[WestG] [CFP] Tagung "Nordrhein-Westfalen und der Imperialismus"

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Do Feb 25 08:06:17 CET 2021


Von: "Fabian Fechner" <fabian.fechner at fernuni-hagen.de>
Datum: 24.02.2021, 15:04 	
 	 
 	 
CALL FOR PAPERS	 
 
Tagung "Nordrhein-Westfalen und der Imperialismus" 

Der heutige politische Raum Nordrhein-Westfalen wird durch eine ausdifferenzierte Landesgeschichtsschreibung und eine lebendige regionale Geschichtslandschaft geprägt. Welchen Stellenwert hatte bislang die imperiale und koloniale Vergangenheit darin?

Die Konferenz und der geplante Sammelband sollen bestehende Ansätze und Forschungserkenntnisse auf regionaler Ebene zusammenführen. Die OrganisatorInnen sorgen dabei für eine Verankerung in der Landesgeschichte, indem sie die spezifische regionale Komponenten des Rheinlands, Westfalens und des Landes Lippe herausarbeiten. *Eine* Arbeitshypothese lautet: Es gab spezifisch rheinische imperiale Interessen, die bisher in der Forschung wenig berücksichtigt wurden. Dies liegt an der vermeintlich offensichtlicheren Schwerpunktlegung in Hamburg und Berlin und entspricht möglicherweise nicht den historischen Gegebenheiten. 

Anhaltspunkte sind rheinische Wirtschaftsinteressen im Verbund mit der rheinischen Mission und Schlüsselpersonen wie Max Esser (Köln), Eugen Zintgraff (Düsseldorf, Detmold), Friedrich Fabri (Barmen) und Hugo Zöller (Köln), die zu den frühesten Befürwortern von deutschen Kolonien gehören. Der wohl erste Verein Deutschlands, der den Namen "Kolonisation" im Titel trug ("Westdeutscher Verein für Kolonisation und Export") wurde dann auch 1881 in Düsseldorf gegründet. Im Dialog mit dem rheinischen Kolonialimpuls soll das Zusammenspiel lokaler und regionaler Akteure untersucht werden, gerade auch abseits der städtischen Zentren. Der Kolonialismus vor Ort war kein ausschließlich urbanes Phänomen, sondern hatte auch in ländlichen Gebieten, die das Gebiet des heutigen Bundeslandes charakterisieren, entscheidenden Rückhalt.

In den letzten Jahren erlebt das Thema der regionalen Forschung zur Kolonial- und Globalgeschichte einen Boom - neben aktivistischen Lokalgruppen (z. B. im bundesweiten Bündnis "Decolonize") ist das Thema auch auf der geschichtswissenschaftlichen Ebene angekommen. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es erste Beschäftigungen mit der historischen Dimension des Themas. Bisher wurde das gesamte Bundesland jedoch noch nicht in den Blick genommen. In den letzten 15 Jahren entstanden einige stadtbezogene kolonialgeschichtliche Initiativen (z. B. in Köln, Düsseldorf, Bielefeld, Dortmund, Essen und Hagen). Es wurden allerdings erst wenige Versuche auf NRW-Ebene unternommen, koloniale Denkmuster in der Gesellschaft regional zu verorten, und zwar im Falle des Rheinlandes und Westfalens (einschließlich Lippe).(1) Die Frage wäre nun, was auf der Ebene des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen geschehen ist, welche Besonderheiten es gibt und welche Unterregionen sich möglicherweise ergeben (z.B. Ruhrgebiet, Bergisches Land). Welche Formen imperialer Betätigung dominierten in welchen Bereichen (z.B. Missionen eher in ländlichen Gebieten)? Welchen Anteil an der Landesgeschichte Nordrhein-Westfalens hat der Imperialismus? Damit ist nicht nur der deutsche Imperialismus gemeint, auch die Verbindung mit anderen Imperien kann einbezogen werden.

Die Konferenz möchte nun gezielt die vorhandene Expertise zusammenbringen, bündeln und zu neuer Forschung anregen. Das Ziel ist die Herausgabe eines Sammelbandes auf Grundlage der Konferenzbeiträge - durch die HerausgeberInnen strategisch ergänzt und zusammenfassend, sowie gewichtend eingeleitet.


Folgende *Themenbereiche* sind möglich (es kann aber auch darüber hinaus gehen):

1. Wirtschaft und Handel: Schlüsselindustrien und deren Verbände

2. Institutionen: Museen, Ausstellungen, Universitäten, Zoologische Gärten, Kolonialgesellschaften und Kolonialvereine, Missionsgesellschaften und Missionsorden (von der Kunst- und Gewerbeausstellung 1880 bis zur GeSoLei 1926 in der Zeit des Kolonialrevisionismus - die Zentralität imperialer Themen wird gerade von der Forschung entdeckt, z.B. Tropenmedizin, auch Missionsausstellungen in Aachen 1912, Bielefeld und Wuppertal-Barmen 1913, Missionsmuseen in St. Augustin, Knechtsteden und Werl)

3. Migration: Welche Art von imperialer Migration prägte das Gebiet des heutigen NRW, welche regionalen und überregionalen Netzwerke gab es, in welche Beziehung zur Gesellschaft traten Migrant*innen aus dem globalen Süden, wo leben die Nachfahren heute, welche Geschichten können sie erzählen, welches Gesamtbild ergibt sich für diesen bisher nicht systematisch untersuchten Aspekt der Landesgeschichte?


Bitte senden Sie Ihre Themenvorschläge im Umfang von einer halben bis zu einer Seite mit kurzen biographischen Angaben bis zum 1. April 2021 an Fabian Fechner (fabian.fechner at fernuni-hagen.de) oder Marianne Bechhaus-Gerst (ama23 at uni-koeln.de). Eine Benachrichtigung über die Annahme der Themenvorschläge erfolgt bis Mitte April 2021.


(1) Ulrich Soénius: Koloniale Begeisterung im Rheinland während des Kaiserreichs, Köln 1992; Marianne Bechhaus-Gerst: Wir müssen für unser Volk mehr Raum haben und darum Kolonien. Kolonialrevisionismus im Rheinland - eine Annäherung, in: Rheinische Vierteljahresblätter Jg. 78 (2014): 146-162; Sebastian Bischoff/ Barbara Frey/ Andreas Neuwöhner (Hg.): Koloniale Welten in Westfalen (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte 89), ersch. Paderborn 2021.	 
 	 
 	 
INFO	 
 	 
Veranstaltungsdaten:	 

Nordrhein-Westfalen und der Imperialismus	 
Datum: Donnerstag, 24. Juni - Samstag, 26. Juni 2021	 
Marianne Bechhaus-Gerst, Universität zu Köln / Stefanie Michels, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf / Fabian Fechner, FernUniversität in Hagen	 

Die Tagung wird digital im ZOOM-Format stattfinden.
 
	 
Kontakt:	 

Dr. Fabian Fechner	 
Fernuniversität in Hagen	 
Universitätsstr. 33	 
58097 Hagen	 
 	 
Tel.: 02331/987 2124	 

URL: fabian.fechner at fernuni-hagen.de 


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