[WestG] [AKT] Newsletter Villa ten Hompel 5/2015
Pawlitta, Pascal
Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mi Mai 20 09:28:35 CEST 2015
Von: "Villa ten Hompel" <noreplyvth at stadt-muenster.de>
Datum: 19.05.2015, 16:20
AKTUELL
Newsletter Villa ten Hompel 5/2015
Ausblick
Der Jude mit dem Hakenkreuz, Donnerstag, 21.5., 19 Uhr
Lorenz S. Beckhardt, Lesung und Diskussion
Die Geschichte einer ungewöhnlichen deutsch-jüdischen Familie - von aufstrebenden Kaufleuten im 19. Jahrhundert über den Großvater Fritz Beckhardt, den glühenden Patrioten und mutigen Piloten im Ersten Weltkrieg, bis zur Generation, die nach 1945 einen Neuanfang im Land der Täter wagt.
Lorenz S. Beckhardt, in einem katholischen Internat erzogen, erfährt erst als Achtzehnjähriger, dass er Jude ist. Allmählich erhellen sich ihm das Leben seiner Vorfahren, ihr Streben nach Anerkennung als vollwertige Bürger und nach wirtschaftlichem Aufstieg. Nach 1933 wurde er wegen Rassenschande inhaftiert, kam aber mit Hilfe seines ehemaligen Geschwaderkameraden Hermann Göring aus Buchenwald frei und konnte mit seiner Frau emigrieren. Sohn Kurt und Tochter Hilde gelangten mit Kindertransporten nach England. Andere Verwandte wurden deportiert und ermordet. Nach dem Krieg pochte er auf die Einlösung des Versprechens, das er dem Schwiegervater beim Abschied gegeben hatte: "Papa, Hitler wird den Krieg verlieren. . wir kommen zurück; auch nach diesen ,tausend Jahren' wird es noch Juden am Rhein geben."
Bewegend schildert Lorenz Beckhardt die Schicksale seiner Verwandten und die eigene Selbstfindung, die Folgen von Schweigen, Verdrängen, den schweren Neubeginn in der alten Heimat, die alltäglichen Demütigungen durch Nachbarn und den zermürbenden Streit um die Rückerstattung des Eigentums.
In Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V.
Eintritt frei
Das Warschauer Getto, Mittwochsgespräch 27. 5., 19 Uhr
Dr. Markus Roth, Alltag und Widerstand im Angesicht der Vernichtung
Der Vortrag schildert die Geschichte des Gettos und seiner Menschen. Viele von ihnen kämpften einen heroischen Kampf gegen Hunger und Krankheiten, für die Bildung ihrer Kinder, für ihr kulturelles Leben und um ihre körperliche und geistige Selbstbehauptung. Ihre Bemühungen, sich ein Leben zu organisieren, in dem es Kultur und Musik, Hilfe für andere, Liebe und Freundschaft gab, stehen im Mittelpunkt dieses Buches.
Dr. Markus Roth ist stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
In Kooperation mit dem Evangelischen Forum Münster und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V.
Eintritt frei
Öffentliche Führungen, Donnerstag 28.5., 18 Uhr und Sonntag 7.6. um 15 Uhr
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an der neuen Dauerausstellung "Geschichte-Gewalt-Gewissen" mitgearbeitet haben, führen durch die Ausstellung, Dauer ca. 1 Stunde.
Eintriff frei
Der Mythos von der sauberen Verwaltung, Mittwochsgespräch 10.6., 19 Uhr
Dr. Hans-Christian Jasch, Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik
Der Staatssekretär im Reichsministerium des Innern Wilhelm Stuckart (1902-1953) war einer der wichtigsten juristischen Interpreten und Legitimatoren des NS-Staates. Als Mit-Autor der "Nürnberger Rassegesetze" goss er dessen biologistische Grundlagen in Gesetze und begleitete später die Vorbereitungen zum Genozid. Im Frühjahr 1942 vertrat er auf der "Endlösungskonferenz" am Wannsee sein Ressort. Nach dem Krieg gehörte Stuckart zu den Schöpfern der Legende von der "sauberen Verwaltung", die sich den rassistischen Ansprüchen der NS-Machthaber widersetzt habe.
Die biografische Auseinandersetzung mit Stuckart belegt nicht nur die prägende Funktion von führenden Juristen in der NS-Verwaltung, sie untersucht auch die Rolle der Innenverwaltung und ihre Mitwirkung am Genozid.
Dr. Hans-Christian Jasch ist Direktor der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Berlin.
In Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V.
"Bei ten Hompels unterm Sofa" Sonntag, 14.6., 15 Uhr
"Bei ten Hompels unterm Sofa" - Nicht-akademische szenische Führung durch die Villa
Die Schauspielerin Agnieszka Barczyk, der Schauspieler Carsten Bender und der freiberufliche Historiker Daniel Gollmann haben einen Kessel Buntes aus dem Berufs- und Familienleben Rudolf ten Hompels zusammengestellt
Einlass ab 14.30 Uhr
Der Eintritt beträgt 10 Euro pro Person
Reservierungen unter: tenhomp at stadt-muenster.de oder Tel. 0251/492-7101
Rückblick
Internationales Studienprogram in Amersfoort NL
Villa und das nationale Gedenken in den Niederlanden
Auf Einladung des niederländischen nationalen Komitees "4. und 5. Mei" haben sich professionelle Historiker und Pädagogen zum Auftakt eines internationalen Studienprogramms in Amersfoort Anfang Mai getroffen. Das gesamte Programm besteht aus zwei Teilen: der erste Teil fand zwischen dem 2. -5. Mai in den Niederlanden statt. Dazu gehörte neben Besuchen in aktuellen Museen und Gedenkstätten auch die Teilnahme an der nationalen Gedenkfeier in Anwesenheit der niederländische Regierung und des Königs Wilhelm Alexander. Dies war die erste Teilnahme einer deutschen Gruppe an der Gedenkveranstaltung in der Nieuwe Kerk in Amsterdam. Nach Eröffnung der neuen Dauerausstellung "Geschichte Gewalt Gewissen" wurde auch der Leiter des Geschichtsort Villa ten Hompel Christoph Spieker zur Teilnahme eingeladen. An vier Tagen konnten die Teilnehmer aus Deutschland und den Niederlanden diskutieren, wie eine Geschichtsvermittlung ohne Zeitzeugen, das Verhältnis zu authentischen Orten der Erinnerung und die Präsentation der Sammlungen in beiden Ländern gestaltet werden sollen. In einem Wissens- und Erfahrungsaustausch wird dabei nach grenzüberschreitenden Parallelen gesucht , die eine zukünftige Zusammenarbeit vereinfachen und eine gemeinsame Ausstellung in 2016 ermöglichen soll.
Der zweite Teil des Studienprogramms wird vom 13.-17. November in Deutschland veranstaltet. In diesem Rahmen besuchen dann die Teilnehmer die Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Bundestag bei der Bundespräsident Gauck sprechen wird.
"Rassismus - Da fehlt noch was im Konzept"
Regionalkonferenz zur Entwicklung eines Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus und Rassismus
Knapp 140 Engagierte diskutierten am Dienstag, 12. Mai 2015, im Jugend Gästehaus am Aasee in Münster, welche konkreten Maßnahmen in der Region gegen Rechtsextremismus und Rassismus gefasst werden sollten. Eingeladen hatte die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (mobim) aus Münster in Kooperation mit dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW.
Auf der Grundlage eines Eckpunktepapiers der Landesregierung diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unterschiedlichen Kleingruppen zu konkreten Handlungsfeldern wie "Sport", "Kinder- und Jugendhilfe", "Politische Bildung" und "Schule", aber auch "Polizei und Verfassungsschutz", "Integration" oder "Emanzipation". Schon bei der Podiumsdiskussion zu Beginn der Veranstaltung wurde allerdings klar: es ist nicht einfach, alle Belange "unter einen Hut" zu bekommen - die Diskussion über gewohnte Grenzen hinweg und auf Augenhöhe zwischen Mitgliedern von Bündnissen gegen Rechts, engagierten Antifaschisten, Behördenvertreterinnen, Politikern, Lehrerinnen und vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen sahen die Teilnehmenden als Schritt in die richtige Richtung.
Heiko Klare von der Mobilen Beratung machte zum Schluss der Veranstaltung deutlich: "Wir werden immer meckern und unzufrieden sein, weil es immer noch etwas zu tun gibt - Stillstand und Zufriedenheit kann es in diesem wichtigen gesellschaftlichen Feld nicht geben."
INFO
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
URL: http://www.muenster.de/stadt/villa-ten-hompel
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