[WestG] [AKT] "Zweitzeugen" machen Geschichte erlebbar - LWL-Sozialstiftung foerdert Arbeit des Gedenkvereins fuer junge Menschen mit Hoer- und Sehbehinderungen

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Jun 8 09:28:36 CEST 2021


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.06.2021, 09:20


AKTUELL

"Zweitzeugen" machen Geschichte erlebbar - LWL-Sozialstiftung fördert Arbeit des Gedenkvereins für junge Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen 

Schülerinnen und Schüler von Förderschulen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) können bald selbst zu "Zweitzeugen" werden: Der gleichnamige Verein aus Bünde (Kreis Herford) dokumentiert die Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden und gibt sie pädagogisch aufbereitet an junge Menschen weiter. Ein zentraler Aspekt ist hierbei das besondere didaktische Konzept: Das entsprechende Material wird im Rahmen eines Projektes erstmals für Kinder und Jugendliche mit Seh- bzw. Hörbehinderungen an den LWL-Förderschulen aufbereitet, später folgen dann Workshops oder Projektwochen in den Schulen. Die neue LWL-Sozialstiftung ermöglicht das mit ihrer Förderung von rund 100.000 Euro.

"Mit diesem Projekt erhalten jetzt auch rund 1.500 Schülerinnen und Schüler der LWL-Förderschulen die Möglichkeit, sich anhand persönlicher Lebensgeschichten der Holocaust-Überlebenden vertieft mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen - das finde ich großartig", sagt LWL-Jugend- und Schuldezernentin Birgit Westers. "Denn die jungen Menschen lernen damit auch, Mechanismen von Ausgrenzung zu erkennen und werden ermutigt, sich selbst aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus stark zu machen."

Der rund 240 Mitglieder und 150 ehrenamtliche Helfer umfassende Verein Zweitzeugen hat bisher 37 geführte Interviews mit Holocaust-Überlebenden aus Europa und Israel dokumentiert. Der Verein hat sich das Motto des Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel zu eigen gemacht: "Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden." Diese Überlebensgeschichten und Begegnungen mit den Zeitzeug:innen werden in Workshops, Ausstellungen, Veranstaltungen und Magazinen weitergegeben.

"Die LWL-Sozialstiftung begrüßt die inklusive Didaktik des Projekts Zweitzeugen und stellt dafür entsprechende Fördermittel bereit", sagt die Geschäftsführerin der LWL-Sozialstiftung, Bianca Rodekohr. "Mit Blick auf die systematische Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgungder Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen zur NS-Zeit ausgeliefert waren, ist es heute wichtig, Schüler:innen an LWL-Förderschulen Zugänge und Informationen zur Geschichte zur Verfügung zu stellen, um diskriminierende Strukturen zu erkennen", so Rodekohr.

Für die Arbeit von Zweitzeugen wird die LWL-Sozialstiftung mit rund 100.000 Euro auf drei Jahre verteilt das didaktische Konzept und die Materialien für die insgesamt 16 LWL-Förderschulen mit den Förderschwerpunkten "Hören und Kommunikation" sowie "Sehen" inklusiv aufbereiten lassen. Das Programm solle anschließend über Workshops oder Projektwochen in diese Schulen gebracht werden, so Rodekohr. 

Die Vorsitzende des Vereins Zweitzeugen, Sarah Hüttenberend: "In unseren Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen geben wir jungen Menschen als Zweitzeug:innen die Möglichkeit, die Zeitzeug:innen durch unsere persönlichen und empathischen Erzählungen kennenzulernen, ihre Erinnerungen zu bewahren und diese als Zweitzeug:innen weiterzugeben. Ziel unserer Arbeit ist die Sensibilisierung für Antisemitismus und Rassismus. Und wir freuen uns, dass wir das mithilfe der LWL-Sozialstiftung jetzt auch auf inklusive Weise für Kinder- und Jugendliche mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen umsetzen können.", so Hüttenberend weiter. 

Dahinter stecke ein didaktisches Konzept ganz nach dem Ganzheitlichkeitsprinzip "Herz-Hand-Kopf", so Hüttenberend. Die Kinder und Jugendlichen sollen aus den Überlebensgeschichten heraus Mechanismen der Ausgrenzung erkennen. Dadurch würden sie ermutigt, selbst aktiv gegen Antisemitismus und Rassismus zu werden.

Ferienangebote für Förderschulen des LWL

Die LWL-Sozialstiftung hat einem weiteren Projekt der LWL-Förderschulen den Förderzuschlag gegeben: Diesmal stehen dabei die LWL-Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung im Fokus. Der Aufsichtsrat der Stiftung hat sich dafür entschieden, ein Projekt zur Erprobung neuer Ferienangebote für diese Förderschulen mitzufinanzieren. Für dieses Unterstützungsangebot in den Ferien an den Förderschulen speziell auch für schwerstmehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche wird die Stiftung im kommenden Jahr rund 97.000 Euro in die Hand nehmen. Wegen der aktuellen Corona-Pandemie kann dieses Projekt allerdings erst im kommenden Schuljahr durchgeführt werden.


Hintergrund Zweitzeugen:

Der Verein Zweitzeugen ist 2010 als Studienprojekt entstanden. Seit Februar 2014 ist er ein eingetragener gemeinnütziger Verein (2014 bis Juni 2020 unter dem Namen Heimatsucher). Über die persönlichen Erzählungen von Schoah-Überlebenden macht das Projekt nach eigenen Angaben Geschichte nachfühlbar und begreifbarer. Insbesondere junge Menschen verstünden die Bedeutung von Geschichte für ihr eigenes Leben erst durch die Begegnung mit Zeitzeug:innen. Damit sie zukünftig nicht verstummen, erzählt der Verein als Zweitzeug:innen ihre Geschichten über das Leben vor, während und nach dem Holocaust in Ausstellungen, Workshops und Magazinen sowie Ausstellungskatalogen weiter.

Aktuell besteht der Verein Zweitzeugen aus mehr als 240 Mitgliedern und ca. 150 Ehrenamtlichen. Er ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

Mehr Infos hier: https://zweitzeugen.de


Hintergrund LWL-Sozialstiftung:

Die LWL-Sozialstiftung gGmbH wurde 2020 gegründet, 2021 wurde sie als gemeinnützig anerkannt und kann nunmehr Projekte fortlaufend fördern. Anlass zur Gründung der Stiftung war der politische Beschluss des LWL-Landschaftsausschusses im Jahr 2019, die RWE-Aktien des LWL und Erlöse aus dem Verkauf von RWE-Aktien für Stiftungszwecke zur Verfügung zu stellen. Die Erträge aus diesem Vermögen kommen zu gleichen Teilen der bereits seit 2003 bestehenden LWL-Kulturstiftung und der eigens dafür neu gegründeten LWL-Sozialstiftung zugute. 

Für das Jahr 2021 stehen etwa 800.000 Euro Fördermittel aus Erträgen der RWE-Aktien zur Verfügung, die für soziale Projekte in verschiedenen Bereichen Westfalen-Lippes und mit unterschiedlichen Volumina zur Verfügung stehen. Als größtes Förderprojekt derzeit wird die Sozialstiftung das "Recovery College Gütersloh-OWL" für seelische Gesundheit am LWL-Klinikum Gütersloh mit rund 400.000 Euro für drei Jahre unterstützen.


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