[WestG] [AKT] "Wir wollen, dass Projekte gelingen" - Stadt Ahlen foerdert Vereine der Heimatpflege
Holtrup, Sandra
Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Nov 27 08:52:11 CET 2018
Von: "Frank Merschhaus" <merschhausf at stadt.ahlen.de>
Datum: 23.11.2018, 15:48
AKTUELL
"Wir wollen, dass Projekte gelingen" - Stadt Ahlen foerdert Vereine der Heimatpflege
Die 200 Jahre Postgeschichte, welche in Tönnishäuschen geschrieben worden sind, haben selbst im fernen Regensburg aufhorchen lassen. Fürstin Gloria von Thurn- und Taxis höchst persönlich trägt die Schirmherrschaft über den Förderverein für das Kulturgut Samson, das in früheren Zeiten eine Poststation an der Kreuzung wichtiger Wegstrecken von Ost nach West und Nord nach Süd beherbergte. Eingefädelt hatte der Förderverein diesen Coup im Sommer. "Jetzt warten wir darauf, unsere Schirmherrin in nicht allzu ferner Zukunft hier begrüßen zu dürfen", sagt Vorsitzender Wilhelm Wienker. Die historische Verbindung will schließlich gepflegt werden, auch wenn zwischen dem fürstlichen Schloss Sankt Emmeram und dem früheren Landgasthof in Ahlens nördlichem Ortsteil mehr als 600 Kilometer Entfernung liegen.
Neues Leben ist also eingekehrt in die alte Poststation und ehemalige Pferdewechselstelle. Anlass für Bürgermeister Dr. Alexander Berger in das heutige Kulturgut zur alljährlichen Besprechung mit den Akteuren aus dem Ahlener Heimatwesen an die westfälische Kaffeetafel einzuladen. "Wir sehen hier ein gelungenes Beispiel für bürgerschaftlichen Sinn", lobte Berger das Engagement der 130 Vereinsmitglieder, die sich für das mehr als 6000 Quadratmeter große Gelände mit Spenden und Arbeitskraft einbringen. Mindestens so viele Nutzungsideen wie Vereinsmitglieder habe der Förderverein, meint Schriftführer Christian Wolff. "Von Ausstellungen über Konzerte bis zu Künstlerwerkstätten kann hier alles stattfinden." Selbst gastronomische Angebote, etwa für Hochzeiten, seien denkbar, sollen aber die Ausnahme bleiben. Zentral gelegen an den heute noch wichtigsten Verkehrsachsen im Kreis Warendorf soll "Samson" ein im weitesten Sinne öffentlicher Treffpunkt werden. Auch Nicht-Mitglieder dürften sich gerne mit Spenden an der Wiederbelebung des Anwesens beteiligen.
Für Kreisarchivar Dr. Knut Langewand, der als Gast den Heimatpflegern über die Aufgaben und Serviceleistungen des größten Kommunalarchivs in Nordrhein-Westfalen berichtete, war es die erste unmittelbare Begegnung mit dem Kulturgut Samson, obwohl er täglich auf dem Weg von Ahlen zu seiner Dienststelle im Warendorfer Kreishaus daran vorbeikommt. "Einer der Orte in Ahlen, an dem Geschichte lebendig wird", zollte er dem vielfältig aufgestellten Heimatwesen der Wersestadt seine Anerkennung. Das heute noch Identitätsstiftende aus vergangenen Epochen zu bewahren und zu betonen, sei das Verdienst der Heimat- und Geschichtsvereine. "Davon profitieren wir als Kreisarchiv und Stadtarchiv für Ahlen."
Dass "Heimat" heute wieder Konjunktur erlebt, empfindet auch Alfred Thiemann. "Das klingt heute nicht mehr so verstaubt", meint der Vorsitzende des Ahlener Heimatvereins, der im nächsten Jahr den 100. Gründungstag begeht. Um die Erinnerung an den Bergbau zu bewahren, zeigt der "Jupp Fotoclub" regelmäßig Ausstellungen in seinen Räumen am Glückaufplatz. 20.000 Fotos hat er in seinem Archiv, zurzeit läuft die Ausstellung über einhundert Jahre Leben und Arbeiten in der Zechenkolonie. Für das nächste Jahr kündigt Vorsitzender Marc Senne aus Anlass des dreißigsten Jahrestages ihrer Stilllegung eine Schau über die Kokerei auf der Zeche Westfalen an. Aktuelles Projekt ist der erstmals aufgelegte Kalender. "Die Erstauflage ist schon weg, wir drucken aber schon nach", freut sich Senne über die Beachtung, die die Arbeit des Zechengeschichtsvereins erfährt.
Eng verbunden mit Ahlens Montangeschichte ist auch der Förderverein Fördertürme. Über die derzeit laufende Teilsanierung des Blauen Wasserturms erzählte Vorstandsmitglied Horst Schulte. Der Förderverein ist einer von vier Vereinen, die die Erinnerung an die Zechenvergangenheit bewahren. Zu einem erheblichen Teil unterstützt er aus eigenen Mitteln die Arbeiten an dem als technisches Denkmal eingetragenen Wahrzeichen im Ahlener Südosten. Unglücklich darüber, dass der Denkmalschutz fälschlich immer wieder als "Kampfmittel" betrachtet werde, ist Ahlens ehrenamtlicher Denkmalpfleger Bernd Schulze Beerhorst. Unentwegt setze er sich dafür ein, "Verständnis für den Denkmalschutz zu wecken und Hemmnisse aus dem Weg zu räumen."
Noch immer "der Renner" sei der Heimatband "Der beflügelte Aal", freut sich Udo Wagener, zweiter Vorsitzender des Heimatförderkreises. Das jährlich im Anno-Verlag erscheinende Heft mit "Geschichte und Geschichten aus Ahlen" werde dem Verein förmlich aus den Händen gerissen, so wie aktuell die 37. Ausgabe. Schriftleiterin Mechthild Massin ermunterte die Vereine, die Ausgabe für das nächste Jahr mit Berichten über eigenen Projekte zu bereichern.
Wie die Stadt Ahlen auch Vorhaben der Heimatpflege finanziell unterstützen kann, erläuterte Strukturförderer Lutz Henke. "Sprechen Sie mich an", forderte er dazu auf, die Richtlinien zur Förderung von bürgerschaftlichen Projekten in der Stadt Ahlen zu nutzen. Im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr stehen für Materialkostenzuschüsse in den Ortsteilen Dolberg und Vorhelm je 15.000 Euro, für das Stadtgebiet Ahlen weitere 30.000 Euro zur Verfügung. Der Förderrahmen eines Projekts bewegt sich dabei zwischen mindestens 500 und maximal 5000 Euro. "Wir wollen, dass Projekte gelingen", unterstrich Bürgermeister Berger. Und das "ohne Bürokratiemonster zu erschaffen." Interessierte Vereine, Initiativen und Nachbarschaften erhalten weitere Auskünfte bei Lutz Henke, Tel. 02382 59488 (henkel at stadt.ahlen.de).
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