[WestG] [AKT] LWL kuert eines der aeltesten Bauernhaeuser Deutschlands zum Denkmal des Monats
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Jul 25 10:49:32 CEST 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 24.07.2012, 14:46
AKTUELL
Mittelalterliches Kleinod versteckte sich hinter baufälligen
Anbauten:
LWL kürt eines der ältesten Bauernhäuser Deutschlands zum
Denkmal des Monats
Versteckt in einer Gruppe von baufällig gewordenen Anbauten sah
das Bauernhaus in Lüdinghausen hinter seinem Giebel aus
Backstein aus wie ein Industriegebäude aus der Zeit um 1900.
Das Dach des lange unbewohnten Hauses war undicht, der
eindringende Regen zerstörte immer mehr von den alten
Fachwerkmauern. Die Tage des Hofes Grube schienen gezählt - er
gehörte bereits der Schifffahrtsbehörde und sollte den
Sandmassen vom Aushub der Erweiterung des Kanals weichen, als
Karin und Johannes Busch ihn im Jahr 2003 untersuchten. Ihr
Ergebnis war für die Wissenschaft eine Sensation: In dem Haus
verbarg sich eines der ältesten Bauernhäuser Deutschlands, das
um 1517 gebaut worden war. Die engagierten Denkmalfreunde
kauften den Bauernhof im Jahr 2008 und retteten ihn. Deshalb
kürte der LWL das Haus zum Denkmal des Monats Juli.
Mit Hilfe der Dendrochronologie, die die Jahresringfolge des
Bauholzes bestimmen kann, konnte als Fälldatum der hier
verbauten Hölzer das Jahr 1517 ermittelt werden. "Ist schon das
Alter des Hauses selbst von großer Bedeutung, zeigt es einen
Bautyp des niederdeutschen Bauernhauses, welcher erst viel
später diese Region geprägt hat, nämlich das Vierständerhaus.
Die bisher bekannten ältesten Bauten dieser Bauart waren
mindestens hundert Jahre jünger und stehen in Ostwestfalen und
an der Weser", erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Ulrich Reinke
eine weitere Besonderheit des Hauses.
Nachdem das Ehepaar Busch den Hof gekauft hatte, machte es das
Haus bekannt, so förderte sogar die Deutsche Stiftung
Denkmalschutz die Wiederherstellung. Mit großer Tatkraft
begannen sie das Haus zu restaurieren. Die dramatische
Rettungsaktion ist heute abgeschlossen: Die großen Dächer sind
wieder mit den alten Hohlpfannen gedeckt und vermitteln mit
ihrer Patina das Alter des Hauses und seine Tradition. An den
Fachwerkwänden zeigen die neuen Hölzer, wie groß die Schäden an
den Wänden waren. Dank der traditionellen Zimmermannsarbeit
fügen sich Alt und Neu harmonisch zusammen. Es bleibt noch viel
zu tun, bis im Haus wieder das alte Herdfeuer brennen kann und
die Räume wieder bewohnt werden. Ohne weitere Unterstützung
wird es noch lange dauern.
"Das bisher Erreichte ist aber schon jetzt beeindruckend. Wenn
man in der Wirtschaftsdeele von 1517 steht und seine
Konstruktion und Größe auf sich wirken lässt, würde man gerne
mehr von dieser bäuerlichen Welt des Mittelalters erfahren.
Auch das ist hier möglich, denn seit Grabungen auf dem Hof
stattfanden, weiß man, dass die Hofstelle schon um das Jahr
1000 besiedelt war, wo die Menschen ihre Brunnen hatten, welche
Keller sie benutzten und aus welchen Tongefäßen sie gegessen
und getrunken haben", so Reinke.
Auch für die jüngere Geschichte der Landwirtschaft bietet die
Hofstelle interessante Bauwerke. So stehen von den zu einem
Bauernhof gehörenden Nebengebäuden noch ein Speicher aus dem
18. Jahrhundert und jüngere Scheunen und Ställe. Ein
wasserführender Graben, die Gräfte, umfasste die alten Gebäude
des Hofes . Sie ist in großen Teilen wiederhergestellt und
verbindet die landwirtschaftlichen Flächen mit ungenutzter Natur.
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