[WestG] [AUS] Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg, Dortmund, 18.03.-30.09.2012
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Feb 13 11:17:31 CET 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.02.2012, 12:22
AUSSTELLUNG
Schemel als letztes Relikt der Zwangsarbeiter-Baracken auf Zollern
Vorbereitungen für internationale Wanderausstellung laufen
Viele Jahre lang hat der alte Holzschemel Werner Waldminghaus
gute Dienste geleistet. Manche Stunde saß der heute 75-Jährige
zu Hause in seiner Werkstatt auf dem einfachen Hocker. Als das
LWL-Industriemuseum vor einigen Jahren mit einem Aufruf
Zeitzeugen suchte, wurde Waldminghaus hellhörig. Er brachte den
Schemel zu Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus. Der Hocker ist
eines der letzten Relikte der beiden ehemaligen
Zwangsarbeiter-Baracken auf dem Gelände der Zeche Zollern im
Dortmunder Westen, in denen während des Zweiten Weltkriegs 200
russische Kriegsgefangene untergebracht waren.
Auch ihr Schicksal erzählt die internationale Wanderausstellung
"Zwangsarbeit" der Stiftung Gedenk-stätten Buchenwald und
Mittelbau-Dora, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
und die Gedenkstätte Steinwache der Stadt Dortmund ab 18. März
im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern präsentieren.
Auf den Ruhrgebietszechen wurden während des Zweiten
Weltkrieges viele ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie
stellten zeitweise 40 Prozent der Belegschaften. Den größten
Anteil bildeten nach 1942 sogenannte "Ostarbeiter" und
russische Kriegsgefangene. Von allen Gruppen waren sie im
Schema der nationalsozialistischen Rassenideologie am
schlechtesten gestellt. Körperliche Gewalt gehörte zur
Tagesordnung. Harte Arbeit und karge Essensrationen zehrten die
Männer aus. Hinzu kamen Kälte und schlechte hygienische
Bedingungen, so dass sich in vielen Lagern Krankheiten wie
Tuberkulose ausbreiteten. "Wenn die Leistung nachließ, drohte
überdies die Abschiebung in ein Sammellager oder schlimmer ins
Arbeitserziehungslager der Gestapo, was vielfach einem
Todesurteil gleichkam", erklärt LWL-Museumsleiterin Dr. Ulrike
Gilhaus.
Friedrich Waldminghaus war in jenen Jahren auf der Zeche
Zollern Vorarbeiter in einem der sogenannten "Russenstrebe".
Sohn Werner erinnert sich heute, dass sein Vater manches Mal
Kartoffeln vom Vortrag oder andere Lebensmittel mit zur Zeche
nahm. "Einmal wurde er erwischt und musste deswegen sogar zum
Verhör ins Gestapo-Gefängnis nach Dortmund-Hörde", erzählt der
75-Jährige. Die Russen bedankten sich bei dem Deutschen, indem
sie aus Holz und Metallresten kleine Spielzeuge für den Sohn
bastelten. "Leider habe ich von diesen Gegenständen keinen
mehr", bedauert Waldminghaus heute. Zumindest der Schemel hat
überdauert. Ihn holte die Familie, die in unmittelbarer
Nachbarschaft der Zeche wohnte, nach Kriegsende aus den
Baracken. Noch 1945 wurden die Holzhütten abgerissen. "Heute
existieren nur schriftliche Unterlagen von den Bauten", so Dr.
Ulrike Gilhaus. Am Tag des offenen Denkmals (9.9.2012), der in
diesem Jahr dem Werkstoff Holz gewidmet ist, wird die
Museumsleiterin bei speziellen Führungen Belegung,
Arbeitsrhythmus und Alltagsleben im Zwangsarbeiterlager von
Zollern und anderen Zechen erläutern.
INFO
Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg
Internationale Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten
Buchenwald und Mittelbau-Dora, initiiert und gefördert von der
Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ)
18. März bis 30. September 2012
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
URL: http://www.ausstellung-zwangsarbeit.lwl.org
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