[WestG] [AUS] "Werde, die du bist!" - Museum fuer Kunst und Kulturgeschichte Dortmund praesentiert erneut große Ruth Baumgarte-Ausstellung, 06.03.22 - 06.06.22
Hanke, Enrique
Enrique.Hanke at lwl.org
Di Mär 8 10:48:07 CET 2022
Von: "Katrin Pinetzki" <Katrin.Pinetzki at stadtdo.de>
Datum: 04.03.2022, 13:14
AUSSTELLUNG
"Werde, die du bist!" - MKK Dortmund präsentiert erneut große Ruth
Baumgarte-Ausstellung
Die große Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte
(MKK) widmet sich einer faszinierenden Künstlerinnenpersönlichkeit: Vom 6.
März bis 6. Juni zeigt das MKK in der großen Halle "Werde, die du bist! Ruth
Baumgarte - Lebenskunst". Die Übersichtsschau leitet in vier thematischen
Kapiteln mit circa 180 Zeichnungen, Gemälden und historischen Dokumenten
durch das Leben und Werk einer deutschen Künstlerin. Zudem findet vom 2.
Dezember 2022 bis zum 5. März 2023 in der renommierten Albertina in Wien die
nächste Ausstellung "Ruth Baumgarte" statt.
In einer von radikalen Umbrüchen geprägten Zeit schuf Ruth Baumgarte (1923 -
2013) ein künstlerisches Lebenswerk, in dem sie den Menschen und dessen
fragiles Dasein im 20. Jahrhundert ins Zentrum stellt. Hellsichtig und
präzise gegenüber den sozialen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen
ihrer Zeit reicht ihr Werk von einfühlsamen Portraits über Darstellungen von
Theater- und Arbeitswelten bis hin zu kritischen Reflexionen
umweltpolitischer und sozialer Fragen am Ende des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk
kulminiert in einem etwa 100 Zeichnungen und Gemälde umfassenden
Afrika-Zyklus, Ergebnis ihrer 40 Reisen auf dem Kontinent.
Die Ausstellung im MKK stellt Baumgarte als gegenständlich arbeitende
Künstlerin mit starkem Bezug zur Gegenwart vor - etwa, wenn es um ihr
Selbstverständnis als emanzipierte Frau geht, um Themen wie Umweltzerstörung
oder - in ihrem Afrika-Zyklus - um Vertreibung, Migration und Flucht. Solche
Themen behandelte sie lange, bevor dazu ein kunsthistorischer Diskurs in der
westlichen Welt einsetzte.
Ruth Baumgartes Arbeiten wurden seit 1947 in nationalen und inter-nationalen
Galerien und Institutionen gezeigt, zuletzt im Ludwig Museum Koblenz
(2017/18), im State Russian Museum, St. Petersburg (2018) und im Städtischen
Museum Braunschweig (2019).
Werdegang einer Künstlerin
Ruth Baumgarte stammt aus einer Theaterfamilie. 1923 in Coburg geboren,
wuchs sie in Berlin auf und entschied sich für ein Kunststudium an der
Hochschule für bildende Künste in Berlin. Noch während ihres Studiums
entwickelte sie sich zu einer genauen Beobachterin des Menschen und seiner
Wirklichkeit und griff auch unbequeme Themen auf.
Nach ihrer Heirat verfolgte sie 1945 das Kriegsende in Berlin, wo sie kurz
als Pressezeichnerin für die von den sowjetischen Besatzern herausgegebene
Berliner Zeitung arbeitete. Auf der Basis ihrer soliden akademischen
Ausbildung, gepaart mit einem unbestechlichen Blick für ihr Gegenüber und
ihrer Neugier auf Begegnungen mit Menschen, entstanden ab 1943 erstaunlich
lebendige, unmittelbar ansprechende Portraits. Mit Distanz und Empathie
zugleich zeichnet und malt sie sich selbst und die Mitglieder ihrer Familie,
die Freunde und Bekannten.
Arbeiter und Außenseiter im Blick
Während ihres Studiums in Berlin zeichnete Ruth Baumgarte bereits
Außenseiterfiguren wie die von den Nationalsozialisten verfolgten und in
Auschwitz ermordeten Sinti und Roma oder erforschte das Arbeitermilieu ihrer
unmittelbaren Umgebung. Es sind erste tastende, aber auch mutige Versuche,
einen eigenständigen Blick auf ihre Umwelt zu finden. Eine Werkgruppe widmet
sich der Theaterwelt, die Ruth Baumgarte von Kindesbeinen an durch ihre
Eltern, die beide Schauspieler waren, vertraut war: Kostümentwürfe,
Illustrationen zu berühmten Theaterstücken oder Schauspielerporträts.
