[WestG] [AKT] Denkmal des Monats Juli: Historisches Turmdach an einem "Dortmunder Maerchenschloss"
Pascal Pawlitta
Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mo Jul 1 08:20:14 CEST 2013
Von: "Anke Widow" <AWidow at stadtdo.de>
Datum: 28.06.2013, 11:56
AKTUELL
Denkmal des Monats Juli: Historisches Turmdach an einem "Dortmunder Märchenschloss"
Im Mai 2013 wurden in der Gartenstadt Dachdeckerarbeiten an einem denkmalgeschützten Mehrfamilienhaus ausgeführt, die in Dortmund zweifelsfrei nur selten an Handwerker zu vergeben sind. Die Wiederherstellung des historischen Turmdaches im Uhlmann-Bixterheide-Weg ist vorbildlich geglückt und Anlass für die Denkmalbehörde, das Baudenkmal mit den Hausnummern 2/4 als Denkmal des Monats Juli 2013 vorzustellen.
Ausnahme in der Gartenstadt
Das Türmchen erhebt sich malerisch aus üppigem Grün an der Ecke Uhlmann-Bixterheide-Weg und Thierschweg und gibt dieser Straßenecke einen besonderen Charakter. So hat man sich als Kind vielleicht die Schlösser in den Märchenbüchern vorgestellt. Natürlich ist es kein Schloss, auch wenn blühende Rosen und wilder Wein die Hauseingänge rahmen.
Wir befinden uns schließlich in der Gartenstadt. Und die 1910 gegründete gemeinnützige Genossenschaft "Gartenstadt" hatte zum Ziel, Eigenheime für ihre Mitglieder aus dem Mittelstand zu günstigen Preisen zu bauen. Schaut man sich das Haus genauer an, sieht man, dass es zwar kein Schlösschen ist, aber im Grunde auch nicht so recht in die Gartenstadt passen will.
Ein Blick in die Geschichte erhellt diese architektonische "Ausnahme". Die ursprüngliche Siedlung hatte man 1910 etwas weiter westlich um den Freiligrathplatz angelegt. Erst ab 1922 wurde in östlicher Richtung erweitert und in diesem Zusammenhang der Uhlmann-Bixterheide-Weg im Fluchtlinienplan festgelegt. Bebaut wurden die Grundstücke aber erst in den 1930 Jahren, wobei Nr. 2/4 eines der letzten war.
Süddeutsches Flair
Als 1938 mit dem Bau des Hauses begonnen wurde, waren die Prinzipien der Genossenschaft längst aufgeweicht. Deshalb war es nun möglich, an dieser Stelle ein Doppel-Wohnhaus mit insgesamt vier Etagenwohnungen zu errichten. Mit drei Zimmern, Küche, Diele, Bad waren die Wohnungen kleiner als in den älteren Häusern der Gartenstadt. Auch das historisierende Aussehen unterscheidet sich deutlich von den anderen Gebäuden. Zwar gab es in der Gartenstadt nie avantgardistische Häuser, etwa im Sinne des Bauhauses. Das Haus Uhlmann-Bixterheide-Weg 2/4 erinnert aber in seiner Gestalt mit Türmchen und barocker Schmuckrahmung der Türen eher an historische Vorbilder aus Süddeutschland. Dazu trägt auch der bis dahin im Ruhrgebiet kaum verwendete Münchener Wurmputz bei, ein Putz, der mit Vertiefungen "Wurmgänge" nachahmt und der in unseren Breiten erst spät nach dem Krieg in Mode kam.
Altdeutsche Schieferdeckung
Aber zurück zum Türmchen: 75 Jahre nach dem Bau war das schiefergedeckte Kegeldach schadhaft geworden. Einige Stellen hatte man schon mit Bleiblechen geflickt. Nun wurde das Dach von einer Fachfirma aus dem Sauerland in Absprache mit der Denkmalbehörde der Stadt Dortmund sachkundig erneuert.
Wie Fischschuppen liegen die Platten wieder in der altdeutschen Schieferdeckung aufeinander. Ein gegenläufiges Schieferband belebt die Dachfläche und markiert die Stelle, an der der leicht geneigte Turmfuß in den steileren Kegel übergeht. Damit wieder alles für die nächsten 75 Jahre hält, wechselte man auch die Holzschalung aus, auf der die Schieferplatten aufliegen. So wird das Türmchen auch die nächsten Jahrzehnte aus üppigem Grün ragen und vielleicht den einen oder anderen an ein Märchenschloss aus Kindertagen erinnern.
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