[WestG] [AKT] Denkmalschutz vor Ort - Stadt Castrop-Rauxel stellt weitere Gebaeude unter Denkmalschutz
Holtrup, Sandra
Sandra.Holtrup at lwl.org
Fr Apr 16 07:57:02 CEST 2021
Von: "Julia Schulze" <julia.schulze at castrop-rauxel.de>
Datum: 14.04.2021, 13:01
AKTUELL
Denkmalschutz vor Ort - Stadt Castrop-Rauxel stellt weitere Gebäude unter Denkmalschutz
Mehr als 150 Einzelgebäude und zwei Bodendenkmäler stehen auf der Denkmalliste der Stadt Castrop-Rauxel, um mit ihnen bedeutende Zeugnisse für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse zu erhalten. Im April wurde die Liste um zwei Gebäude ergänzt: Um ein herausragendes Fachwerkhaus an der Bodelschwingher Straße auf Schwerin und um einen kleinen Einmannbunker an der Wartburgstraße.
"Beim ersten Gebäude handelt sich um ein wunderschönes Fachwerkhaus direkt gegenüber vom Hammerkopfturm", erklärt Florian Schrader vom Bereich Stadtplanung und Bauordnung, zuständig für den lokalen Denkmalschutz. "In dem Gebäude war jahrzehntelang ein kleiner Kiosk. Es ist immer noch in Besitz der Familie, die das Haus vor fast 200 Jahren gebaut hat."
An der Erhaltung und dauerhaften Nutzung dieses Wohn- und Wirtschaftsgebäudes des ehemaligen Kottens Trösken von 1823 und des Teilbereichs der 1860er Jahre besteht ein öffentliches Interesse, weil es einen erheblichen Aussagewert für das Leben der Zeit in der ersten Hälfte und in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat. Insbesondere auch die innere Aufteilung, die Böden und Innentüren sind schützenswert, weil sie als authentisches materielles Relikt die früheren grundherrlichen Abhängigkeiten von den adeligen Herren von Schell zu Rechen auf Haus Goldschmieding bezeugen. Dazu sind die Verpachtungsurkunde von 1810 sowie der Ablösungsvertrag von 1871 erhalten und publiziert. Das Dielentor des Fachwerkhauses zeigt am Torbalken die Inschrift mit dem Namen des Erbauers "Diderich Trösken" und dem seiner Ehefrau "Elisabet Heckt". Darunter ist "M. Schmidt", gedeutet als Name des Baumeisters, zu lesen. Eine dreizeilige Inschrift mittig an der Tür lautet "Auf Gottes Beistand ich vertrau durch Gottes Segen und Menschen / Hulff habe ich gebauet; Was die eine lobet, das verachten die ander; ach Kläger / werdes du er gekomen so hät ich dir Rath genomen; den 8ten November 1823."
Insgesamt dokumentiert das Gebäude, das von außen für jeden Interessierten zu betrachten ist und auch künftig der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen soll, charakteristische Vorgänge der Vergangenheit im Bereich der ehemaligen grundherrlichen Abhängigkeiten und der im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzogenen "Bauernbefreiung".
Das zweite neue Objekt auf der Liste, eine so genannte Einmannsplitterschutzzelle, steht in einem privaten Garten, und kann nicht vom öffentlichen Raum eingesehen werden. Der kleine Bunker wurde vermutlich von der nahegelegenen Zeche Victor für einen vereinzelt gelegenen Arbeitsplatz, vielleicht als Brandwachenstand oder für Personal an den Schienenanlagen, errichtet.
Am Erhalt besteht hier ebenfalls ein öffentliches Interesse, weil die Zelle als mittlerweile seltenes bauliches Zeugnis die Auswirkungen des Bombenkrieges des Zweiten Weltkrieges anschaulich dokumentiert, der zu umfassenden Veränderungen der Bebauung und Struktur der westdeutschen Städte geführt hat. Gerade im Bereich des verdichteten Industriereviers war die Bedrohung durch feindliche Luftangriffe von erheblicher Relevanz, nicht nur im Bereich der baulichen Strukturen, sondern auch im Hinblick auf die von diesen Ereignissen betroffenen Menschen. Der kleine Schutzbunker, in dem sich ein Mensch für die Dauer eines Luftangriffs aufhalten konnte, hat in dieser Hinsicht einen erheblichen Aussage- und Forschungswert für das Leben in der vergangenen Epoche der nationalsozialistischen Diktatur und deren politische, militärische und gesellschaftliche Verhältnisse.
Denkmäler werden grundsätzlich nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) in verschiedene Kategorien unterteilt: In Castrop-Rauxel gibt es vor allem Baudenkmäler, wie zum Beispiel den Hammerkopfturm Schacht 3 der ehemaligen Zeche Erin, das Fördergerüst Schacht 7 der ehemaligen Zeche Erin, Schloss Bladenhorst, den Rathauskomplex am Europaplatz oder die ehemalige Rennwiese an der Dortmunder Straße.
Der Germanische Handels- und Kultplatz "Zeche Erin" in Behringhausen und die Überreste der Burg Henrichenburg an der Freiheitsstraße sind bislang die einzigen beiden als archäologische Fundstellen in die Denkmalliste eingetragenen Bodendenkmäler.
Mit dem Schutz der verzeichneten Denkmäler sind, in Zusammenarbeit mit den Eigentümerinnen und Eigentümern, die Untere Denkmalbehörde der Stadt Castrop-Rauxel und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe betraut. Das gemeinsame Ziel: Um (lokale) Geschichte auch weiterhin erlebbar zu machen und zu erforschen, werden diese Orte und Gebäude möglichst im Originalzustand erhalten.
INFO
Weitere Informationen gibt es unter www.castrop-rauxel.de/denkmalschutz.
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