[WestG] [AUS] Ausstellung, Arbeitsmigration im Kreis Guetersloh (1955-1973), Guetersloh, ab 21.04.2013

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Fr Apr 19 10:04:53 CEST 2013


Von: "Focken, Jan" <Jan.Focken at gt-net.de>
Datum: 18.04.2013, 18:47


AUSSTELLUNG

"Ein Koffer voll Hoffnung - Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh (1955-1973)"

Gütersloh. "Ein Koffer voll Hoffnung - Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh 1955-1973" lautet der Titel einer Ausstellung, die am Sonntag, 21. April, um 11.30 Uhr im Stadtmuseum Gütersloh eröffnet wird. Sie ergänzt die aktuelle Integrationsdebatte um eine historische Perspektive: Gezeigt werden nicht nur die allgemeine Geschichte der Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh von 1955 bis 1973, sondern vor allem auch die persönlichen Lebenswege der ehemaligen Gastarbeiter, ihre Lebens-Geschichten stehen im Zentrum: Mit welchen Erwartungen kamen sie nach Deutschland, welche Erfahrungen machten sie hier, wie kam es, dass sie hier dauerhaft ansässig wurden? Die Ausstellung spürt diesen und vielen weiteren Fragen nach. Die Lebensläufe von Roman Doblado (Rietberg), Gino Badagliacca (Gütersloh), Ali Özergin (Gütersloh), Diogenes Papaeconomou (Gütersloh), Attila Kence (Rheda-Wiedenbrück), Carlos Andrade (Borgholzhausen), Karl Vogla (Gütersloh) und Jean Makebonopoulos (Griechenland) lassen den Teil des deutschen Wirtschaftswunders lebendig werden, der bisher in der öffentlichen Wahrnehmung nur wenig Beachtung fand.

Der Kreis Gütersloh hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Region entwickelt, die in vielen Bereichen von Zuwanderern mitgeprägt wurde. Über 30.000 Menschen mit ausländischem Pass leben heute im Kreis Gütersloh. Viele von ihnen sind in den 1950er und 1960er Jahren als Arbeitsmigranten hierhergekommen. Die Anwerbeverträge, die die Bundesrepublik Deutschland ab 1955 mit Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal, Tunesien, Marokko sowie Jugoslawien unterzeichnet hat, boten den rechtlichen Rahmen für diese Zuwanderung.

Die zeitgenössische Bezeichnung der Arbeitsmigranten als Gastarbeiter zeigt, dass zunächst nur von einem vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland ausgegangen wurde. Doch viele Arbeitsmigranten entschieden sich, in Deutschland zu bleiben. Sie bauten Eigenheime, holten ihre Familien nach oder gründeten sie hier. Aus dem Vorübergehend war ein Dauerhaft, aus Gastarbeitern Einwanderer und aus Deutschland fast unmerklich ein Einwanderungsland geworden. Die Geschichte der Arbeitsmigration ist im Kreis Gütersloh bisher nur ungenügend dokumentiert. Die Ausstellung möchte hier Abhilfe zu schaffen und die für die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung der Region so wichtige Phase aus einer historischen Perspektive näher beleuchten. 

Die Ausstellung wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Archive im Kreis Gütersloh in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Gütersloh erarbeitet. Sie ist vom 21. April bis zum 16. Juni im Stadtmuseum Gütersloh zu sehen. Anschließend wird sie in verschiedenen Städten und Gemeinden des Kreises gezeigt, unter anderem in Rietberg, Harsewinkel, Steinhagen und Werther. Dort werden die Lebens-Geschichten durch neue, solche aus den jeweiligen Kommunen, ergänzt. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Kunstausstellungen und Theateraufführungen soll weitere Aspekte zur Geschichte der (Arbeits-)Migration aufgreifen und vertiefen.

Anlass für die Idee einer Ausstellung zur Geschichte der Arbeitsmigration im Kreis Gütersloh war eine vom Arbeitskreis ostwestfälisch-lippischer Archive erarbeitete Wanderausstellung mit dem Titel "Heimat für Fremde?" über Migration und Integration in Ostwestfalen-Lippe vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Sie wird ebenfalls vom 21. April bis zum 16. Juni im Stadtmuseum Gütersloh gezeigt.



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