[WestG] [AKT] 200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 1: Gruendung durch Preußen

Pattberg, Julia Julia.Pattberg at lwl.org
Fr Mär 11 10:00:22 CET 2016


Von: "pressestelle at kreis-coesfeld.de" <pressestelle at kreis-coesfeld.de> 
Datum: 10.03.2016, 15:00


AKTUELL

200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 1: Gründung durch Preußen

"Wenn es die Landkreise nicht gäbe, müsste man sie erfinden! Nur wenige Schöpfungen der Verwaltungskunst haben sich so glänzend bewährt". Diese Worte stammen von keinem Geringeren als dem ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. 
 
"Erfunden" wurden die Kreise von den Preußen. Im Rheinland und in Westfalen jährt sich die Einrichtung der Kreise im Jahr 2016 zum 200. Mal. Der Kreis Coesfeld blickt also in diesem Jahr auf 200 Jahre Kreisgeschichte zurück. Das kam so: Nach Napoleons Niederlage hatte der Wiener Kongress den Preußen 1815 das Rheinland und Westfalen zugesprochen. Die neuen Landesherren teilten das gesamte preußische Staatsgebiet in zehn Provinzen, darunter die Provinz Westfalen, und 25 Regierungsbezirke ein. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass jeder Regierungsbezirk in Kreise untergliedert werden sollte.
 
Im Sommer 1816 war es dann soweit: Im "Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster" vom Samstag, den 10. August, wurden zehn landrätliche Kreise für den "Münsterschen Regierungs-Bezirk" bekannt gegeben. Als fünfter Kreis wurde Lüdinghausen genannt, als sechster Coesfeld. Einen preußischen Kreis Lüdinghausen hatte es bereits von 1804 bis 1806 gegeben, weil das Gebiet schon zu der Zeit zum preußischen Erbfürstentum Münster gehörte. 
 
An der Spitze der Kreise standen vom König ernannte Landräte: Für den Kreis Lüdinghausen leitete der Landrat David von Schlebrügge die Geschicke, für den Kreis Coesfeld Dr. Clemens von Bönninghausen. Von Bönninghausen erlangte nach seiner landrätlichen Tätigkeit Bekanntheit als Homöopath, dem sich sogar die 1797 auf Burg Hülshoff bei Havixbeck geborene Dichterin Annette von Droste-Hülshoff als Patientin anvertraute. Anfangs "residierten" die Landräte noch auf ihren Gütern, eine größere "Kreisverwaltung" gab es noch nicht. Der Coesfelder Landrat von Bönninghausen lebte und arbeitete auf Haus Darup, sein Lüdinghauser Amtskollege von Schlebrügge auf Haus Beckendorf bei Werne. Später wurden Büros in den Kreisstädten Coesfeld und Lüdinghausen eingerichtet. 
 
Die Aufgaben waren anfangs eher vage umrissen: Die Landräte sollten sich laut Instruktion um Landwirtschaft und Gewerbe im Kreis kümmern, die Infrastruktur verbessern und die Wirtschaft fördern. Auch die Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse und der hygienischen Bedingungen musste vorangetrieben werden. So war man beispielsweise bemüht, überall den sichtbaren Mist aus den Dorf- und Stadtbildern zu beseitigen. Denn wie schon der französische Emigrant Abbé Baston, der von 1794 bis 1803 in Coesfeld gelebt hatte, bemerkte, lag derselbe vor jeder Haustür. 
 
Die Kreise waren damals staatliche Verwaltungsbezirke, die Landräte staatliche Beamte. Es sollte noch lange dauern, bis die Kreise eine echte Selbstverwaltung erlangten. Die Kreisordnung für die Rheinprovinz und Westfalen vom 13. Juli 1827 war zwar das erste Kreisverfassungsrecht, gab den Kreisen aber keine echte kommunale Selbstverwaltung. Daran konnte auch die Einführung von ständischen Kreistagen nichts ändern, deren Befugnisse sehr begrenzt waren. Die Stände rekrutierten sich aus den ehemals reichsunmittelbaren Fürsten, den Besitzern von Rittergütern, den Vertretern der Städte sowie der Landgemeinden. Der Kreistag Lüdinghausen hatte ein prominentes Mitglied in seinen Reihen: den großen preußischen Staatsreformer Karl Freiherrn vom und zum Stein, der seinen Alterssitz auf Schloss Cappenberg im Kreis Lüdinghausen hatte.


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte