[WestG] [AKT] Vortrag: Das Bistum Muenster in der ersten Haelfte des 9. Jahrhunderts. Ein Sonderfall in Sachsen, Muenster, 24.10.2016

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Mi Okt 19 12:11:13 CEST 2016


Von: "Christine Schedensack" <christine.schedensack at lwl.org>
Datum: 18.10.2016, 13:50 
 
 
AKTUELL
 
Vortrag: "Das Bistum Münster in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Ein Sonderfall in Sachsen", Münster, 24.10.2016

Am Montag, dem 24.10.2016 (19.00 Uhr), beginnt die neue Vortragsreihe des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster. Den Auftakt macht Dr. Gabriele Isenberg mit neuen Erkenntnissen zur Geschichte des Bistums Münster im 9 Jahrhundert.

805 gründete der friesische Missionar Liudger das Bistum Münster, das von Beginn an durch einige Besonderheiten auffällt. So war etwa der münsterische Sprengel kein zusammenhängendes Gebiet, sondern teilte sich in zwei weit voneinander entfernte Bereiche auf. Der nördliche Bistumsteil, der entlang der Nordseeküste von der Emsmündung bis weit in den heute niederländischen Raum reichte, war offenbar identisch mit einem zusammenhängenden Gürtel von liudgeridischem Familienbesitz.

Im südlichen Teil des Bistumsgebiets fällt dagegen eine deutliche Konzentration von Reichsgut auf, die an einer Häufung von Patrozinien zu erkennen ist - etwa die Märtyrer Laurentius und Dionysius oder die hoch verehrte römische Märtyrerin Petronilla - die von den fränkischen Herrschern verwendet wurden. Eine solche Konzentration von Reichsgut gilt als verstärktes Interesse der Herrscher an strategisch und wirtschaftlich bedeutenden Regionen. Die Existenz von karolingischem Reichsgut im nordwestlichen Münsterland ist dadurch eindeutig belegt, dass in den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts Ludwig der Fromme begann, aus dem erweiterten Emsraum Grundbesitz zu verschenken. Beschenkt wurde allerdings nicht die münsterische Kirche, sondern ausschließlich das Damenstift Herford. 

Eine weitere Besonderheit unterscheidet das Bistum Münster in seiner Frühzeit von vielen neuen Gründungen im sächsischen Raum. Die frühen, noch aus der Liudgeridenfamilie stammenden münsterischen Bischöfe scheinen wenig in den Ausbau ihres Sitzes investiert zu haben. Während möglichst vollständige Heiligengebeine aus dem Bereich der alten Kirche in das neu christianisierte Sachsen überführt wurden, um mit dem Aufbau einer Exklusivverehrung die eigenen Standorte aufzuwerten, investierten die münsterischen Bischöfe bis weit ins 9. Jahrhundert hinein in die Entwicklung eines Exklusivkults für ihren Gründerheiligen an dessen Grabort in Werden an der Ruhr, obwohl das Familienkloster der Liudgeriden weit südlich der münsterischen Bistumsgrenze lag.

In ihrem Vortrag beleuchtet die Referentin mögliche Ursachen und Beweggründe, die Münster - zumindest in seinen Anfängen - innerhalb der geistlichen Landschaft Sachsens zu einem Sonderfall hatten werden lassen.

Der Eintritt ist frei.


INFO

Veranstaltungsdaten:
Datum: 24.10.2016, 19.00 Uhr
Ort: Plenarsaal des Landeshauses, Freiherr-vom-Stein-Platz 1
 
Kontaktdaten:
Christine Schedensack
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster e. V.
Fürstenbergstraße 15
48147 Münster
Tel.: 0251-5915972
E-Mail: christine.schedensack at lwl.org

URL: www.altertumsverein-muenster.de



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