[WestG] [AKT] LWL-Archaeologen finden ueberraschend einen zweiten mittelalterlichen Stadtgraben in Haltern
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jun 28 10:33:19 CEST 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.06.2012, 14:31
AKTUELL
LWL-Archäologen finden überraschend einen zweiten
mittelalterlichen Stadtgraben in Haltern
Mit archäologischen Überraschungen hat Haltern am See schon
häufiger auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt kommen die
Archäologen der LWL-Archäologie für Westfalen wieder ins
Staunen. In einer unscheinbaren Baustelle trat unverhofft ein
dem Hauptgraben vorgelagerter zweiter Stadtgraben aus dem
Spätmittelalter zutage. "Damit haben wir den ersten Nachweis
dafür, dass Haltern eine gestaffelte Stadtbefestigung hatte",
bewertet LWL-Archäologe Dr. Hans-Werner Peine den
Überraschungsfund als kleine Sensation für die Stadt, die
insbesondere mit seinem Römerlager von sich Reden macht.
Es war eine routinemäßige Baustellenbeobachtung an den Straßen
Grabenstiege/Zum Mühlengraben im Norden des historischen
Stadtzentrums, bei der sich die Aufmerksamkeit der Baufirmen
und Vertreter der Stadt auf die Verfärbungen im Boden
richteten. Dort, wo demnächst ein Wohnhaus entstehen soll, war
in der Erde deutlich zu erkennen, dass hier einstmals ein
Graben die Landschaft prägte. Die Archäologen des
Mittelalterreferates der LWL-Archäologie für Westfalen wurden
von Michael Berkenkamp, dem Bauleiter vor Ort, sowie von Ulrich
Ruppert vom zuständigen Fachbereich der Stadt Haltern über den
Fund informiert. Nach genauer Dokumentation des Grabens ist
Referatsleiter Peine begeistert: "Es handelt sich dabei nicht
um den eigentlichen Hauptgraben der Stadtbefestigung, dessen
Verlauf uns überliefert ist." Vielmehr zeugen die sich deutlich
im Boden abzeichnenden Grabenspuren von der Existenz eines
zweiten Außengrabens, der dem Wall, dem Hauptgraben und der
Stadtmauer im Norden der Stadt vorgelagert war.
"Wir sehen hier vermutlich eine Aus¬baustufe der
Stadtbefestigung, eine spätmittelalterlichen Erweiterung der
Verteidigungsanlagen", erläutert Peine und deutet dabei auf die
dunkle Erdschicht, die sanft in der Tiefe der Erde verschwindet
und wieder aufsteigt. Der Graben verläuft von Osten nach Westen
und ist knapp 7,5 Meter breit. Er reicht bis in 2,6 Metern
Tiefe hinab. Der Graben wurde später verfüllt, vermutlich wurde
der Wall hineingeschoben. "Die Füllschicht ist völlig steril -
das heißt, darin sind keine weiteren Funde zu entdecken",
erklärt der LWL-Archäologe.
Hintergrund
Solche doppelten, der Stadtmauer vorgelagerten Grabensysteme
sind im Mittelalter eine durchaus gängige Methode, um die Stadt
vor Gefahren und Eindringlingen zu schützen. Den sicheren
Beweis, dass auch die mittelalterlichen Bewohner in Haltern
sich auf diese Art vor Bedrohungen schützten, können jetzt die
LWL-Archäologen dank der Aufmerksamkeit der Bauleitung und der
Stadt Haltern dokumentieren. Im Süden der Stadt war eine
doppelte Befestigung wohl nicht erforderlich, weil dort die
Lippe einen natürlichen Schutz bot.
Erstmals sicher belegt ist eine Stadtbefestigung in Haltern im
Jahr 1289. Damals befahl der Bischof von Münster, als damaliger
Stadtherr, Haltern "de novo" - von neuem - zu befestigen. Es
ist also davon auszugehen, dass es bereits eine ältere
Umwehrung gab. Wie beide Befestigungen genau aussahen, ist
nicht bekannt. Mit dem jetzigen Fund weiß man jedoch zumindest
über den zweiten Außengraben ein wenig mehr.
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