[WestG] [AKT] Vortrag: ‚Illegale Migration‘: Geschichte und Gegenwart von Wanderungen und ihrer Kontrolle, Paderborn, 01.12.2015
Pattberg, Julia
Julia.Pattberg at lwl.org
Fr Nov 27 10:19:55 CET 2015
Von: "Andreas Neuwöhner" <a.neuwoehner at paderborn.de>
Datum: 26.11.2015, 15:11
AKTUELL
‚Illegale Migration‘: Geschichte und Gegenwart von Wanderungen und ihrer Kontrolle
Nach der politischen Legitimation und der verwaltungstechnischen Etablierung der ‚Festung Europa‘, mithin der sukzessiven Übertragung nationalstaatlicher Migrationspolitik und -kontrolle an die suprastaatliche Institution EU werden in der gegenwärtigen Diskussion über ‚Flüchtlingsströme‘ und ‚Zuwandererfluten‘ europaweit Forderungen nach einer Re-Nationalisierung des Umgangs mit Migration laut.
Das bestehende System europäischer Migrationskontrolle ist hoch technologisiert und martialisiert: unter anderem durch eine Satellitenüberwachung der Grenzen, vorgelagerte Kontrollen in den außereuropäischen Transitländern, ein europaweites Fingerabdruckverfahren und bis zu ‚Push-backs‘ reichender Schutz der grünen und blauen europäischen Außengrenzen durch Frontex und nationale Grenzschützer.
Die geforderten nationalen Militäreinsätze zur Flüchtlingsabwehr werden - wie zum Beispiel in Ungarn - zum Teil durchgesetzt und Stacheldrahtzäune an den innereuropäischen Grenzen errichtet. Alle Maßnahmen führen zu einer vermehrten Illegalisierung von Migration auch im Innern Europas.
Schon dieser kursorische Blick auf unsere Gegenwart zeigt, dass ‚illegale Migration‘ im Wechselverhältnis zwischen Wanderungen, die die unterschiedlichsten Ursachen haben und ihrer (supra)staatlichen Verwaltung konstruiert wird. Die Migrationsgeschichte bestätigt diese Gegenwartsdiagnose: Migrationskontrolle ist das Feld, auf dem sich der moderne Staat überhaupt erst entwickelte. Bemühungen, die räumliche, soziale und kulturelle Herkunft und damit auch die angenommene ökonomische Leistungsfähigkeit eigener Bevölkerungen zu bestimmen, werden als staatliche Kernaufgabe begriffen und führen zur Etablierung und Exekutierung von (Zu)Wanderungsverboten.
Der Vortrag von Dr. Michael Schubert, Universität Paderborn verdeutlicht diese Zusammenhänge insbesondere anhand der Geschichte ‚illegaler Migration‘ in den deutschen Staaten des 19. Jahrhunderts. Der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn führt diese Veranstaltung gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Universität Paderborn durch.
INFO
Veranstaltungsdaten:
Vortrag
Datum: 1. Dezember 2015, 19.30 Uhr
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn
Theologische Fakultät, Kamp 6, Hörsaal 2
33098 Paderborn
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