[WestG] [LIT] "Jugend im Fokus von Film und Fotografie" - Neuer Sammelband beleuchtet visuelle Geschichte von Jugendkulturen im 20. Jahrhundert

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Fr Okt 21 09:40:05 CEST 2016


Von: "Markus Köster" <markus.koester at lwl.org>
Datum: 20.10.2016, 15:29


LITERATUR 

"Jugend im Fokus von Film und Fotografie" - Ein neuer Sammelband beleuchtet die visuelle Geschichte von Jugendkulturen im 20. Jahrhundert

Die Jugendgeschichte des 20. Jahrhunderts ist ganz wesentlich eine Geschichte der Bilder. Ob man an den Aufbruch der Wandervögel am Beginn des Jahrhunderts denkt, an die Hitlerjugend und ihre Instrumentalisierung für das NS-Regime oder an die Halbstarken der 1950er Jahre, immer verbinden sich damit bildliche Assoziationen. Dieser visuellen Geschichte von Jugendkulturen im 20. Jahrhundert widmet sich eine mit über 100 Abbildungen illustrierte wissenschaftliche Publikation, die das Archiv der deutschen Jugendbewegung jetzt in Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen veröffentlicht hat.

In dem von der Historikerin Prof. Dr. Barbara Stambolis und dem Leiter des LWL-Medienzentrums Prof. Dr. Markus Köster herausgegebenen Band "Jugend im Fokus von Film und Fotografie" fragen 15 Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Fachdisziplinen danach, wie sich verschiedene Jugendkulturen des 20. Jahrhunderts visuell selbst inszenierten, wie sie von außen dargestellt wurden, welche Bedeutung Fotografien, Filme und andere Visualisierungen für die Stiftung und Tradierung jugendbewegter Identitäten besaßen und welche Aussagekraft visuellen Quellen für die Erforschung der Geschichte der Jugend heute zukommt.

Das Spektrum der 14 Beiträge ist zeitlich und thematisch breit gespannt: Es reicht von den Bildpraktiken der Arbeiterjugendbewegung (Alexander Schwitanski) und der Visualisierung der Fürsorgeerziehung vor 1933 (Christoph Hamann) über die (Selbst-)Darstellung der Hitlerjugend im zeitgenössischen Dokumentarfilm (Rolf Seubert) und der filmischen Inszenierung der Halbstarken (Robin Schmerer) bis zu den medialen Bildwelten jugendlicher Glaubenssucher in der frühen Bundesrepublik (Benjamin Städter) und einem jugendbewegten Kulturfilm, der die Griechenlandfahrt einer Jugendgruppe in den 1950er zeigt (Maria Daldrup). 
Mehrere Aufsätze nehmen dabei visuelle Quellen aus Westfalen und dem Rheinland in den Blick. So analysiert Alfons Kenkmann Fotografien der "Edelweißpiraten" an Rhein und Ruhr als "Bilddokumente jugendlicher Devianz unter der NS-Herrschaft", Ralf Stremmel beschreibt unter dem Titel "Mythen schmieden?" die fotografischen Bilder, mit denen das Essener Unternehmen Krupp nach dem Zweiten Weltkrieg seine Auszubildenden "ins rechte Licht rückte", Markus Köster untersucht einen Werbefilm des Westfälischen Jugendherbergswerks von 1952 und Jürgen Reulecke zeichnet anhand von Fotoalben die "Großfahrten" einer bündischen Gruppe aus dem Bergischen Land bis in den Irak um 1960 nach.

"Insgesamt eröffnet der Band beispielhaft erste Zugänge zu einem noch weithin unbeackerten weiten Forschungsfeld" urteilt Mitherausgeberin Barbara Stambolis, die die Idee zu dieser Publikation hatte. 

Barbara Stambolis/Markus Köster (Hg.): Jugend im Fokus von Film und Fotografie. Zur visuellen Geschichte von Jugendkulturen im 20. Jahrhundert (=Jugendbewegung und Jugendkulturen. Jahrbuch 12/2016), ca. 500 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, gebunden, V&R unipress, Göttingen 2016 (40 Euro, ISBN 978-3-8471-0590-9)




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