ökosystem" beschreiben lässt: Mit "dem Land" und seinen Wäldern, Gebirgen, Sümpfen, Gewässern rücken die z.T. rasanten und alarmierenden Veränderungen der Vegetation und des Landschaftsbildes in den Jahrhunderten der Vormoderne anschaulich in den Fokus. Dort also scheinen die in den Titeln der einschlägigen Werke viel zitierten "Wechselwirkungen zwischen Natur und Mensch/Kultur" eher fassbar, dort liegen die Themen für historische Geographie und Besiedlungsgeschichte, für Umweltarchäologie, Klimaforschung oder Archäobotanik auf der Hand. Die Stadt gilt für die Forschungen zur Vormoderne dagegen oft noch als Nicht-Naturraum schlechthin.
Umgekehrt wurden für den Bereich des Stadtraums viele Themen wie z.B. Wasserbau und -entsorgung, die man auch umwelthistorisch angehen kann, bislang unter anderen Etiketten verhandelt: allen voran in der Bau-, Technik- und Wirtschaftsgeschichte, unter dem Label der Katastrophengeschichte, unter den Stichworten "Ressourcennutzung", z.T. auch als Ernährungsgeschichte.
Ziel der Tagung ist es daher, die bislang fassbaren Forschungen, ihre Ergebnisse und Thesen zur Umweltgeschichte in der vormodernen Stadt in der Zusammenschau zu zeigen, dem Sujet damit mehr Sichtbarkeit zu verleihen und neue Forschungsschneisen zu diskutieren. Als Titel gewählt wurde mit dem Bild des urbanen "Stoffwechsels" ein metaphorischer Rahmen, der bereits in vielen mit Umweltthemen befassten Forschungsgebieten für die Wechselwirkungen von natürlichen und menschlichen Systemen in der modernen Stadt eingeführt ist (s. https://wiki.edu.vn/wiki25/2021/06/27/stadtischer-stoffwechsel-wikipedia/; vgl. allerdings auch Reinhold Reith in seinem EDG-Band zur Umweltgeschichte der FNZ).
In einer ersten Sektion geht es um den Krisen- oder Störfall, auf den der "Stoffwechsel" der Stadt reagieren musste; zugleich um die Frage, wie diese Krisen- und Störfälle zeitgenössisch wahrgenommen und welche Lehren aus ihnen für künftige Risikominimierung gezogen wurden.
In einer zweiten Sektion wird dieser "Stoffwechsel" verstanden als ganzheitlicher Begriff für alle Aktivitäten und Maßnahmen, mit denen die vormodernen Städte für ihren Energiebedarf, für Versorgung und Entsorgung, für die dafür notwendigen Infrastrukturen sorgten; im Zentrum stehen soll dabei die Frage nach den umwelthistorischen Auswirkungen dieser Aktivitäten.
Das Tagungsprogramm und ein Abstract finden Sie auch noch einmal unter folgendem Link: https://www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte/veranstaltungen/fruehjahrstagung.html
Ausführliche Informationen zum Ablauf der Tagung werden Ihnen im Anschluss an Ihre Anmeldung mitgeteilt.
INFO
Datum: 20.03.2023, 21.03.2023
Ort: Vortragssaal des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster
Kontakt: istg at uni-muenster.de; Tel. 0251 8327514
Kosten: Eintritt frei
Anmeldung: Erforderlich per E-Mail unter Kontakt.
URL: https://www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte/veranstaltungen/fruehjahrstagung.html
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