[WestG] [AKT] Vom Stiefkind zum Erfolgsmodell: 200 Jahre Kreisgeschichte - achtteilige Serie: 5. Teil (ab 1945 bis 1975)
Pattberg, Julia
Julia.Pattberg at lwl.org
Mo Feb 29 10:22:39 CET 2016
Von: "Kreis Borken" <info at presse-service.de>
Datum: 23.02.2016, 08:02
AKTUELL
Vom Stiefkind zum Erfolgsmodell: 200 Jahre Kreisgeschichte - achtteilige Serie: 5. Teil (ab 1945 bis 1975): "Auferstanden aus Ruinen" - Von normalisierten Grenzbeziehungen bis zur Neuordnung der Kreise
Einleitung:
Grenzregion oder gar Stiefkind des Münsterlandes - über Jahrhunderte hinweg galt das Gebiet des heutigen Kreises Borken als wenig zukunftsfähig. Zum Erfolgsmodell wurde unser Westmünsterland erst seit wenigen Jahrzehnten. Es profitierte dabei zum einen vom Wegfall der europäischen Binnengrenzen und zum anderen vor allem von seinen tüchtigen familiengeführten, ebenso dynamischen wie innovativen mittelständischen Unternehmen und deren ebenso tüchtigen Fachkräften.
Zwei Jahrhunderte Borkener Kreisgeschichte stehen für eine Vielzahl verschiedener Gesichter und Geschichten aus dieser Region. Etwa von großen Erfolgen, herben Rückschlägen und ständigen Veränderungen rund um die zwei Altkreise Ahaus und Borken (1816 bis 1974), die kreisfreie Stadt Bocholt (1923 bis 1974) und den seit 1975 bestehenden Westmünsterland-Kreis Borken, der sich außerordentlich erfolgreich entwickelt hat und damit zu einem Wachstumsmotor der gesamten Region geworden ist.
Wir beleuchten nun einige Schlaglichter aus 200 Jahren Geschichte des Kreises näher: heute für rund 365.000 Einwohnerinnen und Einwohner eine junge und innovationsträchtige Heimat, die ihr einst biederes Image längst abgestreift hat.
Wer sich weitergehend mit der Geschichte des Westmünsterlandes befassen will, sollte sich mit dem Kreisarchiv Borken in Verbindung setzen. Dort gibt es u. a. eine umfangreiche Präsenzbibliothek - nähere Infos im Internet unter http://www.kreis-borken.de/archiv.
5. Teil (ab 1945 bis 1975): "Auferstanden aus Ruinen" - Von normalisierten Grenzbeziehungen bis zur Neuordnung der Kreise Die Versöhnung begann mit Jutesäcken, Wollsocken und Strümpfen. Als im Februar 1953 die Hilfsaktion des Kreises Ahaus nach der niederländischen Unwetter- und Flutkatastrophe anrollte, war der Dank jenseits der Grenze groß. Es folgte eine langsame Normalisierung der Grenzbeziehungen, die spätestens mit der Wanderausstellung "Euregio 65" eine ganz neue Qualität gewinnen sollte.
Noch acht Jahre zuvor bedeutete die "Stunde Null" nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges buchstäblich einen totalen Neuanfang. Fast alle öffentlichen Einrichtungen der Kreise Ahaus und Borken und der kreisfreien Stadt Bocholt waren zerstört und überall fehlte es an Personal - was aber blieb, waren ungeheure Aufgabenberge. So galt es die Versorgung mit Brennstoffen, Nahrungsmitteln und Wohnungen zu organisieren, ebenso die Aufnahme und Verteilung zehntausender Kriegsheimkehrer und Heimatvertriebener.
Gleichzeitig erlebten die Kreise eine Wiederbelebung ihrer in den Vorkriegsjahren stark beschnittenen Stellung. Durch die revidierte (überarbeitete) Gemeindeordnung von 1946 kam zur Position des nunmehr ehrenamtlich tätigen Landrates die des hauptamtlichen Oberkreisdirektors hinzu. Sieben Jahre später wurden in einer neuen Kreisordnung die Kreise als Gemeindeverbände und Gebietskörperschaften in Selbstverwaltung definiert, die zugleich untere staatliche Verwaltungsbehörden darstellten.
Dies war zugleich Startschuss für eine Ausweitung ihrer Aufgaben zum Wohle aller kreisangehörigen Gemeinden. Die Förderung der Drainage nasser Böden gehörten ebenso dazu wie der Neu- und Ausbau beruflicher Schulen oder des Gesundheits-, Veterinär-, Vermessungs- und Katasteramtes. Krankentransport- und Unfallrettungsdienste wurden übernommen, Straßen ausgebaut. Zwischen 1949 und 1974 verzeichnete der Kreis Ahaus allein rund 1.000 Kilometer neue Wege, der Kreis Borken immerhin 740 Kilometer.
Auch die Kreisverwaltungen benötigten neue Räumlichkeiten und Neubauten mussten her. Im Jahr 1966 vergrößerte sich die Ahauser Kreisverwaltung, 1969 zog die Borkener nach und 1977 bezog die Bocholter Stadtverwaltung das neue Rathaus am Berliner Platz.
Kreisfrei war Bocholt da allerdings nicht mehr, denn die Stadt wurde wie die beiden "alten" Kreise selbst "Opfer" einer landesweiten Modernisierungswelle: Weil zu klein und wenig leistungsfähig, gingen die Landkreise Ahaus und Borken sowie die bis dahin kreisfreie Stadt Bocholt zum 1. Januar 1975 im neuen Westmünsterland-Kreis Borken auf.
In Teilen dieses neuen Kreises gab es zwar heftige Kritik gegen die Gebietsreform, der eine Neugliederung der Gemeinden vorausgegangen war. Doch zusammen mit Erle (vom Kreis Recklinghausen), der Stadt Gescher (vormals Kreis Coesfeld) und der Stadt Isselburg (vormals Kreis Rees) entstand der heutige leistungsfähige Großkreis mit den drei weißen Mauerankern im Wappen, die für die beiden Altkreise Ahaus und Borken und die Stadt Bocholt stehen.
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