[WestG] [AKT] 200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 7: 1950er und 1960er-Jahre
Pattberg, Julia
Julia.Pattberg at lwl.org
Fr Jun 10 10:27:36 CEST 2016
Von: "Pressestelle Kreis Coesfeld" <pressestelle at kreis-coesfeld.de>
Datum: 08.06.2016, 13:40
AKTUELL
200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 7: 1950er und 1960er-Jahre
Nachdem die drängendsten Probleme der ersten Nachkriegsjahre gelöst waren, betrieben die Kreise eine aktive Strukturpolitik zur Stärkung des ländlichen Raumes: Wirtschaftsförderung, Straßenbau und der Ausbau des Berufsschulwesens hatten einen hohen Stellenwert. Seit 1936 waren die Berufsschulen in den Kreisen Coesfeld und Lüdinghausen in der Trägerschaft der Kreise; die in verschiedenen Orten befindlichen "Fortbildungsschulen" waren zu einer Kreisberufsschule zusammengefasst worden.
Eigene Gebäude bekamen die Berufsschulen indes erst im Jahrzehnt des "Wirtschaftswunders": In Coesfeld wurde im Mai 1957 die Berufsschule an der Bahnhofstraße eingeweiht, 1959 folgte die Berufsschule in Dülmen. Im Kreis Lüdinghausen entstand 1956 das erste kreiseigene Berufsschulgebäude in Bockum-Hövel, 1961 das Berufsschulgebäude an der Tüllinghofer Straße in Lüdinghausen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Berufsschulangebot immer differenzierter, die Bildungsabschlüsse qualifizierter.
Auch die Förderung der Kultur im ländlichen Raum schrieben sich beide Kreise auf die Fahnen: Im Kreis Coesfeld wurde 1959 die Kreisbücherei eingerichtet, räumlich und personell vereint mit der Stadtbücherei Coesfeld. Im selben Jahr kam auf Initiative des Oberkreisdirektors Heinrich Kochs der erste Band der Schriftenreihe "Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Kreises Coesfeld" heraus, die sich in den Folgejahren fest etablierte. Ein besonderes Anliegen waren dem Verwaltungschef auch die Denkmalpflege und die Bewahrung des regionalen kulturellen Erbes. Mit Beharrlichkeit und Weitblick setzte er die Restaurierung der Kolvenburg in Billerbeck durch, die in den 1950er-Jahren zu verfallen drohte. In den Jahren zwischen 1958 und 1975 fanden weitreichende Renovierungsarbeiten statt. Bevor die Kolvenburg schließlich 1976 als Kulturzentrum des Kreises Coesfeld eröffnet wurde, waren viele Vorschläge für eine angemessene Verwendung derselben in Umlauf. Zur Debatte standen beispielsweise die Einrichtung einer Jugendherberge, einer Gaststätte, einer Forschungsstelle oder auch die Eröffnung eines Heimatmuseums.
Im Kreis Lüdinghausen nahm am 01. September 1965 die Kreismusikschule ihre Arbeit auf. Zum selben Stichtag richtete der Kreis Lüdinghausen das Amt für Kulturpflege ein. Leiter des Amtes wurde der gebürtige Niederrheiner Dr. Heinrich A. Mertens, der auf Bitten von Oberkreisdirektor Dr. Egbert Möcklinghoff seine Ideen für eine "Anfangsarbeit eines kulturellen Kreisbüros" formuliert hatte. Neben vielfältigen kulturellen Veranstaltungen wie Kunst- und Bücherausstellungen, Konzerten und Theateraufführungen sollte langfristig ein Kreismuseum vorbereitet werden. Bereits im darauffolgenden Jahr berichtete das ZDF am 13. Juni 1966 von der Burg Vischering im Rahmen der Sendung "Die Drehscheibe" live über das Münsterland. Die idyllische Wasserburg in Lüdinghausen wurde dann auch ab 1972 Sitz des geplanten "Kreismuseums", das Dr. Mertens als Kulturbeauftragter des Kreises Lüdinghausen aufbaute. Es entstand ein Münsterlandmuseum, das weit über die Grenzen des Kreises Beachtung fand.
Der heutige Kreis Coesfeld hält das kulturelle Erbe der alten Kreise Coesfeld und Lüdinghausen in Ehren: Beide Burgen werden im Jubiläumsjahr 2016 immer noch als Kreis-Kulturzentren genutzt.
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