In der Nachkriegszeit, in der Künstlerinnen nur wenig wahrgenommen wurden,
setzte sie sich bei ersten Ausstellungen in Bielefeld, ihrem neuen
Lebensmittelpunkt, durch und verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit
zahlreichen Aufträgen als Illustratorin.
Illustrationen aus dem industriellen Innenleben
1952 heiratete die Künstlerin den Bielefelder Unternehmer Hans Baumgarte. In
dessen Eisenwerk fand sie in der Zeit des Wirtschaftswunders Inspiration für
ihren Industriezyklus. Nun setzte sie ihr Talent für die genaue Erfassung
ihrer Umwelt dort ein, wohin in dieser Zeit kein Künstler und schon gar
keine Künstlerin in Westdeutschland einen Fuß gesetzt hat: in die
Montagehallen mit den Werkbänken in den Fabriken.
Ihre Illustrationen aus dem Innenleben der Industrieanlagen werden in der
Ausstellung mit der zeitgleich aufkommenden Industriefotografie aus der
Sammlung des MKK präsentiert.
Vom Kalten Krieg bis Tschernobyl
Ende der 1960er Jahre erlebte die Bundesrepublik ihren ersten
Konjunktureinbruch. Die Studentenbewegung, die "Grenzen des Wachstums", das
Wettrüsten im Kalten Krieg, später AIDS oder die Reaktorkatastrophe in
Tschernobyl waren nun ihre Themen. Zugleich blieb Ruth Baumgarte ihrem Blick
für Außenseiter treu. Es dominieren düstere, dunkle Farbtöne, die
Darstellung entfernt sich von einer nüchternen Abbildung hin zu
symbolistischen und teils surrealen Kompositionen.
Utopie Afrika
Aus der angstverstrickten bundesrepublikanischen Welt der 1980er Jahre
entfernte sich Ruth Baumgarte immer häufiger zu ihrem schon lange
anvisierten Sehnsuchtsziel Afrika. Zwischen 1984 und 2004 erkundete sie fast
vierzig Mal auf eigene Faust den afrikanischen Kontinent auf oft
monatelangen Reisen.
Überwältigt von den Menschen, den gesellschaftlichen Brüchen der
afrikanischen Kulturen sowie den intensiven Farbakkorden, die sich ihr in
den Landschaften und im sozialen Leben der Dörfer und Städte darboten,
entschied sie sich jetzt wieder für die Ölfarbe. Mit diesem Bilderzyklus
begann eine Ausstellungskarriere, mit der sie national und international
bekannt wurde.
Bebilderte Dokumentation über sieben Jahrzehnte
Mit der Ausstellung "Werde, die du bist! Ruth Baumgarte - Lebenskunst"
bekommt das MKK die seltene Möglichkeit, ein noch weitgehend unbekanntes
künstlerisches Gesamtwerk aus über sieben Jahrzehnten auszustellen, das mehr
oder weniger sämtlichen Zeitströmungen unterworfen war. Im Zentrum der
Ausstellung steht Ruth Baumgarte als Künstlerinnenpersönlichkeit, genauso
aber ihr Werk: eine bebilderte Dokumentation der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts.
"Ruth Baumgartes Lebensweg ist so bewegt wie ihr künstlerisches Schaffen,
das in seiner Gesamtschau Kultur- und Zeitgeschichte schreibt", so Dr. Jens
Stöcker, Direktor des MKK.
Zur Ausstellung erschien im Hirmer Verlag eine reich bebilderte Publikation
in Deutsch und Englisch mit einem einführenden Essay des Kurators der
Ausstellung Dr. Eckhart J. Gillen (264 Seiten, 34,90 Euro).
INFO
Ausstellung "Werde, die du bist! Ruth Baumgarte - Lebenskunst"
06.03.2022 bis 06.06.2022
Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
44137 Dortmund
Tel.: 0231 50-26028
E-Mail: info.mkk at stadtdo.de
URL: www.dortmund.de/mkk
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