[WestG] [KONF] 8. Wissenschaftliches Symposium: Baukoerper des Nationalsozialismus - Zur Architektur im "Dritten Reich", Bueren-Wewelsburg, 17.09.2016

Pattberg, Julia Julia.Pattberg at lwl.org
Do Aug 18 10:43:11 CEST 2016


Von: "Gloria Bialas" <BialasG at kreis-paderborn.de> 
Datum: 18.08.2016, 07:28


KONFERENZ

8. Wissenschaftliches Symposium: Baukörper des Nationalsozialismus - Zur Architektur im "Dritten Reich", 17.09.2016

Architektur diente dem Nationalsozialismus zur Manifestation seiner Ideologien und Machtansprüche sowie zur Gliederung des städtischen und ländlichen Raumes. Deutlich wird dies nicht nur an erhaltenen Großbauten in Nürnberg oder dem Olympia-Gelände in Berlin, sondern auch an der KDF-Anlage Prora auf Rügen und den nicht ausgeführten Ausbauplänen für die Wewelsburg bei Paderborn. Diese Architektur sollte Wirkungen auf  die Betrachter entfalten, die zwischen Bewunderung, Erhebung und Einschüchterung pendelten. Monumentale Größe, kühl-lineare Gestaltung, Dauerhaftigkeit und Tradition vermittelnde Baustoffe, aber auch der Rückgriff auf historische Bautypen sind nur einige der von den Architekten verwendeten Stilmittel. 

Die Vorträge des Symposiums werfen anhand beispielhafter Baukörper Schlaglichter auf diesen Themenkomplex. In der Abschlussdiskussion soll die Frage nach dem heutigen Umgang mit den baulichen Relikten der ehemaligen NS-Großanlagen gestellt werden. 

Dr. Fabian Link (Frankfurt) thematisiert in seinem Vortrag die Stellung von Burgen in der NS-Weltanschauung. Dies betraf nicht nur mittelalterliche Wehrbauten, sondern auch Gebäude, die mit moderner Technik in Form von Burgen errichtet wurden. Burgen symbolisierten für NS-Ideologen "ewige Werte" deutscher Kultur im Sinne eines historischen Mythos und dienten der Vermittlung weltanschaulicher Elemente an die deutsche Bevölkerung. NS-Politiker förderten ganze Programme zur Wiederherstellung von Burgen, an denen sich auch Wissenschaftler und Denkmalpfleger beteiligten. Der Vortrag erläutert den Mediävalismus der Nationalsozialisten, stellt die Burgen ins Zentrum der nationalsozialistischen weltanschaulichen Praxis und beleuchtet schließlich die Rolle von Wissenschaftlern und Denkmalpflegern während der NS-Zeit.

Florian Dierl (Nürnberg) wird in seinem Vortrag das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in den Blick nehmen, welches das größte erhaltene Ensemble nationalsozialistischer Staats- und Parteiarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland bildet. Die dort entstandenen und projektierten Bauten gelten als zentrale Herrschaftssymbole des Nationalsozialismus, in denen der Macht- und Ewigkeitsanspruch des "Tausendjährigen Reiches" sinnbildlich zum Ausdruck gebracht wurde. Seit 1945 stehen die Stadt und ihre Bürger vor der Herausforderung, mit diesem steinernen Erbe umzugehen und sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Architektur und Nutzung der zentralen Gebäude auf dem "Gelände" und beleuchtet wichtige Stationen der Debatte um den Umgang mit den baulichen Relikten seit 1945.

Stefan Wunsch (Vogelsang) beleuchtet in seinem Vortrag die Funktion der ab 1936 in Vogelsang veranstalteten Lehrgänge, die ein ideologisch einheitlich ausgerichtetes, »gläubiges« Führungskorps Politischer Leiter formieren, sportlich gedrillte und »charakterlich« gestählte, fanatische »Prediger« der nationalsozialistischen »Weltanschauung« vermitteln sollten. Welche Spuren des Selbstbildes und der Selbstinszenierung der »Ordensjunker« sind zu finden? Welche Projektionsflächen eröffnete der Baukörper der Ordensburg? Und wie wurde - auch mit klaren Bezügen auf mittelalterliche Ritterorden, insbesondere den Deutschen Orden - eine vermeintliche Elite konstruiert?

Dr. Emanuel Hübner (Münster) zeigt in seinem Beitrag, dass die für die Olympischen Sommerspiele 1936 errichteten Wettkampfstätten, vor allem das über 130 Hektar große Reichssportfeld, auch heute noch eine sichtbare Erinnerung an die Berliner Spiele sind. Daneben wurden jedoch - auch außerhalb Berlins - noch weitere Bauwerke errichtet, die in direktem Zusammenhang mit dem olympischen Großereignis stehen. Der Vortrag begibt sich auf eine Spurensuche und gibt neue Einblicke in bekannte Olympiabauten und stellt andererseits bislang wenig beachtete Bauwerke vor.
In Kooperation mit dem Förderverein Kreismuseum Wewelsburg e. V.

Programm:

14.00 	Begrüßung und Grußworte 
	Manfred Müller, Landrat des Kreises Paderborn
	Heinz Köhler, Vorsitzender des Fördervereins Kreismuseum Wewelsburg e.V. 

14.30 	Vortrag 	
	Dr. Fabian Link (Frankfurt) "Die Burg im NS-Regime: NS-Mittelalterrezeption, weltanschauliche Praxis und Wissenschaften" 

15.15	Vortrag 	
	Florian Dierl, M. A. (Nürnberg) "Bauten., die. den römischen Vorbildern gleichen würden."
	Zeitgenössische Funktion und das Problem des Erhalts der NS-Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

16.00	Kaffeepause 

16.30	Vortrag  	
	Dr. Stefan Wunsch (Vogelsang) "Junker, Tod und Teufel? Die NS-Ordensburg Vogelsang und die Erziehung zum "Herrenmenschen"

17.15	Vortrag 
	Dr. Emanuel Hübner (Münster) "Olympiabauten 1936 - nicht nur in Berlin"

18:00	Abschlussdiskussion	Moderation Kirsten John-Stucke

18.30	Ende der Veranstaltung


INFO

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Um Anmeldung wird gebeten, Tel. 02955 7622-0

Veranstaltungsdatum: 	17.09.2016
Veranstaltungsort:	Kreismuseum Wewelsburg
			Burgsaal der Wewelsburg
			Burgwall 19 
			33142 Büren-Wewelsburg
			URL: www.wewelsburg.de


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