[WestG] [AKT] Workshop: "Alles Routine?! Landesherrliche sowie staedtische Verwaltungs- und Verfahrenspraktiken in Spaetmittelalter und Frueher Neuzeit", Muenster, 20.05.22, 14:00 Uhr
Hanke, Enrique
Enrique.Hanke at lwl.org
Di Mai 17 16:57:12 CEST 2022
Von: "Sebastian Schröder" <sebastian.schroeder at uni-muenster.de>
Datum: 12.05.2022, 07:33
AKTUELL
Workshop: "Alles Routine?! Landesherrliche sowie städtische Verwaltungs- und Verfahrenspraktiken in Spätmittelalter und Früher Neuzeit", Institut für vergleichende Städtegeschichte, Universität Münster, 20. Mai 2022
Inwiefern lassen landesherrliche und städtische Verwaltungs- und Verfahrenspraktiken Routinen erkennen, die es ermöglichen, Anschlussfähigkeit über zeitliche und räumliche Distanzen hinweg zu bilden? Entsteht überhaupt routinemäßiges Handeln oder hat jeder Akteur sozusagen sein eigenes Ding gemacht? Entschieden die Amtsträger bei gleichem Sachverhalt tatsächlich auch immer gleich? Wenn nein, warum nicht? Existierten obrigkeitliche Vorgaben zur Einhaltung bestimmten verwaltungsmäßigen Handelns und zur schriftlichen Fixierung von Entscheidungen oder entschieden und agierten die einzelnen Amtleute eher nach Gutdünken? Kurzum: Alles Routine in den landesherrlichen und städtischen Behörden?!
Im Workshop sollen verschiedene behördliche Organisationsformen aus unterschiedlichen Epochen und Kontexten gegenübergestellt werden, um gemeinsam zu diskutieren, welchen Stellenwert Routinen und Pfadabhängigkeiten in unterschiedlichen Zusammenhängen besaßen.
Referierende:
Dr. Christina Fehse (Essen): "Zollerhebung an der Weser 1571-1623: Verwaltung als Herrschaft und Routine"
Ist Verwaltung Routine, Herrschaft oder gar beides? Die Rintelner Zollregister zum Warenverkehr auf der Weser von 1571 bis 1623 zeugen von einer Alltagssituation am Fluss, bei welcher Routine durchaus als Herrschaftsinstrument fungiert.
Dr. Maria Weber (München): "Informationsmassen bewältigen: Aufzeichnungspraktiken als Ordnungsinstrumente und die Grenzen der Routine"
Routinen erleichtern das Leben - auch in der Verwaltung! Besonders die Verwaltung großer Informationsmassen machte es bereits in der Vormoderne erforderlich, Verwaltungspraktiken zu entwickeln, die zur Ordnung und Systematisierung, zur Memorierung und Aktualisierung der gesammelten und aufgezeichneten Informationen beitrugen und für das Funktionieren einer semi-schriftlichen Gesellschaft unabdingbar waren. Am Beispiel der Verwaltung von Geldschulden am Stadtgericht in Augsburg für das beginnende 16. Jahrhundert zeigt der Vortrag auf, dass sich eine routinisierte Schuldenverwaltung erst durch die mikrohistorische Analyse der Dokumentationspraxis rekonstruieren und in das Verwaltungshandeln der Zeit einordnen lässt. Während die routinisierte Schriftlichkeit der Schuldenverwaltung zielgerichtet für das Gericht verfahrensrelevante Informationen schriftlich fixierte und komprimierte, verschweigt diese routinisierte Schriftlichkeit aber Kontexte und Interaktionszusammenhänge - die Protokolle sind Einträge ohne Geschichte! Der Vortrag greift dieses methodische Problem auf und fragt danach, wie mit dieser entkontextualisierten empirischen Grundlage umgegangen werden kann.
Lasse Stodollick M.A. (Konstanz): "Von der Interaktions- zur Organisationskompetenz. Drei Thesen über die Kammerverwaltung in Minden und Ravensberg"
Am Beispiel der Kammerverwaltung in Minden und Ravensberg diskutiert der Vortrag drei Thesen über die Voraussetzungen und Folgen von Verwaltungsroutinen. Verfahren entstehen nicht einfach, sie müssen erprobt und eingeübt werden.
Sebastian Schröder M.A. (Münster): "Ravensbergische Routinen?! Akteure im Rahmen der preußischen Akzise- und Städtereformen in Westfalen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts"
Die Akzise- und Städtereformen in den westfälischen Landesteilen Preußens führten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu weitreichenden Diskussionen, in die eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure eingebunden war. Kommunikation und Interaktion schufen einen relevanten Beitrag zur Etablierung von Staatlichkeit und Behördenstrukturen. Inwiefern das Verwaltungshandeln von Routinen geprägt war und welche Umstände zur Ausbildung routinisierten Verhaltens führten, steht dabei im Fokus des Vortrags.
Beginn der Veranstaltung: 14.00 Uhr (s. t.)
Ende der Veranstaltung: 19.00 Uhr
Ort: Fürstenberghaus, Hörsaal F 3, Domplatz 20-22, 48143 Münster
Veranstalter: Institut für vergleichende Städtegeschichte
INFO
Datum: 20.05.2022
Uhrzeit: 14:00 Uhr
Ort: Fürstenberghaus, Hörsaal F 3, Domplatz 20-22, 48143 Münster
Kontakt: istg at uni-muenster.de; Tel. +49 251 83-27512
Kosten: Eintritt frei
URL: https://www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte/
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