[WestG] [WWW] Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen stellt "Aufschwoerungstafeln" online
Kleine, Pia
Pia.Kleine at lwl.org
Fr Nov 18 11:16:15 CET 2016
Von: "Mechthild Black-Veldtrup" <mechthild.black-veldtrup at lav.nrw.de>
Datum: 17.11.2016, 15:37
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Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen stellt "Aufschwörungstafeln" online
Die Abteilung Westfalen des Landesarchivs NRW hat das Findbuch ihres Bestands "Aufschwörungstafeln" online gestellt. Die meisten der künstlerisch aufwendigen 2.850 Aufschwörungstafeln sind auch bereits digitalisiert: http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr=1&id=21027&tektId=3716. Sie betreffen die Ritterschaft der Fürstbistümer Münster und Paderborn, des Fürstentums Minden, des Herzogtums Westfalen und des Vests Recklinghausen, außerdem die Domkapitel Münster, Minden, Paderborn und Hildesheim (!) sowie zahlreiche Damenstifte (u. a. Borghorst, Clarenberg, Freckenhorst, Fröndenberg, Geseke, Herdecke, Keppel, Leeden, Metelen, Nottuln, Neuenheerse, Quernheim, Schildesche) und die Kommende Mülheim.
Ahnenprobe - Aufschwörung - Aufschwörungstafel
Um in Domkapitel, freiweltliche adlige Damenstifte oder Ritterschaften aufgenommen zu werden, mussten die Probanden die sogen. Adels- oder Ahnenprobe bestehen, d. h. den Nachweis adliger Geburt und Abstammung beweisen (Filiationsprobe).
Die Präbenden in Domkapiteln und Damenstiften waren beim Adel sehr begehrt, weil sie der Versorgung nachgeborener Söhne und unverheirateter Töchter dienten.
Bis in die frühe Neuzeit genügte die feierliche Beschwörung des Probanden und seiner adligen Bürgen, meist älterer Verwandter, vor den Vertretern der Institution, um die Abstammung von zwei standesgemäßen Großelternpaaren (Viererprobe) zu bezeugen. Daher stammt auch die Bezeichnung der Zeremonie.
Im Lauf der Zeit verschärften sich die Aufnahmebedingungen und der Nachweis von acht (Urgroßeltern), sechzehn (Ururgroßeltern), vereinzelt auch zweiunddreißig (Urururgroßeltern) adligen Vorfahren wurde vorgeschrieben. Die Vorlage einer Ahnen- oder Aufschwörungstafel mit der Darstellung der Wappen der Vorfahren in aufsteigender Linie wurde üblich. Die Aufschwörungstafeln enthalten in der Regel keine biographischen Daten, sondern nur Generationsfolgen! Für die Aufnahme in eine Ritterschaft musste zusätzlich der Besitz eines landtagsfähigen adligen Hauses nachgewiesen werden.
Die Stammtafel wurde einige Zeit in den Räumlichkeiten der Institution (Kapitelsaal, Landtag, Stiftskirche), in die der Prüfling aufgenommen zu werden wünschte, ausgehängt, um den Standesgenossen die Möglichkeit zur Überprüfung zu geben. Traten Zweifel am Stand einer Familie auf - etwa wenn die Familie nicht aus Westfalen stammte - wurde die Vorlage weiterer Dokumente verlangt.
Nach der Aufschwörung wurden die Tafeln in der Regel im Archiv der aufnehmenden Einrichtung verwahrt. Viele Probanden baten später allerdings um die Rückgabe "ihrer" Tafel und begründeten ihr Anliegen mit der bevorstehenden Aufnahme in ein weiteres (Dom-) Kapitel oder eine andere Ritterschaft, der Verwendung für die Aufschwörung eines Bruders oder einer Schwester oder einer benötigten Vorlage für die Anfertigung eines neuen Exemplars für ein jüngeres Familienmitglied. Die Rückgabe unterblieb häufig. Die Tafeln gingen verloren oder landeten bestenfalls in Privatarchiven.
Deshalb gingen einige Korporationen und Stifte dazu über, die noch vorhandenen Tafeln zu sichern, indem sie sie - teilweise unabhängig von Format und Entstehungszeit - zusammen binden ließen. Andere ließen die Originale von professionellen Malern in entsprechend vorbereitete Folianten mit aufwändigem Einband kopieren, die ein einheitliches, repräsentatives Erscheinungsbild boten.
Mit der Säkularisation der geistlichen Staaten, der Aufhebung der adligen Stifte und der Gründung neuer Staaten während der napoleonischen Zeit 1803-1815 endete auch die Praxis der Aufschwörungen.
Die Neuverzeichnung von Ursula Schnorbus ersetzt ein Findmittel aus dem 19. Jahrhundert. In ihr sind außer den Namen des Probanden/der Probandin auch die Vor- und Nachnamen der Eltern, die Rittersitze und - natürlich - die Institution verzeichnet, für die der Proband/die Probandin sich bewarb.
INFO
Kontakt:
Dr. Mechthild Black-Veldtrup
Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Bohlweg 2, 48147 Münster
Tel.: 0251-48850
E-Mail: westfalen at lav.nrw.de
URL: http://www.archive.nrw.de/lav/abteilungen/westfalen/oeffnungszeiten_und_kontakt/index.php
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