[WestG] [AKT] LWL hat den Heiningshof in Isingdorf zum Denkmal des Monats gewaehlt

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Sep 11 08:32:45 CEST 2018


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.09.2018


AKTUELL

LWL hat den Heiningshof in Isingdorf zum Denkmal des Monats gewählt

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Heiningshof in Isingdorf zum Denkmal des Monats gewählt. Inmitten des landwirtschaftlich geprägten Ortsteils Isingdorf und eingebettet zwischen weiteren Hofanlagen liegt der Heiningshof in Werther (Kreis Gütersloh), dessen Gründung auf das Jahr 1763 zurückgeht. Von der ursprünglichen Anlage mit Wirtschaftsgebäuden sind nicht mehr alle Bauten vorhanden. Die letzte große Umbauphase des Hofhauses war 1818/1819. Aus dieser Zeit stammt auch der aufwendig gestaltete Südgiebel mit einem so genannten Deelentorbogen, der mit reichen Schnitzereien verziert ist. Dieser Torbogen führte in die heute als Scheune bekannte Deele.

In den vergangenen Jahrzehnten führten die Eigentümer immer wieder Bestanderhaltungs-Maßnahmen am Hofhaus durch. Das 200-jährige Hofjubiläum und das Literatur- und Musikfest "Wege durch das Land" waren ein guter Anlass für die LWL-Denkmalpflege, sich erneut um die Bestandserhaltung zu kümmern. Das Konzept sah vor, die Holzsubstanz des Portals zu stabilisieren, lose Farbschichten abzutragen und das Portal, wenn möglich nach originalen Farbbefunden, neu zu fassen. Zur Ermittlung der ältesten Farbigkeit wurde im Vorfeld der Befund untersucht.

Die senkrechten Balken, auch Ständer genannt, zeigen Weinranken, die aus Vasen emporwachsen. Zwischen den Trauben sitzen Vögel mit mehrfarbigem Gefieder, das dem eines Wiedehops ähnelt. Das Motiv mit Weinranken und Vögeln an Deelentorbögen war Anfang des 19. Jahrhunderts beliebt. In den schräg verlaufenden Stützen im oberen Bereich schweben musizierende Engel. Über dem Tor befinden sich Inschriften und dazu fünf verzierte Balkenköpfe, die auch als Knaggen bezeichnet werden. In der Mitte ist ein Kopf dargestellt, der einen so genannten Tschako trägt. Tschakos waren vorwiegend Kopfbedeckungen beim Militär, die um 1815 in Mode kamen. Eine Zuordnung zu einem bestimmten Heer ist nicht möglich, da der Rest der Uniform nicht dargestellt ist.

Bei der Untersuchung zeigte sich, dass vor allem Niederschläge und Sonneneinstrahlung zu erheblichen Schäden sowohl an der Farbe als auch am Holz geführt haben. Zudem zeigte sich, dass sich nicht überall gleich viele Farbschichten erhalten hatten. An einigen Proben ließen sich bis zu zwanzig Anstriche nachweisen. Für die älteren Schichten unterhalb der hellblaugrauen kann dagegen keine eindeutige Schichtenanzahl nachgewiesen werden. Zudem variiert dort die Farbgebung der einzelnen Bereiche. Aber auch hier gibt es Schichten, die als Orientierung herangezogen werden können. So liegen mindestens ein bis zwei hell- oder dunkelgraue Schichten vor, auf die meistens eine farbige folgt. Es ist anzunehmen, dass zunächst die gesamte Fläche grau gestrichen und dann in den Details farbig abgesetzt wurde.

Ein überraschendes Ergebnis lieferte die Farbuntersuchung der Trauben. Die heute weithin verbreitete plakative Darstellung in Blau konnte in den älteren Schichten nicht nachgewiesen werden. Die Trauben hatten ursprünglich eine bordeauxrote bis violette Färbung. Auch Blattmetalle finden sich am Portal. So waren die am inneren Bogen umlaufende Kordel sowie die Flügel und Haare der Engel vergoldet. Die eingesetzten Farben und Materialien werten damit die qualitätsvolle Schnitzerei auf.

"Der Hof Heining zeichnet sich nicht nur durch die Qualität der Deelentorbogen-Schnitzereien aus, sondern vor allem auch durch die aufmerksame, regelmäßige Pflege des Baudenkmals", so LWL-Denkmalpflegerin Anke Dreyer. "Dieses Engagement ebenso wie die intensive Erforschung der Hausgeschichte durch die Eigentümer zeugen von ihrem besonderen Traditionsbewusstsein und der großen Wertschätzung ihres Zuhauses."


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