[WestG] [AKT] Vortrag: Kaspar, "Lebensraum der Unterschichten westfaelischer Staedte in vorindustrieller Zeit", Muenster, 07.12.2018

Holtrup, Sandra Sandra.Holtrup at lwl.org
Di Dez 4 16:18:09 CET 2018


Von: "Anja Heinz" <istg at uni-muenster.de>
Datum: 04.12.2018, 14:07


AKTUELL

Dr. Fred Kaspar aus Telgte hält den nächsten Vortrag im Freitags-Kolloquium zu Problemen vergleichender Städtegeschichte am 7. Dezember zum Thema: 

"Lebensraum der Unterschichten westfälischer Städte in vorindustrieller Zeit - aus Gebäuden und Archiven"

Der Anteil der Einwohner, Armer und Mieter an der Gesamtbevölkerung einer Stadt und ihre soziale Zusammensetzung als Nutzer der Mietwohnungen dürfte deutlicher Indikator für die Situation der Stadtwirtschaft sein. In den Städten, in denen ein differenziertes Gewerbe bestand, nahm der Umfang der Unterschichten zu, was sich insbesondere in der zunehmenden Zahl von Mietwohnungen spiegelte. Der Bestand an Mietwohnungen war daher weniger von der Größe einer Stadt, sondern von ihrer wirtschaftlichen Struktur abhängig. 

Es gab eine breite Abstufung in Größe und Qualität städtischer Wohnhäuser und / oder Wohnungen in Nordwestdeutschland: "Haus" blieb hierbei der Begriff, der dem Bürger als Besitzer eines eigenen Anwesens zugeordnet wurde. Bürgerhaus ist damit im eigentlichen Sinn des Wortes ein rechtlich definierter Begriff. Daneben gab es als deutlich reduzierte Form des Bürgerhauses nicht nur das "Kleine (Bürger-) haus" (auch Häuslein oder halbes Haus), sondern auch das Miethaus, als Gadem, Bude oder Speicher bezeichnet. 

Das "normale" Bürgerhaus ist zumindest bis in das 18. Jahrhundert ein großes giebelständiges Haus. Es befand sich im Besitz eines Bürgers und ist die Bauform, die bis heute unsere allgemeine Vorstellung von Altstadt prägt. Daneben gab es aber auch deutlich kleinere, ebenfalls giebelständige Häuser der Handwerker, die wirtschaftlich in bescheidenem Rahmen lebten, aber ebenfalls Bürgerrecht besaßen. Als Privatbesitz konnten sie eine wesentliche Voraussetzung zur Erlangung des Bürgerrechtes erfüllen, so dass der Gestalt dieser Bauten in Giebelstellung wohl auch Symbolcharakter zukommt. 

Eine Sonderform des Kleinen Bürgerhauses wurde in der Neuzeit zunehmend das Mauerhaus (im Unterschied zu den anderen Quellen entnommenen Bezeichnungen ein wissenschaftlicher Begriff), das allerdings in der Regel trotzdem traufenständig war.

Mietwohnungen wurden nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen in Nordwestdeutschland hingegen stets so konzipiert, dass eine eigenständige Wohneinheit mit einem eigenen Zugang vom öffentlichen Verkehrsraum bestand. Wurden - was das Normale war - mehrere Mietwohnungen im Verbund errichtet, geschah dies daher fast ohne Ausnahme in der Form von Reihenhäusern und nicht in der Form von Etagenwohnungen mit gemeinsamer Erschließung. Da die gängige Bauform also über Jahrhunderte das Reihenhaus mit mehreren nebeneinander geschaffenen Wohnungen unter einem Dach blieb, muss auch von der "Mietwohnung" und nicht vom "Miethaus" gesprochen werden.

Alle Interessierten sind herzlich um 16 Uhr c.t. ins Sitzungszimmer des IStG eingeladen.


INFO

Veranstaltungsdaten:
	
Freitags-Kolloquium	
Datum: Freitag, 7. Dezember 2018, 16.oo Uhr c.t. (Sitzungszimmer)	
Institut für vergleichende Städtegeschichte	
Königsstr. 46	
48143 Münster

Tel.: 0251 8327514	
Fax: 0251 8327535

E-Mail: istg at uni-muenster.de	
URL: www.uni-muenster.de/staedtegeschichte	
 

Kontakt:

Dr. Angelika Lampen	
Institut für vergleichende Städtegeschichte	
Königsstraße 46	
48143 Münster
 	
Tel.: 0251 8327514	
Fax: 0251 8327535
	
E-Mail: istg at uni-muenster.de	
URL: http://www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte/	


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