[WestG] [AKT] Tag des offenen Denkmals auf der Kokerei Hansa, Dortmund, 08.09.13
Weidner, Marcus
Marcus.Weidner at lwl.org
Fr Sep 6 10:29:50 CEST 2013
Von: "geschichtskultur at hclist.de" <geschichtskultur at hclist.de>
Datum: 06.09.2013, 07:17
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "Geschichtskultur Ruhr"
AKTUELL
Tag des offenen Denkmals auf der Kokerei Hansa, 08.09.13
Die Kokerei Hansa - was heißt hier "unbequem"?
Unter dem diesjährigen Motto des Tags des offenen Denkmals "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" öffnet die Kokerei Hansa am kommenden Sonntag, 8. September, von 10 bis 18 Uhr ihre Pforten und bietet kostenlose Führungen an. Um 12 Uhr wird die Ausstellung "Alles im Fluss. Projektergebnisse der Gustav-Heinemann-Gesamtschule" eröffnet.
Lange Zeit war die Kokerei Hansa ein eher "unbequemer" Ort der Arbeit. Hier war es dreckig und laut, rund um die Uhr wurde "malocht" und wohl niemand hätte zu Betriebszeiten gedacht, dass solch ein Industriekomplex einmal als Denkmal erhalten wird. Und dennoch schlugen Mitarbeiter des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege noch vor der Schließung vor, die Kokerei Hansa als Baudenkmal unter Schutz zu stellen.
Aus dem "unbequemen" Arbeitsort wurde zunächst ein "unbequemes" Denkmal. Lange Zeit gab es Forderungen nach einem Abriss, für viele war es nicht verständlich, warum man diesen Ort, der seine Funktion verloren hatte, erhalten sollte, zumal es sich bei einem Industriedenkmal wie der Kokerei Hansa ja auch nicht um ein im klassischen Sinne schönes Denkmal handelt.
Muss aber ein Denkmal immer "schön" sein, damit es erhaltenswert ist? Ist es nicht vielmehr die Geschichte, die es inne trägt und die mit einem Erhalt bewahrt wird. Im Falle der Kokerei Hansa handelt es sich zum Beispiel um die letzte erhaltene Zentralkokerei der 1920er Jahre im Ruhrgebiet, die anschauliche Einblicke in das Kokereiwesen und die Verbundwirtschaft der Dortmunder Montanindustrie bietet. Am "authentischen" Ort können Besucher noch heute diese Zusammenhänge nachvollziehen, sie erhalten einen Einblick in die Geschichte einer Region, die über 150 Jahre vom Bergbau geprägt war.
Ist nun ein Zeugnis dieser Geschichte "unbequem", weil es in die Jahre gekommen und der Anblick nicht "schön" ist? Oder anders gefragt: wird die Geschichte "bequemer", wenn man ihre Zeugnisse entfernt? Glücklicherweise ist dies bei der Kokerei Hansa nicht geschehen und das Industriedenkmal ist mittlerweile so etabliert, dass jährlich zehntausende Besucher hierher kommen, um von der Geschichte der Kokerei und der Vergangenheit des Ruhrgebiets zu erfahren. Unter dem Konzept "Natur und Technik" können sie erkunden, wie sich seit der Stilllegung Architektur, Natur und Technik zu einem beeindruckenden Zusammenspiel verbinden. Über die anschauliche Vermittlung des Denkmals sowie Projekte im Bereich von Kunst und Kultur gibt es darüber hinaus immer wieder Ansatzpunkte, um sich auch mit der Gegenwart und Zukunft auseinander zu setzen.
Von all dem können sich die Besucher am Tag des offenen Denkmals ein eigenes Bild machen und der Frage nachgehen, welchen Wert ein vermeintlich "unbequemes" Denkmal in sich trägt.
Ein Highlight am Sonntag ist natürlich die bereits zur Tradition gewordene Eröffnung der Ausstellung von Schülerinnen und Schülern der Gustav-Heinemann Gesamtschule, die unter dem Titel "Alles im Fluss. Eine Annäherung an die Emscher und ihr Umfeld" ihre Projektergebnisse aus dem Kunstunterricht präsentieren.
Das Programm im Überblick:
11.00, 12.00, 14.00 und 16.00 Uhr
Industriehistorische Führung "Rostige Rohre, dunkle Kohlebunker und riesige Maschinen - ein Industriedenkmal hautnah"
13.00 und 15.00 Uhr
Familienführung "Kokereigeschichte(n) erleben"
12.00 bis 17.00 Uhr
Ausstellung "Alles im Fluss. Eine Annäherung an die Emscher und ihr Umfeld", Projektergebnisse aus dem Kunstunterricht von Schülerinnen und Schülern der Gustav-Heinemann-Gesamtschule Eröffnung mit Musik um 12 Uhr
12.00 bis 16.00 Uhr
Schnupperführungen "Industrienatur an der Kokerei Hansa" (RVR Ruhr Grün)
11.00 bis 17.00 Uhr
Präsentation Kurzfilm "Weltweit einzigartig. Zollverein und die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet"
Veranstaltungsort:
Kokerei Hansa
Emscherallee 11, 44369 Dortmund-Huckarde.
0231/ 93 11 22-33
www.industriedenkmal-stiftung.de
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