[WestG] [AKT] Gedenken an 9. November 1938 in Bocholt: "Wir duerfen die grausamen Taten nicht vergessen!"

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Nov 10 08:47:54 CET 2020


Von: "Laura Blankenhorn" <laura.blankenhorn at mail.bocholt.de>
Datum: 09.11.2020, 20:03


AKTUELL

Gedenken an 9. November 1938 in Bocholt: "Wir dürfen die grausamen Taten nicht vergessen!" - Videobotschaft von Bürgermeister Thomas Kerkhoff und Erster Stadtrat Thomas Waschki

Am Montag, 9. November 2020, legten Bürgermeister Thomas Kerkhoff und Erster Stadtrat Thomas Waschki im kleinen Kreis einen Kranz an der Gedenkstätte der ehemaligen jüdischen Synagoge in Bocholt nieder. Aufgrund der Corona-Pandemie muss die Veranstaltung zum stillen Gedenken an die Verbrechen der Pogromnacht in Bocholt ausfallen.

Thomas Kerkhoff und Thomas Waschki erinnern in einer Videobotschaft an die Bocholterinnen und Bocholter jüdischen Glaubens, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 schweres Unrecht erleben mussten. Vor 82 Jahren wurde die Bocholter Synagoge im Inneren und die Einrichtungen fast aller Häuser der Bocholterinnen und Bocholter jüdischen Glaubens zerstört.


Erinnerung an Zerstörung der Bocholter Synagoge

In der Videobotschaft beschreibt Thomas Waschki die Erinnerungen des Bocholter Zeitzeugen Joseph Duesing an die Zerstörung im Inneren der Synagoge in Bocholt. Duesing fuhr am Morgen des 10. November 1938 als 15-jähriger Auszubildender mit seinem Fahrrad durch Bocholt und beobachtete folgendes: "[.] Als ich zur Synagoge kam, stand die Außentür offen. Die Fenster waren eingeworfen. In der Synagoge sah es wüst aus: Auf dem Boden lagen Ziegelsteine. Die Bänke waren zerstört, die Gebetbücher auf den Boden geworfen und teilweise zerrissen worden. Der Vorhang vor dem Thoraschrein war heruntergerissen worden und lag auf dem Boden, ebenso die Thorarollen. Die Treppe zur Frauensynagoge war ausgehängt [...]."


Was bedeuten die Erinnerungen der Bocholter Zeitzeugen heute?

Thomas Kerkhoff betont bei seiner Ansprache: "Das Gedenken an die Verbrechen in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ist eine besondere Verpflichtung unserer Bocholter Stadtgesellschaft und darf niemals vergessen werden. Das schmerzhafte Erinnern der Menschheitsverbrechen an den Juden gehört zu unserer Identität, zu unserer Geschichte und zu unserer Erinnerungskultur."

Er appellierte an die Bocholter Bevölkerung: "Tragen Sie dazu bei, dass wir uns entschlossen und gemeinsam in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus stellen. Treten Sie engagiert ein und setzen Sie ein Zeichen für ein demokratisches Miteinander, für Weltoffenheit und Zivilcourage in unserer Stadt."


Dank an Beteiligte der Vorjahre

Abschließend bedankte sich Thomas Kerkhoff bei den vielen Engagierten, die jedes Jahr das Gedenken mitgestalten, allen voran bei den Schülerinnen und Schülern des Mariengymnasiums, beim VHS-Arbeitskreis Synagogenlandschaften, den Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinden sowie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Westmünsterland.


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte