[WestG] [AKT] Eine akustische Industriegeschichte Europas - Abschlusstagung "Work with Sounds" im LWL-Industriemuseum
Pattberg, Julia
Julia.Pattberg at lwl.org
Fr Aug 21 10:10:16 CEST 2015
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 20.08.2015, 14:08
AKTUELL
Eine akustische Industriegeschichte Europas - Abschlusstagung "Work with Sounds" im LWL-Industriemuseum
Das Rattern eines Webstuhls, das Klappern einer alten Registrierkasse, das Signal des Anschlägers auf der Zeche - viele Geräusche, die früher in Fabriken, Bergwerken und Büros zu hören waren, sind aus der Arbeitswelt verschwunden oder drohen verloren zu gehen. Im Rahmen des EU-Projektes "Work with Sounds" sammelt das Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) seit zwei Jahren gemeinsam mit fünf weiteren europäischen Museen Klänge der Arbeit. Aktuell zählt die für jedermann zugängliche Datenbank unter http://www.workwithsounds.eu über 600 Aufnahmen - von der Kaffeemaschine bis zum Kran im Containerhafen, vom Schmiedehammer bis zur Straßenbahn.
"Genauso wie Gebäude oder Maschinen gehören Klänge zum kulturellen Erbe des Industriezeitalters. Als Landschaftsverband stellen wir uns seit vielen Jahren der Aufgabe, dieses Erbe zu bewahren, zugänglich zu machen und mit Leben zu füllen. Mit dem EU-Projekt können wir unsere Sammlung um eine neue Dimension erweitern. Gleichzeitig macht es uns stolz, auf diese Weise einen Beitrag zum Aufbau einer akustischen Industriegeschichte Europas zu leisten", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Donnerstag (20.8.) bei der Abschlusstagung "Work with Sounds. Theory - Practices - Networks" im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. 75 Teilnehmer aus ganz Europa - von Paris bis Petersburg, von Tampere bis Lubljana - diskutieren in Dortmund zwei Tage lang über Erfahrungen und Perspektiven der Erhaltung, Erforschung und Nutzung von Klängen.
Die Idee des Projektes wurde in Schweden geboren. "Wir dokumentieren in unserem Projekt sowohl die typischen 'sounds' der jeweiligen regionalen Arbeitswelten als auch die Gemeinsamkeiten der europäischen Industriegeschichte. Deshalb stellen wir zum Abschluss des Projekts alle gesammelten Klänge auch auf der virtuellen Bibliothek Europeana ein", so Torsten Nilsson, Initiator und Projektleiter vom Arbetetsmuseum Schweden. Entstanden ist das Projekt in "Worklab", der internationalen Vereinigung von Arbeiter- und Sozialgeschichtsmuseen, bei der auch das LWL-Industriemuseum Mitglied ist.
Zwei Dinge unterscheiden die Datenbank "Work with Sounds" von anderen Tonsammlungen: die systematische, sorgfältige Dokumentation in Film, Ton und Wort sowie das Bemühen, aus der Geräusche-Sammlung neue Vermittlungsformate für die Museen zu entwickeln. "Mit unserem Geräusche-Quiz und dem Angebot, unter Anleitung eines Komponisten eigene Kollagen aus den Klängen der Arbeit herzustellen, haben wir bei den letzten Museumstagen schon gute Erfahrungen gemacht", erklärt Dr. Dagmar Kift, Projektleiterin im LWL-Industriemuseum. In Kooperation mit einer Grundschule wurde inzwischen auch eine App entwickelt, mit der Schulklassen die Zeche Zollern über ihre Geräusche erkunden können. Die Testphase läuft.
Auch zeitgenössische Komponisten hat "Work with Sounds" bereits inspiriert. So schrieb Alix Tucou aus Frankreich im Februar, dass sie die Projekt-Webseite zu einem Musikprojekt über die Rolle der Menschlichkeit in der Industrie des 20. Jahrhunderts angeregt habe, die mit fortschreitender Digitalisierung zu verschwinden drohe.
Auch solche Nutzungen möchte das Projekt anstoßen. Übers Internet stehen die Klänge Schulen, Museen, Bildungseinrichtungen, Kunst- und Medienprojekten frei zur Verfügung. "Techno-Produzenten können sie in ihre Tracks einbauen, Soundtüftler eigene Klangcollagen basteln, Bildungseinrichtungen können die Klänge als Lehrmaterial verwenden", erklärt Konrad Gutkowski, wissenschaftlicher Volontär des Projektes, der in den vergangenen zwei Jahren selbst über 100 Töne gesammelt und dokumentiert hat.
Die mit Abstand meisten Klicks auf der Webseite des Projekts hat übrigens die Aufnahme eines Zahnarztbohrers aus Belgien. Manche Nutzer haben auch ganz handfeste Interessen: "Wir hatten im Dezember eine Anfrage aus Mumbay, ob wir Kettenbiegemaschinen verkaufen würden. Das tun wir natürlich nicht. Aber zumindest zeigt es, dass unsere Internetseiten mittlerweile weltweit rezipiert werden", meint Dagmar Kift.
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