[WestG] [AKT] Neues Museum wird eroeffnet: Fritz-Linde-Museum, Kierspe, 28.07.2012
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jul 23 11:09:14 CEST 2012
Von: "Ulrich Finke" <ulrich1finke at aol.com>
Datum: 23.07.2012, 09:59
AKTUELL
Neues Museum wird eröffnet: Fritz-Linde-Museum
Kierspe: Fritz Linde, Höferhof 23
Der Heimatverein Kierspe freut sich Ihnen mitteilen zu können,
dass in dem ehemaligen Wohnhaus von Fritz Linde auf Wunsch
seiner zuletzt lebenden Tochter mit viel Enthusiasmus und
Renovierungsarbeit am Samstag 28. Juli das neue Museum von
11:00 Uhr bis 17:00 Uhr erstmalig für alle Heimatfreunde und
Interessierte geöffnet hat. Die offizielle Eröffnungsfeier des
Fritz Linde Museums findet 130 Jahre nach seiner Geburt am
26.7. im geladenen Kreis statt. Fritz Linde ist ein über die
Grenzen Kierspes und des Märkischen Kreises hinaus sehr
bekannter und gern zitierter niederdeutsch schreibender Dichter.
Fritz Linde schrieb sein erstes Gedicht als 7-jähriger als
Grabinschrift des Wellensittichs. Mit 14 Jahren begann seine
berufliche Laufbahn im Hammerwerk als "Draufschläger". Später
arbeitete er bei der bekannten Firma Dr. Deisting in Kierspe.
Auf seinem Weg von und zur Arbeit schrieb er seine Gedichte
unter anderem auf Kalenderblättern. Nebenbei hatte er noch
Landwirtschaft.
Zuerst schrieb er noch in Hochdeutsch meist seine
geschichtlichen Eindrücke und Wanderungen rund um Kierspe,
später erkannte er, dass es wichtig ist, alles in der
"Muttersprache" - seiner Sprache der Kindheit aufzuschreiben,
denn die Plattdeutsche Sprache war im Niedergang begriffen. Er
begann später ein Wörterbuch zu schreiben, wurde sogar vom
"Niederdeutschen Wörterbuch" befragt.
"Muttersprache" umschließt ja wesentlich mehr als nur die
Verwendung eines bestimmtem Vokabulars und begrenzender
grammatischer Funktionen.
Plattdeutsches Sprechen setzt eine ganz eigene Mentalität zur
Umwelt voraus: Sie ist bildhaft, wo das Hochdeutsche schließt.
Sie ist treffend, wo das Hochdeutsche umschreibt und trifft den
Nagel auf den Kopf da, wo die hochdeutsche Sprache daneben geht.
Unsere plattdeutschen Sprichwörter sind das beste Beispiel
dafür; ohne Symbolik ist dem nur Hochdeutsch Sprechenden
unzugänglich; er merkt nicht, "wie die Glockenläuten".
Fritz Linde war ein Meister dieser Sprache. Er spricht sie
schlicht und einfach, ungekünstelt. Was er schafft ist nicht am
Schreibtisch geplant und erklügelt, es ist erlebt. Insofern ist
seine gesamte Dichtung Erlebnisdichtung. Es ist ein Wesenszug
seiner Dichtung, Fritz Linde hatte drei Kinder und lebte
einschließlich seiner Tiere in dem Haus Höferhof 23.
In seiner Küche und Stall ist ein Raum entstanden, in dem Platz
für bis zu 30 Personen ist. In diesem Raum können Tagungen
stattfinden. Fast alle seine Schriften, Ausarbeitungen für
Vereine, Feste und so weiter hat der Heimatverein gesammelt und
vieles noch auf dem Dachboden seines Hauses gefunden und
begonnen diese für zukünftige Ausstellungen aufzuarbeiten.
Neben hoch- und plattdeutschen Gedichten, Theaterstücken,
Zeugnissen, Büchern werden auch Bilder und seine Liebesbriefe
aus der Zeit um 1906 an seine liebe (Frau) Lina zu sehen sein.
Hier eins seiner bekannten Gedichte:
Fierowend
Im Duorpe schlött de Kiarkenuhr.
Spann af, mak Fierowend, Bu´r!
Dien Schimmel spitzt de Ohren.
Hei kennt dat Lün üm´ Nahmestied
Un dat de Stall nu nit meh wiet,
Weit hei noch van tejohren.
Spann af, mak Fierowend, Bu´r!
Hiat alles seine Tied und Du´r.
Et schliekt met griesen Schleiern
De Nacht alt ümme´n Dannenklopp.
Pack dienen Schimmel an en Kopp!
De Köster es am beiern.
Spann af, mak Fierowend, Bu´r!
De Dag was lang, de Arbet su´r,
Dat Arn es nu gescheien.
De Köster lütt, hei lütt in´t Graf;
Et sollen die de Tüels af -
Dien Piad daut andre leien.
Dazu werden noch die Bücher der Lehrerin und
Geschichtenschreiberin Anny Wienbruch zu sehen sein. Sie
schrieb über 100 Kinderbücher. In den Büchern kann man oft das
ein oder andere Kind aus Ihrer Klasse identifizieren, Einige
Ihrer Bücher wurden im 3. Reich verboten. Heute sind viele
Ihrer Bücher auch in der Nationalbibliothek zu finden. Anny
Wienbruch mußte Ihre Heimatstadt Weissemburg (Elsass) 1919 als
"Reichsdeutsche" ein Jahr nach ihrer Lehrerinnenprüfung in
Strassburg verlassen, sie zog mit Ihren Eltern nach Kierspe und
bekam eine Anstellung als Lehrerin in der heutigen
Pestalozzischule. 44 Jahre blieb Sie an der Schule.
Ebenso wird das Kiersper plattdeutsche Wörterbuch von Fritz
Karge ausgestellt, es beinhaltet ca. 20.000 Wörter, Basis war
der Gedichtsschatz von Fritz Linde.
Alles insgesamt ein unschätzbarer Fundus für Heimatfreunde.
Der Heimatverein freut sich auf viele Gäste am 28. 7. Und
später während des Öffnungszeiten jeden 1. Dienstag im Monat
von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr oder nach Voranmeldung.
Der Eintritt ist, wie in allen Einrichtungen des Heimatvereins
kostenlos. Zur Deckung der laufenden Kosten übernimmt der
Heimat die Bewirtung im Fritz Linde Museum,
Gerne werden auch Spenden angenommen.
Hier kann in vielen Büchern gelesen und vorgelesen werden um
die heimische niederdeutsche Sprache vor dem Aussterben zu
bewahren.
INFO
Fritz-Linde-Museum
Höferhof 23
Kierspe
Anfragen werden von:
Silvia Baukloh
Tel.: 02359/3614
E-Mail: silvia at baukloh.name
Marlen Vedder
Tel.: 02359/7584
E-Mail: Marlen.vedder at t-online.de
Stadt Kierspe
Svenja Kelm
E-Mail: svenja.kelm at kierspe.de
Tel.: 02359 661140
Ulrich Finke (Ortsheimatpfleger)
E-Mail: ulrich1finke at aol.com
entgegen genommen werden.
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte