[WestG] [AKT] Geschichte vor der Haustuer: 25 Jahre Dokumentationsstaette Gelsenkirchen im Nationalsozialismus

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Fr Mai 10 09:23:05 CEST 2019


Von: "Stadt Gelsenkirchen" <pressestelle at gelsenkirchen.de>
Datum: 09.05.2019, 14:26


AKTUELL

Geschichte vor der Haustür: 25 Jahre Dokumentationsstätte Gelsenkirchen im Nationalsozialismus

"Ich hätte mir gewünscht, Sie in einer Zeit zu begrüßen, in denen die Themen Rassismus, Ausgrenzung von Minderheiten, Nationalismus und Populismus nicht eine solche Rolle spielen, wie dies derzeit ist." Mit diesen Worten begrüßte Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski zahlreiche Gäste zum 25-jährigen Bestehen der Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus" in der Cranger Straße im Stadtteil Erle am Abend des 8. Mai.

Hier, in der Cranger Straße, hatte eine Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ihren Sitz.

Beides, weder der Ort der Dokumentationsstätte noch der Tag der Eröffnung am 8. Mai 1994 sind Zufall, hob der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte  (ISG), Dr. Daniel Schmidt, in seiner Rede hervor: "Dieser Termin ist bewusst gewählt worden, weil es der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation des "Dritten Reiches" im Zweiten Weltkrieg und somit der Befreiung Europas und der Welt vom Nationalsozialismus war und immer noch ist. Mit der Gründung dieser Einrichtung ist also das entschlossene Bekenntnis "Nie wieder!" aufs engste verbunden, zu dem wir nach wie vor und unverrückbar stehen."

Dass sich die Dokumentationsstätte an einem authentischen Ort nationalsozialistischer Gewaltherrschaft befindet, geht auf eine zufällige Entdeckung zurück. Gemacht hat sie die Gruppe Gelsenkirchener Autoren bereits im Jahr 1986 im ersten Obergeschoss des Gebäudes in Erle. Hinter einer Tapete fand sich das Parteiprogramm der NSDAP auf einer Wandinschrift. Es war der Anstoß, um an diesem Ort der lokalen NS-Herrschaft einen Erinnerungs- und Lernort zu errichten.

"Verführung und Gewalt  - das sind die beiden Seiten des Nationalsozialismus, die untrennbar miteinander verbunden sind", betonte der Oberbürgermeister in seiner Rede.

Verführung und Gewalt sind auch zentrale Themen in der im Jahr 2015 komplett überarbeiteten Dauerausstellung. Mit zahlreichen Ausstellungsstücken und analogen sowie digitalen Angeboten auf dem aktuellen Stand der Museumspädagogik ermöglicht es die Ausstellung wie es den NS-Ideologen gelungen ist, auch Gelsenkirchen unter ihre Kontrolle zu bekommen. Und das obwohl  in Gelsenkirchen 1932 die Wahlergebnisse der NSDAP rund 10 bis 15 Prozent unter dem Reichsdurchschnitt lagen.
Die Dokumentationsstätte wird nicht nur von vielen Schulklassen aus Gelsenkirchen besucht, sondern auch aus anderen Städten. Mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung gibt es eine Kooperation, so dass angehende Polizistinnen und Polizisten die Ausstellung kennenlernen und erfahren, wie damals auch die Polizei ein Teil des Macht- und Unterdrückungsapparats wurde. Auch Bürgerinnen und Bürger sowie Studierende zählen den Besucherinnen und Besuchern.

Oberbürgermeister Baranowski bedankte sich beim Team des ISG, das die Ausstellung erarbeitet und über die Jahre immer wieder von neuem mit Leben gefüllt hat und füllt.

Er bedankte sich zudem bei allen, die der Einladung zum 25-jährigen Bestehen der Dokumentationsstäte gefolgt waren: "Zeigt es mir doch, dass es viele Menschen gibt, für die das finsterste Kapitel unserer Geschichte nicht einfach ein ,Vogelschiss' ist."

Neben interessierten Bürgerinnen und Bürger kamen Gäste aus der Stadtgesellschaft, der Politik, den Mitgliedern der Demokratischen Initiative, Gäste aus lokalen Bildungspartnerschaften mit Schulen und Verbänden sowie Vertretungen aus anderen Gedenkstätten.


INFO

Dokumentationsstätte Gelsenkirchen im Nationalsozialismus
Cranger Straße 323
45891 Gelsenkirchen

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, an Feiertagen und in den Ferien geschlossen. 

Eintritt und Führungen sind kostenlos. 

Infos und Kontakt: www.institut-fuer-stadtgeschichte.de. 

Neben der Ausstellung bietet die Dokumentationsstätte auch zahlreiche Veranstaltungen an. Der Katalog zur Ausstellung ist im Buchhandel und bei der Stadt- und Touristinfo erhältlich.


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