[WestG] [AKT] 200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 5: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Pattberg, Julia Julia.Pattberg at lwl.org
Fr Apr 15 10:17:08 CEST 2016


Von: "pressestelle at kreis-coesfeld.de" <pressestelle at kreis-coesfeld.de> 
Datum: 14.04.2016, 13:12


AKTUELL

200 Jahre Kreis Coesfeld, Teil 5: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
 
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Nationalsozialisten feierten den "Tag der Machtübernahme" mit Fackelzügen durch das Brandenburger Tor. Schnell gingen die neuen diktatorischen Machthaber daran, die bestehende Kreisverfassung durch neue Gesetze Schritt für Schritt auszuhebeln: Im Juli 1933 bekamen die Kreisausschüsse die Zuständigkeiten der Kreistage, so dass diese faktisch keine Macht mehr besaßen. Im Dezember wurden den Kreisausschüssen wichtige Entscheidungsbefugnisse entzogen. Sie existierten zwar noch, hatten aber in vielen Belangen nur noch beratende Funktion. 1939 bekamen die Landräte dann die restlichen Beschlusszuständigkeiten übertragen. Schon Jahre vorher hatten sie die Staatsaufsicht über alle Städte und Gemeinden erhalten.
 
In den Augen der Nazis war die Beauftragung des Juristen Dr. Alfred von Gescher mit der vertretungsweisen Verwaltung des Landratsamtes Lüdinghausen im März 1933 nicht hinnehmbar. Hermann von Lassaulx, nebenamtlicher Archivar beim Kreis, schildert die Reaktion im Westfälischen Heimatkalender Lüdinghausen 1965 so: "Der neue Landrat wunderte sich nicht wenig, daß er durch eine Hintertür vom Hof her in sein neues Amtsgebäude geführt wurde. Vor dem Landratsamt auf der Steverstraße war nämlich eine wilde Horde aufmarschiert, um dem neuen Landrat einen abschreckenden Empfang zu bereiten. Ein großes Transparent mit der Aufschrift ,1000 Nationalsozialisten lehnen von Gescher ab' klärte über den Zweck des vom Kreisleiter inszenierten Protestaufmarsches auf." Zwar wurde ihm noch die kommissarische Verwaltung des Landratsamtes übertragen, die ihm aber Anfang November bereits wieder entzogen wurde. Er war entlassen. Ihm folgte bis 1945 der überzeugte Nationalsozialist Herbert Barthel. Der Nachruf des Kreises Coesfeld würdigte von Gescher im April 1979 als überzeugten Gegner des Nationalsozialismus. Nationalsozialistische Landräte im Kreis Coesfeld waren Rudolf Klein (1932-1936) und Dr. Jakob Stachels (1936-1945).
 
Mit dem Überfall auf Polen entfesselte Hitler am 01. September 1939 den Zweiten Weltkrieg. Nach und nach wurden für die Bevölkerung bestimmte Lebensmittel rationiert, später auch Kleidung. Bei Kriegsende lagen im Kreis Coesfeld die Städte Coesfeld und Dülmen in Schutt und Asche. In den letzten Kriegstagen im März 1945 fiel das Coesfelder Kreishaus am Schützenwall dem Bombenhagel zum Opfer. Abgesehen von den beiden Seitenflügeln, die aus den Trümmern ragten, war das Gebäude wie viele andere in der Innenstadt weitgehend zerstört. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, wurden zunächst in der Gastwirtschaft Berning (Haus Klinke) provisorische Büros eingerichtet. Anfang April bekam die Kreisverwaltung ihr Domizil im unbeschädigten früheren Wehrbezirkskommando an der Osterwicker Straße.
 
Im Zweiten Weltkrieg wurden in Europa zirka 20 Milliarden Flugblätter abgeworfen. Die von den Alliierten über dem Deutschen Reich verteilten Flugblätter sollten die deutsche Bevölkerung über die verbrecherischen Machenschaften Hitlers und das Kriegsgeschehen informieren. Im Kreis Lüdinghausen hielten die Behörden die Bevölkerung seit 1941 dazu an, diese "Feindpropaganda durch Flugblattabwurf" aus Flugzeugen und Ballonen bei den Bürgermeistern bzw. Amtsbürgermeistern zu melden. Wurden einzelne Flugblätter zufällig gefunden, leiteten die Behörden gezielte Suchaktionen ein, unter anderem mit Schülern.


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