[WestG] [LIT] Die Wiederentdeckung des Scopingaus als Kulturraum
Pawlitta, Pascal
Pascal.Pawlitta at lwl.org
Do Apr 2 09:16:49 CEST 2015
Von: "Jürgen Schmitter" <schmitter.juergen at googlemail.com>
Datum: 01.04.2015, 12:19
LITERATUR
Die Wiederentdeckung des Scopingaus als Kulturraum
Im dialogverlag Münster ist in der ersten Märzwoche eine Vortragssammlung zur kritischen Regional- und Kirchengeschichte im Münsterland erschienen Endlich ist es soweit: der lang erwartete Sammelband "Beiträge zur Kirchengeschichte des Scopingaus" ist Anfang März dieses Jahres im Münsteraner Dialog-Verlag, der auch die katholische Bistumszeitung "Kirche und Leben" verlegt, erschienen und kann in jeder Buchhandlung und beim Verlag bestellt und gekauft werden (Preis: 14,80 EUR, www.kampanile.de).
Der Name "scopingus", der im Jahre 838 zum ersten Mal in der Urkunde Kaiser Ludwig des Frommen, Sohn Karls des Großen, erwähnt wird, bezeichnet keine fest umgrenzte Grafschaft oder "politischen Bezirk", wie Sebastian Kreyenschulte (im Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 2015) mit Recht betont, sondern ein Siedlungsgebiet, in das sächsische Stämme zu damaliger Zeit eingewandert waren. In dieser Urkunde von 838 wurden u.a. die Kirchen zu Wettringen und Stochheim, dem späteren Schöppingen, dem Kloster Herford geschenkt (Schöppingen: abgeleitet aus dem lat. pagus,"qui dicitur Scopingus"). Weitere Ortschaften wurden im Urbar des Klosters Werden (bei Essen, Grab des hl. Liudger) als "in Scopingum" gelegen erwähnt.
Im Jahr 2006 bildete sich der Arbeitskreis "Kulturraum Scopingau" und bereitete (von 2009 bis 2014) jährliche Vortragsabende in den Städten und Gemeinden Schöppingen, Wettringen, Horstmar und Metelen vor, die jetzt veröffentlicht werden; herausgegeben von Dr. Thomas Flammer, Leiter des Instituts für die Geschichte des Bistums Münster (an der Universität Münster) und Dr. Jürgen Schmitter, der als ehemaliger Berufsschullehrer das Archiv für Heimat- und Regionalgeschichte des Heimatvereins Metelen betreut.
Zum festen Kreis dieser Arbeitsgemeinschaft gehörten und gehören weiterhin der ehemalige Pfarrer Wolfgang Böcker aus Schöppingen, Bernd Dircksen und der
verstorbene ehemalige Bürgermeister Rolf Cyprian aus Wettringen, Prof. Dr. Anton Janßen, Vorsitzender des Heimatvereins Horstmar und Dr. Ulrich Klisa aus Metelen.
Ziel dieses Arbeitskreises ist, einerseits das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für diesen Kulturraum, in dem sie leben, zu schärfen, andererseits noch nicht oder
nicht ausreichend geklärte geschichtliche und soziale Zusammenhänge aufzuklären.
Die veröffentlichten Beiträge und Vorträge stellen eine Mischung von allgemeinverständlichen Überblicken aus der Regionalgeschichte und neu bewerteten Forschungsergebnissen, die vor allem Historiker und Heimatkundler interessieren, dar:
So berichten Bernhard Laukötter aus Asbeck und Joachim Fontaine aus Metelen anschaulich über die Geschichte der Frauen-Klöster und-Stifte, während Dr. Claudia
Moddelmog von der Universität des Schweizer Kantons Zürich eine Neubewertung der Stiftungsurkunden des Klosters Metelen (aus den Jahren 889 und 991) vornimmt: "Metelen ohne Billunger". Prof. Anton Janßen aus Horstmar informiert über die einstige Landesburg der münsterschen Fürstbischöfe und Bernd Dircksen über Franco von Wettringen, den Stifter des Augustinerinnenklosters in Langenhorst. Adrian Hartke gibt auf Grund neuester Forschungsergebnisse einen Abriss der Christianisierung des westlichen Münsterlandes im 8. Jahrhundert (also vor der Missionstätigkeit Liudgers im Münsterland). Dr. Ralf Klötzer aus Münster referiert über die "Täufer im Westmünsterland 1534 - 1548" (aufgrund intensiven Quellenstudiums) und Dr. Flammer fasst die kirchliche Entwicklung im Bistum Münster nach 1945 zusammen.
Diese Aufsatzsammlung kann dazu beitragen, den "unterbelichteten" Teil des Münsterlandes (Orginalton Dr. Schmitter) aufzuhellen. In diesem Sinn wird der Arbeitskreis Kulturraum Scopingau weiter arbeiten. Er bedankt sich für und hofft auf die weitere finanzielle Unterstützung durch das Institut für die Geschichte des Bistums, durch die lokale Arbeitsgemeinschaft Steinfurter Land von LEADER, durch die regionale Volksbank und die beteiligten politischen Gemeinden und Heimatvereine, Daher wird dieses Buch durch Grußworte des Regionalbischofs Dr. Christoph Hegge und des Bürgermeisters Robert Wenking aus Horstmar, Vorsitzender der LEADER-Region Steinfurter Land, eingeleitet.
Am 16. März 2015 wird Pfarrer Dr. Albrecht Philipps um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in Ochtrup diese Arbeit mit seinem Vortrag fortsetzen: "Seelsorge an kirchlich verwahrlosten Holländern. Evangelische Gemeindegründungen im 19. Jahrhundert im ehemaligen Fürstbistum Münster".
INFO
Buchhinweis:
Thomas Flammer - Jürgen Schmitter (Hrsg.):
Beiträge zur Kirchengeschichte des Scopingaus,
Münster 2014 (dialogverlag)
ISBN 973-3-941462-97-7
Dr. Jürgen Schmitter M.A.
D-48629 Metelen
E-Mail: schmitter.juergen at googlemail.com
Dr. Thomas Flammer
D-48143 Münster/Westf.
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Katholisch-Theologische Fakultät
Institut für die Geschichte des Bistums Münster
am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte
E-Mail: Thomas.Flammer at gmx.net
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