[WestG] [AKT] "An der 'Heimatfront' - Westfalen und Lippe im Ersten Weltkrieg": LWL sucht Exponate fuer Wanderausstellung
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Aug 29 09:14:07 CEST 2012
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.08.2012, 14:53
AKTUELL
"An der 'Heimatfront' - Westfalen und Lippe im Ersten Weltkrieg"
LWL sucht Exponate für Wanderausstellung
2014 jährt sich zum 100. Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges.
Wie sah der Alltag in Westfalen und Lippe in den Jahren 1914
bis 1918 im Zeichen von Not, Entbehrung, Krankheit, Trennung
und Verlust aus? Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
bereitet eine Wanderausstellung vor, die die Kriegszeit aus dem
Blickwinkel der Zivilbevölkerung in der Region beleuchten soll.
Dafür sucht Ausstellungsmacherin Dr. Silke Eilers vom
LWL-Museumsamt noch aussagekräftige Exponate: "Mit Hausrat,
Ersatzstoffen, Kleidung, Spielzeug, Andenken an Kriegshochzeit
und andere Feste, Gegenständen aus Sammelaktionen,
Kriegsproduktion und Gefangenenlagern, 'Liebesgaben',
'Hurrakitsch', Kunstwerken, Trauerschmuck und Gegenständen der
Erinnerungskultur wollen wir den Kriegsalltag darstellen."
Die Ausstellung "An der 'Heimatfront' - Westfalen und Lippe im
Ersten Weltkrieg" möchte eine regionale Innenansicht des
Krieges ermöglichen. Sie berücksichtigt Aspekte wie
Kriegsbeginn, Familienleben, Versorgungslage, Fürsorge,
Arbeitswelt, Heimkehr, Kriegsende und -erinnerung. Zeugnisse
persönlicher Erfahrungen und Empfindungen vermitteln einen
Eindruck von der Lebenswirklichkeit. Dabei wird die Ausstellung
den Realitäten vor Ort offizielle Mobilisierungsstrategien
gegenüberstellen.
"Am Vorabend des Ersten Weltkriegs schwankte die Stimmung in
Westfalen und Lippe wie im gesamten Reich zwischen Euphorie und
Skepsis. Der tägliche Kampf ums Überleben führte rasch zur
Ernüchterung", erklärt Eilers. "Der Krieg erreichte mit
Versorgungsengpässen, Preissteigerungen und Rationierungen den
heimischen Herd. Ersatzprodukte hielten in vielen
Lebensbereichen Einzug. Formen der Selbsthilfe wie
Selbstversorgung, Schleichhandel und Hamstern gewannen an
Bedeutung. In Teilen Westfalens kam es zu Protesten, Streiks
und Unruhen."
Die Ausstellung spürt darüber hinaus veränderten
Familienstrukturen nach. Inwieweit trug der Krieg zu einem
Wandel von Geschlechterrollen, Moralvorstellungen und
Verhaltensformen bei? Die Jugend bewegte sich in einem
Spannungsfeld zwischen schulischer und vormilitärischer
Kriegserziehung und dem Fehlen männlicher Bezugspersonen. Die
Familien trieb die Sorge um die Angehörigen an der Front um.
Feldpostbriefe - millionenfach versendet - boten neben kurzen
Heimaturlauben die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme
zwischen Soldaten und Angehörigen. "Liebesgaben" wurden
organisiert von städtischen oder gemeinnützigen Einrichtungen
und Vereinen, in großem Umfang in die Kriegsgebiete befördert.
Abschließend wird sich die Ausstellung mit dem Kriegsende und
dem Nachklang des Krieges in Formen privater und offizieller
Erinnerung bis in die 1920er Jahre beschäftigen. So soll auch
die regionale künstlerische Auseinandersetzung in den Blick
genommen werden.
Die Ausstellung wandert 2014 und 2015 durch acht Museen in
Westfalen-Lippe, sie ist zu sehen im Mindener Museum, im
Historischen Centrum Hagen, im Museum für Kunst- und
Kulturgeschichte Dortmund, im Stadtmuseum Münster, im
Kreismuseum Wewelsburg, Büren (Kreis Paderborn), im
Sauerland-Museum des Hochsauerlandkreises in Arnsberg, im
Hamaland-Museum in Vreden (Kreis Borken) und im Historischen
Museum im Marstall in Paderborn-Schloß-Neuhaus. Ergänzend sind
ein wissenschaftlicher Begleitband und ein museumspädagogisches
Programm geplant.
INFO
Privatleute, Museen und Archive, die Materialien zur
Ausstellung beitragen möchten, werden gebeten, sich an Dr.
Silke Eilers, LWL-Museumsamt für Westfalen, unter 0251 591-4663
oder silke.eilers at lwl.org zu wenden.
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte