[WestG] [LIT] LWL-Langzeitprojekt "Westfaelischer Flurnamenatlas" abgeschlossen

Pascal Pawlitta Pascal.Pawlitta at lwl.org
Mi Apr 17 09:25:59 CEST 2013


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.04.2013, 13:00
 
 
LITERATUR
 
LWL-Langzeitprojekt "Westfälischer Flurnamenatlas" abgeschlossen
 
Eines haben die Städte Horstmar und Hagen, die Straßen Verspohl in Münster und der Poggenbrink in Bielefeld sowie die Familien Sodmann und Heisterkamp gemeinsam - in ihren Namen stecken Flurnamen.  Gerade in den westfälischen Orts-, Straßen- und Familiennamen begegnen sie einem auf Schritt und Tritt. Unter "Flurnamen" versteht man die Namen der unbewohnten Teile der Landschaft wie Wiesen, Äcker, Waldstücke, Weiden, Hügel oder Wege, die in der heutigen Sprache meist gar nicht mehr gebräuchlich sind. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat jetzt die fünfte Lieferung des "Westfälischen Flurnamenatlasses" herausgegeben, damit hat die Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL ihr Projekt zu den Flurnamen abgeschlossen.
 
414 Karten zur Verbreitung dieser Namen enthält der "Westfälische Flurnamenatlas". "In den ausführlichen Kommentaren zu den Karten erklären wir auch, welchen Ursprung und welche Bedeutung die einzelnen Namen haben", so Autor Dr. Gunter Müller von der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. Die mit Akribie erarbeiteten Karten und Kommentare bilden Grundlagen für die weitere Forschung. 
 
"Der Westfälische Flurnamenatlas ist ein innovatives Forschungsinstrument, das Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen als wahre Fundgrube für ihre landeskundlichen Forschungen dient", betonte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale bei der Vorstellung des Flurnamenatlasses am Dienstag (16.04.) in Münster.
 
Die fünfte Lieferung des Flurnamenatlasses behandelt das Thema "Orientierung im Raum": Wo wird die Landschaft mit einem vorder-hinter-System gegliedert, wo mit unter-ober-Flurnamen, wo sind dagegen die Himmelsrichtungen verwendet worden? Der ehemalige Waldreichtum Westfalens wird in der Behandlung der vielfältigen Flurnamen aus dem Themenfeld "Wald, Gesträuch, Bäume" deutlich: Häufig auftretende Wörter sind hier Loh, Wald, Hagen, Horst, Telge, Heister, Hucht und Lohde.
 
Bei ihrer Arbeit am Flurnamenatlas haben sich die Mundart- und Namenforscher in erster Linie auf rund 180 Jahre alte Daten des Preußischen Grundsteuerkatasters verlassen. "Denn dieses Urkataster zeichnet noch ein Bild der westfälischen Landschaft mit ihren ursprünglichen Namen. Danach haben landwirtschaftliche Veränderungen, die Industrialisierung und die Ausweitung der Städte große Teile der Landschaft und damit auch ihres Namenschatzes völlig verändert", erklärt Prof. Dr. Jürgen Macha, Vorsitzender der LWL-Kommission.
 
Der erste Teil des "Westfälischen Flurnamenatlasses" erschien im Jahr 2000. Der systematische Ausbau des Westfälischen Flurnamenarchivs und die Aufbereitung einer Flurnamendatenbank gehen allerdings auf das Ende der 1970er Jahre zurück. Dass der Atlas nun abgeschlossen vorliegt, ist dem Engagement des Bearbeiters Dr. Gunter Müller zu verdanken: Er hat auch nach seiner Pensionierung im November 2004 seine Arbeit am Atlas fortgeführt.
 
 
INFO
 
Westfälischer Flurnamenatlas
Im Auftrag der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens 
bearbeitet von Gunter Müller.
Lieferungen 1-5. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2000-2012.
ISBN 978-3-89534-350-6. Paperback 42 x 30 cm.
788 Seiten. 414 zweifarbige Karten. 245 Euro


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