[WestG] [AKT] "Wir muessen entscheiden - was bleibt, was kann weg" - LWL-Kulturdezernentin zur Westfaelischen Kulturkonferenz ueber Verantwortung für kulturelles Erbe
Kleine, Pia
Pia.Kleine at lwl.org
Di Okt 25 12:13:11 CEST 2016
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 25.10.2016, 09:50
AKTUELL
"Wir müssen entscheiden - was bleibt, was kann weg" - LWL-Kulturdezernentin zur Westfälischen Kulturkonferenz über Verantwortung für kulturelles Erbe
Unter dem Motto "Kulturland Westfalen: Verantwortung für unser kulturelles Erbe übernehmen!" treffen sich am Donnerstag (27.10.) in Bocholt (Kreis Borken) über 300 Kulturschaffende, Vereine und Vertreter aus Politik und Verwaltung zur sechsten Westfälischen Kulturkonferenz. Die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Barbara Rüschoff-Thale, zu den Themen der Konferenz.
Frau Dr. Rüschoff-Thale, Verantwortung für kulturelles Erbe, was soll das sein?
Wir müssen uns um die Hinterlassenschaften unserer Vorfahren kümmern, Schriften, Bilder, Daten oder Denkmäler. Aber wir können auch nicht alles konservieren. Die Schwierigkeit ist herauszufinden: Was sollen wir behalten und von welchem Material, sei es aus Stein, Papier oder ein Museumsdepot, müssen wir uns trennen. Die digitale Welt verführt manchmal zum Irrglauben, man könne alles speichern. Nur: wer weiß schon, mit welchen Programmen Computer in 20 Jahren laufen und ob dann noch irgendein Gerät die Bilder von heute auslesen kann. Die Entscheidung, was bleiben soll, muss heute fallen.
Sie vertreten unter anderem 17 Landesmuseen in Westfalen-Lippe und sprechen von Zukunft. Junge Leute haben aber oft Museen gar nicht mehr auf ihrer Landkarte - was tun?
Ich halte das für eine zu pessimistische Sicht. Auch junge Leute wissen, wo Museen stehen und treffen sich dort. Das beobachten wir gerade bei unserem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münsters Innenstadt. Ob die Jungen dann auch ins Museum gehen und Kunst angucken, ist noch eine andere Frage, vielleicht erst bei einer Students' Night mit angesagter Musik. Unsere Aufgabe ist es, die Sprache junger Menschen zu lernen, ohne uns anzubiedern. Ein Beispiel: Die Ausstellung Homosexualitäten hat viele angesprochen, nicht nur als Besucher in der Ausstellung, sondern besonders im Internet. Der Marktplatz ist ein anderer geworden. Die neuen Marktplätze müssen bespielt werden, und das wird auch Geld kosten.
Denkmäler klingen auch nicht gerade nach einem Zukunftsthema, Denkmalschutz ist manchen Bürgermeistern ein Dorn im Auge, weil er Stadtentwicklung behindere. Braucht das jemand oder kann das weg?
Ich bin eine Verfechterin des Denkmalschutzes. Also nicht alles wegbaggern, weil es dem vermeintlichen Fortschritt im Wege steht. Wenn ich durch eine Stadt gehe, erlebe ich Geschichte. Warum bin ich gern in einer Stadt? Weil ich durch xte Shopping Mall renne oder weil ich das Besondere dieser Stadt an den historischen Gebäuden ablesen kann? Wir müssen dazu die Lesehilfen geben, schon in der Schule. Es reicht nicht eine Denkmalplakette am Gebäude, sondern gefragt sind neue Formen wie zum Beispiel eine Denkmalrallye, die schon Grundschüler anspricht. Darüber werden wir auf der Konferenz sprechen.
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte