[WestG] [AKT] LWL-Archaeologen holen wenig bekannte Stadtgeschichte ans Licht

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Apr 24 11:12:03 CEST 2012


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 23.04.2012, 12:09


AKTUELL

LWL-Archäologen holen wenig bekannte Stadtgeschichte ans Licht

Licht in bislang noch wenig bekannte Kapitel der 
mittelalterlichen Geschichte Paderborns bringen Archäologen des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Dort, wo bald ein 
neues Geschäftshaus entstehen soll, schlummern wichtige 
Zeugnisse über den Wandel des Stadtbildes vom 12. bis 14. 
Jahrhundert nur wenige Meter entfernt vom Eingang zur Domburg. 
Hier zeichnet sich ein bislang einmaliger Fund ab: ein Wohnhaus 
mit etwa 200 Quadratmetern Grundfläche. "Ein solch großes 
Gebäude ist in Paderborn außerhalb der Domburg bislang 
einzigartig für diese Zeit", betont Grabungsleiter Dr. Sven 
Spiong

Voruntersuchungen hatten gezeigt, dass sich unter der 
abgerissenen modernen Bebauung ein Steinbruch des Paderborner 
Bischofs befand. Hier wurden bis in die Mitte des 12. 
Jahrhunderts die Kalksteine hergestellt, aus denen ebenso 
geistliche wie weltliche Gebäude innerhalb der Domburg als 
Zentrum der Stadt entstanden.

Als die Bischöfe Paderborn eine Stadtbefestigung und damit ein 
ganz neues Aussehen gaben, war Baufläche innerhalb der 
Stadtmauern jedoch begehrt. "Der Bischof ließ den Steinbruch 
etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts verfüllen, um Bauland 
insbesondere für die Neubürger der Stadt zu gewinnen", 
interpretiert Spiong die Ergebnisse der Ausgrabung.

Hintergrund
In der Verfüllung des Steinbruchs an der Straße Schildern 
zeichnen sich schon jetzt, zu Beginn der Ausgrabung, die 
Grundrisse eines Steinhauses aus dieser Zeit ab. Dabei handelte 
es sich wahrscheinlich um ein massives Gebäude mit den Resten 
eines prächtigen Kreuzgewölbekellers.

Eine kleine Zufahrt in den Hof des Gebäudekomplexes überbauten 
die nachfolgenden mittelalterlichen Generationen der Bewohner 
noch im 13. Jahrhundert und gaben der nun geschlossenen 
Hausfassade ein städtisches Aussehen. Damit bestätigen sich 
Erkenntnisse aus früheren Ausgrabungen: Paderborn wandelte in 
dieser Zeit mit einer neuen Einteilung der Grundstücke und 
einzelner Straßen sowie einer neuen repräsentativen Architektur 
sein Gesicht. Mit dem Bau der Stadtmauer 1183 kam es zur 
eigentlichen Stadtgründung.

Die aktuellen Ausgrabungen liefern auf rund 400 Quadratmetern 
Erkenntnisse zur Stadtentwicklung Paderborns und zur 
Entwicklung bürgerlicher Häuser des 12. und 13. Jahrhunderts. 
Spiong freut sich über die guten Erhaltungsbedingungen unter 
dem in den letzten Monaten abgerissenen modernen Gebäude: 
"Zusammen mit den Ausgrabungen im Kötterhagen in den Jahren 
2005/2006 und im Schildern 1-7 in den Jahren 2000/2001 liegt 
uns eine große Fläche und somit eine gute Grundlage vor, um die 
Bauentwicklung in der Frühgeschichte der Stadt im 12. und 13. 
Jahrhundert besser verstehen zu können."

Die bisherigen Metallfunde und eine große Menge an 
Keramikscherben versprechen außerdem gute 
Datierungsmöglichkeiten. Darüber hinaus geben sie einen kleinen 
Einblick in den bürgerlichen Alltag der Paderborner vor etwa 
800 Jahren.

Zwei Monate hat das Grabungsteam jetzt Zeit, um die Mauern, 
Fundamente, und Schichten freizulegen, zu zeichnen und genau 
einzumessen. Dann entsteht hier ein modernes Geschäftshaus. Die 
Archäologen informieren regelmäßig direkt vor Ort über ihre 
Ergebnisse und den Fortschritt der Forschungen: Immer dienstags 
finden um 18 Uhr kostenlose öffentliche Führungen an der 
Grabungsstelle im Schildern 6 statt.


Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte