[WestG] [AUS] Albert Renger-Patzsch - Industriefotografien fuer Schott, 11.11.2012-02.06.2013

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Nov 9 10:56:31 CET 2012


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.11.2012, 12:30


AUSSTELLUNG

Albert Renger-Patzsch - Industriefotografien für Schott
Ausstellung im LWL-Industriemuseum erinnert an Wittener Wurzeln 
des Weltkonzerns

Schott - dieser Name ist weltbekannt. Er steht für hochwertiges 
Spezialglas aus Deutschland. Die wenigsten wissen allerdings, 
dass der Gründer des heutigen Weltkonzerns aus Witten kommt. 
Otto Schott wurde 1851 in der Ruhrstadt geboren. Eine 
Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall erinnert 
jetzt an den Erfinder und Unternehmer. Im Mittelpunkt der Schau,
 die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Sonntag 
(11.11.) in Witten eröffnet, stehen Industriefotografien von 
Albert Renger-Patzsch (1897-1966). Er gilt als einer der 
bedeutendsten deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Für 
die Schott-Glaswerke hat er in den 1930er und 1950er Jahren 
eindrucksvolle Werbefotografien angefertigt.

"Wir sind sehr froh, diese hochkarätigen Fotografien nach der 
Präsentation in unserer Glashütte Gernheim jetzt auch in der 
Heimatstadt des Firmengründers Schott zeigen zu können. Sie 
geben Auskunft über das Zusammenwirken von Industrie, Kunst und 
Handwerk und gelten als herausragendes Zeugnis der 
Industriekultur", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara 
Rüschoff-Thale am Donnerstag (8.11.) in Witten.

Das LWL-Industriemuseum präsentierte die Fotos in der Glashütte 
Gernheim in erster Linie als wertvolle Dokumente der 
Glasproduktion zur Zeit der Hochindustrialisierung. "Für die 
Zeche Nachtigall ist die Ausstellung ein guter Anlass, auch 
einen Blick auf den genialen Erfinder Otto Schott und die 
Spuren, die er in seiner Heimatstadt hinterlassen hat, zu 
werfen", erklärt Dr. Anne Kugler-Mühlhofer vom 
LWL-Industriemuseum. Ein Laborglaskoffer, Familienfotos und 
weitere Dokumente zeugen von seinem Leben und seiner Tätigkeit.

Otto Schott (1851-1935)

Otto Schott stammt aus einer Glasmacherfamilie. 1854 eröffnete 
der Walzenmacher und Vater von Otto, Simon Schott, gemeinsam 
mit seinem Schwager Karl Hahne und anderen Partnern in Witten 
die Tafelglashütte "Haarmann, Schott & Hahne". August Schott, 
ein Bruder von Simon, gründete1865 mit den Partnern Buchholz 
und Heidsieck in Annen ebenfalls eine Tafelglashütte.

"Der jüngste Spross begeisterte sich schon früh für die 
Familientradition des Glasmachens", berichtet Friedhelm Specht 
vom Arbeitskreis "Otto Schott" des Vereins für Orts- und 
Heimatkunde in der Grafschaft Mark. Der Verein ist neben der 
Schott AG und dem Kulturforum Witten Kooperationspartner der 
Schau.

Nach einem Studienaufenthalt in Frankreich stellte Schott 
seiner Familie einen neuartigen "Oberflamm-Hafen-Ofen mit 
Regenerativ-Gasheizung" vor. Das System zeichnete sich durch 
einen rationellen Kohleeinsatz aus. Zudem war es der einzige 
Ofen, mit dem später die von Schott erfundenen Glasarten für 
optische Zwecke produziert werden konnten. In den 1870er Jahren 
wurde die technische Neuerung mit großem Erfolg in den Wittener 
"Schott"-Werken eingesetzt.

Nach seinem Studium in Aachen, Würzburg und Leipzig hat sich 
Otto Schott vermutlich seit 1874 in Annen aufgehalten, um seine 
theoretischen Untersuchungsergebnisse in den Familienbetrieben 
in die Praxis umzusetzen. So hat er 1881 auf der Hütte in Annen 
das englische Monopol für Deckglas mikroskopischer Präparate 
durchbrechen können. Bis zum Tode seines Vaters 1874 und bis 
zur Neugründung der Annener Hütte 1885 unter Carl Hahne setzte 
Otto Schott immer wieder Ergebnisse seiner wissenschaftlichen 
Arbeiten in den Familienbetrieben um. "Von vielen Neuerungen 
profitierte letztlich neben der Wittener auch die gesamte 
Deutsche Glasindustrie", erklärt Anne Kugler-Mühlhofer. 1882 
zog Otto Schott nach Jena und gründete dort gemeinsam mit Ernst 
Abbe sowie Roderich und Carl Zeiss das "Glastechnische 
Laboratorium Schott & Genossen".

Albert Renger-Patzsch (1897-1966)

Die Ausstellung im ehemaligen Werkstattgebäude der Zeche 
Nachtigall zeigt circa 60 Originalabzüge, so genannte Vintage 
Prints, des Fotografen aus dem Schott-Archiv. Renger-Patzsch 
dokumentierte für die Glasfabrik Schott alle Stationen der 
Glasherstellung - von der Zusammenstellung des Gemenges bis zum 
fertigen Produkt. Die Zusammenarbeit zwischen Schott und 
Renger-Patzsch begann 1936. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 
ein renommierter Fotograf, der im Auftrag zahlreicher 
Industrieunternehmen Werke, Produkte und Produktionsabläufe 
dokumentierte. Auch für Schott, zunächst im Jenaer Glaswerk, 
nahm er alle Vorgänge des Glasmachens auf. Diese 
Dokumentationen setzte Renger-Patzsch ab 1954 in den Werken von 
Schott in Mainz und Grünenplan fort.

Nachdem Albert Renger-Patzsch von seinem Vater die Techniken 
der Fotografie erlernt hatte, leitete er Anfang der 1920er 
Jahre das Bildarchiv des Folkwang-Verlags und war zugleich dort 
als Fotograf tätig: Er dokumentierte Kunstwerke, vor allem aber 
fertigte er Aufnahmen von Pflanzen - ihrer Struktur und Details 
- an. Eine Zusammenschau seines Werkes erschien 1928 unter dem 
Titel 'Die Welt ist schön‘.

Seit Ende der 20er Jahre lebte Renger-Patzsch in Essen. Er 
verfügte über ein Atelier im Museum Folkwang und unterrichtete 
1933 für sieben Monate an der Folkwang-Schule. Während dieser 
Zeit entstanden zugleich viele seiner Ruhrgebiets-Ansichten. 
Mitte der 1930er Jahre nahmen seine Aufträge für 
Industrieunternehmen zu. Renger-Patzsch zählt heute zu den 
bedeutendsten Fotografen der Neuen Sachlichkeit.


INFO

Eröffnung

Zur Eröffnung am Sonntag (11.11.) um 11 Uhr sind Gäste herzlich 
willkommen. Um 14.30 Uhr findet eine Führung mit der Kuratorin 
aus dem Schott-Archiv in Jena, Dr. Angelika Steinmet-Oppelland, 
statt. Teilnahme und Eintritt sind frei. Vorträge und 
Themen-Führungen begleiten die Schau in den kommenden Monaten. 
Informationen dazu unter http://www.lwl-industriemuseum.de.

	
Albert Renger-Patzsch. Industriefotografien für Schott
11. November 2012 bis 2. Juni 2013
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten
Geöffnet Di - So 10-18 Uhr


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