[WestG] [AKT] 200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 6: Nachkriegszeit

Pöpken, Christian Christian.Poepken at lwl.org
Di Mai 24 09:28:17 CEST 2016


Von: "pressestelle at kreis-coesfeld.de" <pressestelle at kreis-coesfeld.de>
Datum: 19.05.2016, 16:43


AKTUELL

200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 6: Nachkriegszeit

In den ersten Nachkriegsjahren standen fundamentale Dinge wie Wohnungs- und Ernährungssicherung sowie die Sorge für die die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen im Vordergrund. Von Mai bis Ende September 1946 betrieb der Kreis Coesfeld in Lette ein Durchgangslager für die im Kreis eintreffenden Ostvertriebenen.

Ursprünglich 1933 als "SA-Sportschule" errichtet, hatte der Reichsarbeitsdienst (RAD) 1935 das Barackenlager übernommen und zur "RAD-Truppführerschule" ausgebaut. Ab Oktober 1946 richtete der Kreis Coesfeld das Lager als Altenheim für Ostvertriebene ein und betrieb es bis Ende August 1960. 1950 erhielt es den Namen "Heidehof". Im Kreis Lüdinghausen war Anfang April 1946 ein Durchgangslager in Werne für zirka 200 Vertriebene in Betrieb, ein weiteres in Lüdinghausen war in Planung. "Die Flüchtlinge kommen in Ahlen mit der Reichsbahn an. Sie werden dort einmal verpflegt und entlaust und werden dann in die Kreisdurchgangslager durch Lastwagen aus dem Kreis überführt", stellt der Verwaltungsbericht des Kreises Lüdinghausen 1945/46 fest. In den Lagern fand zunächst eine ärztliche Untersuchung der ankommenden Vertriebenen statt. Nach drei Tagen wurden die Menschen, die eine strapaziöse Flucht unter oft menschenunwürdigen Bedingungen hinter sich hatten, auf die Gemeinden des Kreises aufgeteilt.

Von 1945 an lag die Entwicklung des kommunalen Selbstverwaltungsrechts in den Händen der britischen Militärregierung. Mit der revidierten deutschen Gemeindeordnung vom 01. April 1946 trat eine neue Regelung in Kraft. Für die Kreise bedeutete dies eine personelle Zweiteilung des Amtes des früheren Landrates. Anstelle des Landrates übernahm der neugeschaffene Oberkreisdirektor als kommunaler Beamter die Leitung der Verwaltung. Neben ihn trat der ehrenamtlich tätige Landrat, der der Vorsitzende des Kreistags war und aus dessen  Mitte gewählt wurde. Bis zu den ersten gewählten Kreisvertretungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden, sozusagen als Vorstufe zur "Parlamentarisierung", von der britischen Militärregierung  Verwaltungsbeiräte eingesetzt.  Am 13. Oktober 1946 wurden dann die ersten Kreistage gewählt. Erste Oberkreisdirektoren, also Leiter der Kreisverwaltungen waren Rudolf Weskamp für den Kreis Lüdinghausen sowie Bernhard Wening für den Kreis Coesfeld.

Drei Jahre nach Kriegsende bekamen die Kreise im Rahmen der Kommunalisierung weitere Aufgaben übertragen. Mit dem Gesetz über die Eingliederung staatlicher Sonderbehörden vom 30. April 1948 wurden Gesundheitsamt, eine Abteilung des Ernährungsamtes, Veterinäramt, Katasteramt und Kreiskasse zu Bestandteilen der (kommunalen) Kreisverwaltung.

In Coesfeld beschloss der Kreistag am 10. Mai 1949 den Wiederaufbau des zerstörten Kreishauses. Mitte Februar 1951 konnte die Belegschaft in das frisch renovierte Haus an der Promenade einziehen. Beide Oberkreisdirektoren der ersten Stunde erwarben sich in den schweren Nachkriegsjahren durch umsichtige und tatkräftige Arbeit hohes Ansehen. Bernhard Wening blieb bis 1951 in Coesfeld Chef der Kreisverwaltung, Rudolf Weskamp bis 1959 in Lüdinghausen. Er verabschiedete sich mit den Worten: "Der Landkreis Lüdinghausen wachse, blühe und gedeihe!" Die Schatten der Kreisneugliederung waren zu dem Zeitpunkt noch nicht in Sicht.

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