[WestG] [AUS] Zwischen Ungewissheit und Zuversicht - Polnische Displaced Persons in Deutschland 1945-1955, Bochum, 17.06.-30.10.2016
Pattberg, Julia
Julia.Pattberg at lwl.org
Mi Jun 15 10:29:58 CEST 2016
Von: "Geschichtskultur Ruhr" <geschichtskultur-bounces at hclist.de>
Datum: 15.06.2016, 07:22
Übernahme aus der Liste "Geschichtskultur Ruhr"
AUSSTELLUNG
Zwischen Ungewissheit und Zuversicht - Polnische Displaced Persons in Deutschland 1945-1955
Knapp eine Million ehemalige polnische Zwangsarbeiter, Häftlinge und Kriegsgefangene lebten nach Ende des Zweiten Weltkriegs als sogenannte "Displaced Persons" (DPs) in Sammelunterkünften in den westlichen Besatzungszonen. Ihnen widmet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unter dem Titel "Zwischen Ungewissheit und Zuversicht. Polnische Displaced Persons in Deutschland 1945 und 1955" eine neue Ausstellung. Die zweisprachige Schau ist vom 17. Juni bis 30. Oktober im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum zu sehen.
"Die Geschichte der DPs ist ein bisher wenig beachtetes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Unsere Ausstellung gibt erstmals einen umfassenden Einblick in den Alltag, die Kunst und die Kultur dieser 'heimatlosen Ausländer', wie sie später genannt wurden. Sie haben trotz der herrschenden Knappheit und Ungewissheit über ihr weiteres Schicksal ein bemerkenswertes und vielfältiges Kulturleben in den Camps und Lagern entwickelt", sagte LWL-Direktor Matthias Löb am Dienstag (14.6.) in Bochum.
Mit Dokumenten, Fotos und Videointerviews wirft die Ausstellung ein Licht auf dieses kaum bekannte Stück deutsch-polnischer Geschichte. Löb: "Wir stellen die Menschen nicht als passive Opfer der Geschichte, sondern als aktive Menschen, die in den vorgegebenen Grenzen ihr Leben gestalteten, in den Vordergrund." Die Ausstellung des LWL-Industriemuseums nimmt genau diesen Blick ein: "Es ist beachtlich, mit welcher Energie, Effizienz und Kreativität die in den Camps und Lagern festsitzenden Menschen ihren Alltag organisierten, Komitees, Organisationen und Netzwerke ins Leben riefen und ihr Leben mit allen Mitteln der Kunst gestalteten", sagte der LWL-Direktor. So fanden bereits 1945 erste Kunstausstellungen statt, die von der Landschaftsmalerei bis zur Verarbeitung des Schreckens der Konzentrationslager eine beachtliche Bandbreite zeigten.
"Die Ausstellung ist äußerst aktuell: Viele Deutsche standen den DPs damals distanziert gegenüber. Überkommene Stereotype und Bewertungen als 'minderwertige Menschen' hielten sich auch nach Kriegsende hartnäckig. Berichte über Kriminalität verstärkten die Ablehnung", erklärte Löb weiter. "Diese beunruhigende Entwicklung kennen wir aus der aktuellen Flüchtlingsdiskussion. Hier kann jeder Besucher aktuelle Bezüge entdecken."
Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums, hob die Zusammenarbeit mit ehemaligen polnischen DPs hervor: "Dem Ausstellungsteam ist es gelungen, Zeitzeugen zu finden, die mit ihren Erlebnissen, Erinnerungen und Leihgaben die Präsentation mitgestaltet haben". Dabei spannt sich der Bogen über mehrere Generationen und zeigt damit auch die unterschiedlichen Formen von Erinnerung und Tradition.
Bereichert wurde das Projekt auch durch die Kooperation mit der "Porta Polonica", der beim LWL-Industriemuseum angesiedelten und vom Bund finanzierten Dokumentationsstelle zur Geschichte und Kultur der Polen in Deutschland. Zache: "So konnten die vielfältigen und verschlungenen Migrationswege in den Blick genommen und die Perspektive auf ganz Deutschland gerichtet werden. Auch Bezüge nach Polen und in die Auswanderungsländer stellte unsere Dokumentationsstelle her."
Katalog:
Zwischen Ungewissheit und Zuversicht. Polnische Displaced Persons in Deutschland 1945-1955, hg. LWL-Industriemuseum, Dietmar Osses, 222 Seiten, Klartext-Verlag, Essen 2016, 19,95 Euro
Eröffnung:
Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag (16.6.) um 19 Uhr begrüßt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale die Gäste. Grußworte sprechen Konsul Przemyslav Gembiak vom polnischen Generalkonsulat in Köln sowie das Bochumer Bundestagsmitglied Axel Schäfer. LWL-Museumsleiter Dietmar Osses gibt eine Einführung in die Ausstellung.
Begleitprogramm
Mi, 6.7. 19 Uhr
Vortrag und Gespräch: Zwischen allen Fronten. Polnische Displaced Persons in Deutschland 1945-1955. LWL-Museumsleiter Dietmar Osses berichtet in einem Lichtbildvortrag über die Geschichte der polnischen DPs. Eintritt frei
So, 10.7. 16 Uhr
Zwischen Ungewissheit und Zuversicht. Offene Führung durch die Ausstellung zu polnischen Displaced Persons in Deutschland
So, 7.8. 16 Uhr
Kultur im Lager. Offene Führung durch die Ausstellung zu polnischen Displaced Persons in Deutschland
So, 4.9. 16 Uhr
Keine Hoffnung auf Rückkehr? Offene Führung durch die Ausstellung zu polnischen Displaced Persons in Deutschland
Mi 14.9. 20 Uhr
Vortrag und Gespräch: Vom Akkordeonabend bis zur Theaterpremiere. Geselligkeit, Musik und Theater in polnischen DP-Lagern. Lichtbildvortrag von Kurator Bartholomäus Fujak
Do, 22.9. 19 Uhr
Vortrag und Gespräch: Zwischen Sehnsucht nach dem Leben und Hunger nach dem Wort. Bedeutung und Funktion der Kultur für die polnischen Displaced Persons in Deutschland. Lichtbildvortrag von Dr. Jacek Barski, Leiter der Porta Polonica, Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland
Do, 6.10. 19 Uhr
Vortrag und Gespräch Polnische Displaced Persons in Westfalen und dem Ruhrgebiet. Eine Spurensuche. Dietmar Osses
So, 9.10. 16 Uhr
Zwangsarbeiter - Displaced Persons - Heimatlose Ausländer. Offene Führung durch die Ausstellung zu polnischen DPs in Deutschland
Do, 27.10. 19 Uhr
Vortrag und Gespräch: Den Blick nach vorn gerichtet. Polnische Displaced Persons in Schule, Ausbildung und Beruf. Lichtbildvortrag des Historikers David Skrabania
INFO
Veranstaltungsort:
LWL-Industriemuseum Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251
44793 Bochum
Geöffnet Mi-Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr
URL: www.lwl-industriemuseum.de
17. Juni bis 30. Oktober 2016
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte