[WestG] [AKT] Das juedische Kaufhaus Herzheim im Bild - Bedeutende Schenkung fuer das Stadtarchiv Paderborn

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Mo Nov 5 08:26:09 CET 2018


Von: "Pressestelle der Stadt Paderborn" <pressestelle at paderborn.de> 
Datum: 30.10.2018, 09:26


AKTUELL

Das jüdische Kaufhaus Herzheim im Bild - Bedeutende Schenkung für das Stadtarchiv Paderborn

Aufgrund der Arbeiten der Paderborner Ehrenringträgerin Margit Naarmann ist das Stadt- und Kreisarchiv Paderborn in der Lage, Anfragen aus aller Welt zur Geschichte der Paderborner Juden kompetent zu beantworten, denn die zahlreichen Veröffentlichungen und der wissenschaftliche Nachlass der Historikerin liegen im Paderborner Archiv. 

Eine überraschende Ergänzung erfuhren diese Quellen zur jüdischen Geschichte nun durch eine Schenkung: eine Sammelmappe, betitelt zum 100-jährigen Jubiläum des Kaufhauses Herzheim.

Das Haus in der Westernstraße 2 an der Ecke zum Marienplatz soll sich bereits seit 1825 im Besitz des Kaufmanns Levi Herzheim befunden haben. Levis Enkel Hermann ließ an dieser Stelle Ende des 19. Jahrhunderts einen Geschäftsneubau errichteten mit Schaufenstern bis in den 2. Stock, 1909/11 und 1931/32 erfolgten Umbauten, u.a. die Einbeziehung des Nachbarhauses Marienplatz 20. 1925 feierte das Kaufhaus Herzheim, mittlerweile eins der größten am Platze, sein 100-jähriges Bestehen. In der Zeit des Nationalsozialismus geriet auch Karl-Theo Herzheim, nunmehr in vierter Generation Inhaber des Hauses, unter Druck und musste das Geschäft im Mai 1938 deutlich unter Wert verkaufen. Immerhin gelang es ihm und seiner Frau Hilde Grünwald aus Neuhaus, illegal 1940 nach Palästina zu fliehen, der Deportation zu entgehen und den Holocaust zu überleben. Karl Theo kehrte 1950 an die Pader zurück. Er stand der 1953 wiederbelebten Jüdischen Kultusgemeinde vor, bis er 1961 nach Berlin zog, wo er auch starb.

Die Sammelmappe enthält mehrere Druckschriften zum 100-jährigen Firmenjubiläum, die grösstenteils bereits Naarmann veröffentlichen konnte. Völlig unbekannt und in doppelter Hinsicht eine kleine Sensation sind jedoch die 16 Fotos, die meist Innenaufnahmen des Kaufhauses zeigen aus der Zeit vor und nach dem Umbau 1930/31 und damit zeitlich über das Geschäftsjubiläum hinausgehen. Während Außenaufnahmen des jüdischen Kaufhauses am Marienplatz bekannt sind, fehlten Innenaufnahmen völlig - wie auch von allen anderen Kauf- und Warenhäusern aus der Zeit vor 1945. Während die 13 x 18 cm großen Fotos entstanden sind, um die neue Inneinrichtung zu präsentieren, dürfte es sich bei den späteren 9 x 10 cm großen und auf August 1936 datierten Aufnahmen (auch) um Erinnerungsstücke handeln, entstanden unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft und der zunehmenden antisemitischen Aktionen gegen jüdische Geschäfte mit der Folge der Arisierung. Eine Aufnahme des 1945 zerstörten Hauses und zwei des ersten Wiederaufbaus 1948 runden das Konvolut ab. Spätestens 1954 übernahm das Kaufhaus Küster das Grundstück, renovierte den Altbau und errichtete einen Neubau. Ihm folgte die Kaufhalle - heute ist hier die Buchhandlung Thalia beheimatet.


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