[WestG] [AKT] Stadtgeschichte: Aus der Fruehgeschichte des Kreuzbergs - Stadtarchiv Bocholt praesentiert das historische Foto des Monats

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Mi Aug 12 09:14:55 CEST 2020


Von: "Stadt Bocholt" <info at presse-service.de>
Datum. 01.08.2020. 09:01


AKTUELL

Stadtgeschichte: Aus der Frühgeschichte des Kreuzbergs - Stadtarchiv Bocholt präsentiert das historische Foto des Monats

Auf dem Grundstück zwischen Münsterstraße, Königsmühlenweg und der Abzweigung in Richtung Hochfeld befindet sich am Rande eines kleinen Wäldchens eine künstlich angelegte Anhöhe, auf der sich eine Kreuzigungsgruppe erhebt. Sie besteht aus der Darstellung des gekreuzigten Christus mit den beiden Schächern, jenen Verbrechern, die mit ihm gemeinsam den Kreuzestod starben.

Diese Andachtsstätte wurde bereits vor 447 Jahren urkundlich erwähnt. Das Bocholter Stadtarchiv überliefert ein Schöffenprotokoll vom 4. August 1573 (am Dienstag nach Vincula Petri), in dem der Verkauf eines Ackerbaulandes protokolliert ist. Seinerzeit verkaufte die Witwe Mechtild Meyerdinck den Erben Böyhinck ein Stück Bauland auf dem Bergsken vor dem Neutor. Zum Unterpfand setzten die Schuldner u. a. einen Garten ein, der vor dem Ostertor "up duißer siedt den Cruitzen nae der Umbsteghen" lag, demnach auf dieser Seite zu den Kreuzen in Richtung Umstiege (heute Blücherstraße). Drei Jahre später, am Montag nach Nicolai (10. Dezember), wird der Kreuzberg in den Protokollen erneut erwähnt, und zwar im Zusammenhang mit dem Verkauf einer jährlichen Erbrente von zwei Talern, die sich wiederum aus den Erträgen eines Gartens "liggende buiten der Oisterporten tegen die Kruitzen" erschöpften.

Der Kreuzberg diente seit alters her als Ort der Frömmigkeit. Pfarrer Heinrich Wichertz von St. Georg führte 1691 die Karfreitagsprozession zum Kalvarienberg ein, wobei er in den beiden ersten Jahren die Predigt an der Kreuzigungsgruppe selbst hielt. Später übernahmen Missionspriester diese Aufgabe. Das Kreuz trug stets ein maskierter Christusdarsteller, bis es zu Unannehmlichkeiten kam und der Bischof Ende des 18. Jahrhunderts das Maskentragen und die Predigt am Kreuzberg untersagte. Der alljährliche Prozessionsbrauch setzte sich aber bis in das 20. Jahrhundert hinein fort.



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