[WestG] [AKT] 200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 2: Berichte und Aufgaben der fruehen Landraete

Pattberg, Julia Julia.Pattberg at lwl.org
Mo Mär 21 09:39:49 CET 2016


Von: "pressestelle at kreis-coesfeld.de" <pressestelle at kreis-coesfeld.de> 
Datum: 18.03.2016, 09:25


AKTUELL
 
200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 2: Berichte und Aufgaben der frühen Landräte
 
"Was nicht in den Akten ist, ist nicht auf der Welt". In den neuen Kreisen wurde rasch die bestehende preußische Bürokratie eingeführt. So gaben Berichte und Statistiken an die Regierung Auskunft über die Arbeit der Landräte und das Geschehen in den Kreisen. Laut Erlass des Ministeriums des Innern vom 11. April 1856 wurden die königlich preußischen Landräte aufgefordert, die statistischen Nachrichten über "ihren" Kreis nun für jeweils drei aufeinanderfolgende Jahre zu erstellen. Im Jahr 1865 waren die Nachrichten für die Jahre 1862-1864 fällig.
 
Dabei war eine lange Themenliste mit 25 vorgegebenen Punkten abzuarbeiten. Die Landräte mussten unter anderem Stellung nehmen zu: Kreisterritorium, Klima, Bevölkerung, Industrie und Handwerk, Handel und Verkehr, Land- und Wasserstraßen, Gesundheitsverhältnisse, Polizeiwesen, Militärverhältnisse, Finanzen etc.. Ein Blick in die Schilderungen der hiesigen Landräte im Jahr 1865 zum Punkt "Verhältnisse der arbeitenden Klassen und Abwehr der Verarmung" zeigt die wirtschaftliche und soziale Situation Mitte des 19. Jahrhunderts. Landrat Clemens Mersmann aus Coesfeld stellte im Berichtszeitraum eine leichte Verschlechterung der Verhältnisse der Tagelöhner und kleinen Gewerbetreibenden fest. Wegen der "amerikanischen Wirren" [Amerikanischer Bürgerkrieg 1861-1865] habe sich die Lage in den Gemeinden, wo früher Nesselweberei als Haupt- oder Nebenerwerbszweig galt, verschlechtert. Der Weberlohn sei stark gesunken. "Der Weber ging, wenn nicht zur Leinwandweberei, zu Tagelohn-Arbeiten über und in dieser Beziehung traf es sich äußerst günstig, dass die Chausseebauten im Kreise manchem Arbeiter lohnende Beschäftigung boten. Seitdem diese beendigt, hat eine nicht unbedeutende Anzahl junger rüstiger Arbeiter den Kreis verlassen, um im Bergischen in dem Kohlenbergwerksbau einen für ihre eigene resp. ihrer Familien Existenz die nöthigen Mittel zu erwerben.."
 
Der Lüdinghauser Landrat Ignatz Freiherr von Landsberg-Velen stellte in seinem Bericht faktisch keine Veränderung fest, nahm aber eine leichte Verbesserung der Situation an. Auch er erwähnt zwar, dass in der Vergangenheit viele Arbeiter ins Bergische Land verzogen seien, aber in den letzten drei Jahren sei vor allem durch die Verbesserung der Landwirtschaft, die Anlegung von Ziegeleien und den bedeutenden "Chaussee-" und Wegebau ein kleiner Aufschwung zu verzeichnen. "In den Gemeinden, welche von der Westfälischen Eisenbahn durchschnitten resp. berührt werden, finden noch viele Tagelöhner bei Instandhaltung der Bahnplanung.oder als Bahn- und Hülfsarbeiter gegen guten Verdienst dauernde Beschäftigung."
 
Die Erschließung der Kreise mit Verkehrswegen wie Straßen und Eisenbahn war eine der vordringlichen Aufgaben der frühen Landräte. Auch die Förderung der Landwirtschaft war in den ländlich geprägten Kreisen von großer Bedeutung. Feine Unterschiede sind auch bei den Unterschriften am Ende der Landratsberichte zu verzeichnen: Während der Coesfelder Clemens Mersmann schlicht mit "Der Landrath" signiert, heißt es beim Lüdinghauser Bericht "Der Königliche Landrath".
 



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